Die Hansestadt Anklam muss ihren Haushalt deutlich nachbessern. Die Rechtsaufsicht hat das Zahlenwerk beanstandet und ein Konsolidierungskonzept verlangt. Trotz geplanter Einsparungen bei Straßen, Schulen, Kultur und Verwaltung bleibt eine Lücke von mehreren Millionen Euro bestehen.

Defizit von mehr als fünf Millionen Euro

Der aktuelle Haushalt der Hansestadt weist nach Angaben des NDR ein Minus von gut fünf Millionen Euro auf. Da die Haushalte bereits seit 2023 nicht ausgeglichen sind, könnte sich das aufgelaufene Defizit bis Ende 2026 auf rund 18 Millionen Euro erhöhen.

Die Rechtsaufsicht des Landkreises Vorpommern-Greifswald verlangt deshalb ein Konzept, mit dem die Stadt ihre finanzielle Lage verbessert. Dieses soll bis Ende Juli vorliegen.

Kürzungen in mehreren Bereichen

Die vorgesehenen Einsparungen sollen sich auf zahlreiche Bereiche verteilen. Geprüft werden Kürzungen bei Straßensanierungen, Schulen, Museen sowie bei der Tourismus-, Sport- und Kulturförderung. Auch Verwaltung und Wirtschaftsförderung sollen einen Beitrag leisten.

Zusätzlich sollen die Gebühren für den Friedhof, die Bibliothek und den Hafen überprüft werden. Bereits im Mai hatte die Stadtvertretung beschlossen, den Gewerbesteuerhebesatz wieder auf 420 Prozent anzuheben.

Damit werden auch Unternehmen und Nutzer kommunaler Einrichtungen an der Haushaltskonsolidierung beteiligt.

Freiwillige Leistungen unter Druck

Besonders gefährdet sind sogenannte freiwillige Leistungen. Dazu zählen Veranstaltungen, Kulturangebote, Sportförderung und touristische Projekte. Über ihre Fortführung entscheidet die Stadt selbst, sie stehen deshalb bei angespannten Haushalten häufig zuerst zur Diskussion.

Für Anklam entsteht damit ein schwieriger Zielkonflikt. Die Stadt investiert gleichzeitig in Schulen, Feuerwehr, Kulturgebäude und die touristische Entwicklung. Werden diese Bereiche zu stark gekürzt, können notwendige Sanierungen weiter verschoben und Angebote dauerhaft geschwächt werden.

Folgen für Bürger und Unternehmen

Höhere Gebühren und geringere Förderungen wirken sich unmittelbar auf Einwohner, Vereine und Betriebe aus. Sportvereine und Kulturträger könnten weniger Unterstützung erhalten. Unternehmen müssen mit einer höheren Gewerbesteuer kalkulieren.

Auch verschobene Straßen- oder Schulsanierungen können langfristig zusätzliche Kosten verursachen. Kurzfristige Einsparungen lösen deshalb nicht automatisch die strukturellen Probleme des Haushalts.

Wie es weitergeht

Die Stadt muss der Rechtsaufsicht ein belastbares Konsolidierungskonzept vorlegen. Darin müssen Einsparungen, zusätzliche Einnahmen und die finanzielle Entwicklung der kommenden Jahre dargestellt werden.

Nach bisherigen Angaben reichen die geplanten Maßnahmen nicht aus, um das gesamte Defizit kurzfristig auszugleichen. Weitere Entscheidungen dürften deshalb bei den kommenden Haushaltsberatungen notwendig werden.

Anklam steht vor einer schwierigen finanziellen Neuordnung. Die Stadt muss sparen, darf dabei aber Investitionen in Schulen, Straßen, Feuerwehr und Kultur nicht dauerhaft gefährden. Das aktuelle Maßnahmenpaket entlastet den Haushalt, schließt die Millionenlücke aber noch nicht.

Quellen

– Norddeutscher Rundfunk: „Anklam: Stadtvertreter beraten über Sparmaßnahmen“, veröffentlicht am 18. Juni 2026.
– Hansestadt Anklam: aktuelle amtliche Bekanntmachungen und Sitzungsinformationen, abgerufen am 23. Juli 2026.