Wenn im späten November die Nächte länger werden, erstrahlen in Straßen, Kirchen und Wohnzimmern weltweit geometrische Kunstwerke mit ihren charakteristischen Spitzen. Ob an der Fassade des Berliner Doms, im Mailand der Mode oder in privaten Fenstern im ländlichen Sachsen: Der Herrnhuter Stern ist das wohl international bekannteste Symbol für die Adventszeit.

Seine Heimat hat das berühmte Licht im ostsächsischen Städtchen Herrnhut (Bundesland: Sachsen, Landkreis Görlitz) in der Oberlausitz. Hier begründeten Glaubensflüchtlinge aus Mähren im 18. Jahrhundert unter dem Schutz des Grafen Nikolaus Ludwig von Zinzendorf die Evangelische Brüdergemeine – eine Gemeinschaft, deren Erfindergeist und Tatkraft Weltgeschichte schreiben sollte.

Inhaltsübersicht

  1. Heimweh und Geometrie: Der erste Stern im Mathematikunterricht

  2. Die Magie der 25 Zacken: Ein mathematisches Meisterwerk

  3. Vom Internat in die Serie: Pieter Hendrik Verbeek und das Patent

  4. Handarbeit bis heute: Warum jeder Stern ein Unikat bleibt

  5. Ortspunkt Herrnhut: Wo du die Sternenmanufaktur hautnah erlebst

  6. Leser-Aufruf: Hängt bei dir in der Adventszeit ein Herrnhuter Stern?

Heimweh und Geometrie: Der erste Stern im Mathematikunterricht

Die Geburt des Herrnhuter Sterns liegt in den Internaten der Brüdergemeine um das Jahr 1821. Da die Eltern vieler Schüler als Missionare auf allen Kontinenten unterwegs waren, blieben die Kinder während der Weihnachtszeit im Internat.

Um den Jungen und Mädchen das Heimweh zu lindern und gleichzeitig das räumliche Vorstellungsvermögen zu schulen, bastelte ein Mathematiklehrer mit seinen Schülern geometrische Körper aus Papier. Am ersten Sonntag im Advent 1821 fügten die Kinder erstmals Zacken aus Papier zusammen, schoben eine Lampe hinein und hängten das leuchtende Gebilde im Internatshof auf – der erste Herrnhuter Stern war geboren.

Die Magie der 25 Zacken: Ein mathematisches Meisterwerk

Der klassische Herrnhuter Stern basiert auf einer faszinierenden geometrischen Grundform: dem Rhombenkuboktaeder. Dieser mathematische Körper besteht aus 26 Flächen: acht Dreiecken und 18 Quadraten.

Auf diesen Grundkörper werden die Spitzen montiert:

  • 17 viereckige Zacken (auf den Quadratflächen)

  • 8 dreieckige Zacken (auf den Dreiecksflächen)

  • Auf der obersten quadratischen Fläche bleibt die Öffnung für die Aufhängung und das Leuchtmittel frei – so ergeben sich die berühmten 25 Zacken.

Vom Internat in die Serie: Pieter Hendrik Verbeek und das Patent

Über Jahrzehnte hinweg blieb das Sternbasteln eine liebgewonnene, aber unhandliche Internatstradition. Die Sterne waren fest verklebt und ließen sich nach den Feiertagen kaum beschädigungsfrei verstauen.

Der Durchbruch zur weltweiten Verbreitung gelang dem Herrnhuter Buchhändler Pieter Hendrik Verbeek. Er erfand Ende des 19. Jahrhunderts einen faltbaren Stern mit kleinen Metallklammern (den sogenannten Nasen), der sich auseinandernehmen und in flachen Kartons verschicken ließ. 1925 ließ er den ersten rahmenlosen, zusammenlegbaren Stern patentieren und gründete die erste Sterngesellschaft.

Handarbeit bis heute: Warum jeder Stern ein Unikat bleibt

Trotz modernster Nachfrage werden die originalen Papiersterne in Herrnhut bis zum heutigen Tag in aufwendiger Handarbeit gefertigt. In den Werkstätten falten und kleben erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jede einzelne Zacke mit ruhiger Hand.

Neben den traditionellen Papiersternen für den Innenbereich fertigt die Manufaktur heute wetterfeste Kunststoffsterne für den Außenbereich in zahlreichen Farben und Größen – vom winzigen Miniaturstern für den Weihnachtsbaum bis hin zum gigantischen Großstern für Kirchenschiffe und öffentliche Plätze.

Leser-Aufruf: Hängt bei dir in der Adventszeit ein Herrnhuter Stern?

Welche Farbe strahlt an deinem Fenster – das klassische Gelb-Rot, schlichtes Weiß oder ein moderner Farbton – und hast du die Manufaktur in Herrnhut schon einmal besucht?

Schickt uns eure Fotos und Geschichten per E-Mail an redaktion@ostdeutsche-zeitung.de!