Ein jahrelanges Geschäft mit gestohlenen Autos soll quer durch Deutschland und über die Grenze nach Polen geführt haben. Jetzt ist sächsischen und polnischen Ermittlern ein großer Schlag gegen die mutmaßliche Tätergruppe gelungen.

Die Staatsanwaltschaft Dresden und das Landeskriminalamt Sachsen ermitteln gegen zwölf polnische Staatsangehörige im Alter zwischen 19 und 54 Jahren. Ihnen wird schwerer Bandendiebstahl in mehr als 70 Fällen vorgeworfen. Der bisher ermittelte Gesamtschaden liegt bei mehr als drei Millionen Euro.

Neun Beschuldigte in Polen festgenommen

Am 22. September schlugen die Ermittler gleichzeitig an mehreren Orten in Polen zu.

Neun der zwölf Beschuldigten wurden festgenommen. Grundlage waren Europäische Haftbefehle, die von der Staatsanwaltschaft Dresden beantragt worden waren. Die Männer befinden sich nach Angaben der Ermittler in Polen in Auslieferungshaft. Deutschland hat ihre Auslieferung beantragt.

An dem Großeinsatz waren rund 120 polnische und 60 sächsische Polizeibeamte beteiligt.

Durchsuchungen fanden unter anderem in Wrocław, Lubin, Zgorzelec, Bogatynia, Porajów, Ogorzelec und Złotoryja statt.

Autoteile von rund 30 gestohlenen Fahrzeugen gefunden

Die Ermittler stießen bei den Durchsuchungen auf umfangreiches Beweismaterial.

Sichergestellt wurden Fahrzeugteile, die nach bisherigen Erkenntnissen von rund 30 gestohlenen Autos stammen sollen. Auf veröffentlichten Bildern sind ganze Lagerbereiche mit Karosserieteilen zu sehen.

Die Ermittler gehen davon aus, dass hochwertige Fahrzeuge nach den Diebstählen nach Polen gebracht und dort gewinnbringend verwertet wurden.

Dabei soll die mutmaßliche Gruppe über Jahre hinweg arbeitsteilig vorgegangen sein.

Diebstähle von 2017 bis Ende 2025

Der Tatzeitraum ist außergewöhnlich lang.

Nach Angaben der Ermittlungsbehörden sollen die Beschuldigten zwischen Anfang 2017 und Ende 2025 Autos in Deutschland gestohlen haben.

Staatsanwaltschaft und LKA gehen davon aus, dass sich unter den zwölf Beschuldigten sowohl Mitglieder als auch führende Personen der mutmaßlichen Bande befinden.

Damit würde sich die Serie über fast neun Jahre erstrecken.

Auch Zittau, Oybin und Ebersbach-Neugersdorf betroffen

Besonders deutlich ist der Bezug nach Ostsachsen.

Zu den Orten, an denen Fahrzeuge gestohlen worden sein sollen, gehören nach veröffentlichten Angaben unter anderem:

• Dresden, • Radeberg, • Radebeul, • Görlitz, • Zittau, • Ebersbach-Neugersdorf, • Oybin, • Schleife, • Klipphausen, • Niederau und • Schönfeld.

Damit reicht die mutmaßliche Diebstahlsserie tief in die Oberlausitz und bis unmittelbar an die deutsch-polnische Grenze.

Auch in Brandenburg soll die Gruppe zugeschlagen haben. Genannt werden unter anderem Kleinmachnow und Lübbenau. Weitere Fälle gab es laut Ermittlern in mehreren anderen Bundesländern.

Tatorte quer durch Deutschland

Die Ermittlungen beschränken sich nicht auf Sachsen.

Fälle werden unter anderem Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Baden-Württemberg zugerechnet. Auch Städte wie Magdeburg, Halle, Mannheim, Münster, Saarbrücken und Wolfsburg werden in Zusammenhang mit dem Verfahren genannt.

Damit zeichnet sich das Bild einer mutmaßlich weit über Sachsen hinaus agierenden Struktur ab.

Die Ermittler sprechen von einer Gruppe, die von Polen aus europaweit aktiv gewesen sein soll.

Warum waren hochwertige Autos das Ziel?

Hochwertige Fahrzeuge sind für professionelle Tätergruppen besonders attraktiv.

Nicht immer werden gestohlene Autos als komplettes Fahrzeug weiterverkauft. Fahrzeuge können zerlegt und einzelne Bauteile weiterverwertet werden. Gerade Motoren, Getriebe, Elektronik, Karosserieteile oder hochwertige Innenausstattung besitzen erhebliche Werte.

Was mit den einzelnen in diesem Verfahren gestohlenen Fahrzeugen genau geschah, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen.

Dass bei den Durchsuchungen Teile von etwa 30 gestohlenen Fahrzeugen entdeckt wurden, dürfte für die Ermittler nun eine umfangreiche Zuordnungsarbeit bedeuten.

Drei Beschuldigte noch nicht festgenommen

Von den insgesamt zwölf Beschuldigten wurden neun bei der Polizeiaktion in Polen gefasst.

Damit befinden sich drei weitere Beschuldigte bislang nicht unter den neun Festgenommenen.

Zu ihrem Aufenthaltsort und dazu, ob auch gegen sie Europäische Haftbefehle bestehen, wurden zunächst keine näheren Angaben veröffentlicht.

Auslieferung nach Deutschland beantragt

Die Staatsanwaltschaft Dresden will das Verfahren gegen die festgenommenen Beschuldigten in Deutschland führen.

Deshalb wurde ihre Auslieferung aus Polen beantragt.

Erst nach Abschluss des Auslieferungsverfahrens können die Männer nach Deutschland überstellt werden. Bis dahin bleiben sie nach Angaben der Ermittlungsbehörden in polnischer Auslieferungshaft.

Für sämtliche Beschuldigten gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung.

Ermittler müssen jetzt Jahre von Autodiebstählen aufarbeiten

Die Festnahmen dürften das Verfahren noch längst nicht beenden.

Mehr als 70 mutmaßliche Diebstähle, Tatorte in zahlreichen Städten, ein Zeitraum von fast neun Jahren und sichergestellte Fahrzeugteile von rund 30 Autos müssen nun detailliert ausgewertet und einzelnen Taten zugeordnet werden.

Für Sachsen ist der Fall besonders brisant, weil eine ganze Reihe der mutmaßlichen Tatorte im Osten des Freistaates liegt.

Von Dresden über Radeberg und Görlitz bis nach Zittau, Oybin und Ebersbach-Neugersdorf reicht die Spur.

Nach jahrelangen Ermittlungen liegt die entscheidende Frage nun bei den Gerichten:

Lässt sich den einzelnen Beschuldigten nachweisen, welche Rolle sie innerhalb der mutmaßlichen Bande gespielt haben?