Die Städtischen Museen Zittau widmen sich am 1. September einem schwierigen Kapitel der regionalen Industriegeschichte. Die Historiker Ina Deppe und Dr. Michael Kamp sprechen über Jürgen Ulderup und seine Tätigkeit als Leiter der Zittwerke AG, die eng mit der nationalsozialistischen Rüstungsproduktion verbunden war.
Ulderups Aufstieg in der NS-Luftfahrtindustrie
Der Vortrag zeichnet zunächst Ulderups familiären Hintergrund und seinen beruflichen Werdegang nach. Nach 1933 stieg der ausgebildete Wirtschaftsingenieur in der expandierenden deutschen Luftfahrtindustrie auf. 1941 übernahm er bei den Junkers Motorenwerken in Dessau die Leitung des Technischen Hauptbüros.
Die Referenten beschäftigen sich außerdem mit seiner politischen Entwicklung. Nach Angaben der Städtischen Museen werden dabei seine schrittweise Anpassung an das NS-System sowie seine Mitgliedschaften in der Reiter-SS und der NSDAP thematisiert.
Zittwerke produzierten Strahltriebwerk Jumo 004
Im Mittelpunkt des Abends steht Ulderups Tätigkeit für die Zittwerke AG. Das Unternehmen wurde 1943 und 1944 als Tarnunternehmen des Junkers-Konzerns in Zittau und Halberstadt aufgebaut.
Zu den dort gefertigten Produkten gehörte das Strahltriebwerk Jumo 004. An zahlreichen Produktionsstandorten kamen ausländische Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge zum Einsatz.
Vortrag fragt nach Verantwortung als Rüstungsmanager
Deppe und Kamp wollen der Frage nachgehen, welche Verantwortung Ulderup als Rüstungsmanager während der letzten Kriegsphase trug. Thematisiert werden auch die Verlagerung der Produktion in unterirdische Anlagen sowie die Zusammenarbeit von Rüstungsorganisationen und SS-Strukturen.
Der Vortrag nimmt dabei auch die rücksichtslose Ausbeutung Zehntausender KZ-Häftlinge in den Blick, die im Zusammenhang mit der unterirdischen Rüstungsproduktion eingesetzt wurden.
Karriere nach 1945 ebenfalls Thema
Zum Abschluss beschäftigen sich die Historiker mit Ulderups beruflichem Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg. Er gründete später einen mittelständischen Automobilzulieferer und entzog sich nach Angaben der Veranstalter durch Ortswechsel einer Entnazifizierung.
Der Vortrag soll außerdem beleuchten, wie Ulderup später mit seiner eigenen Vergangenheit während der NS-Zeit umging. Deppe und Kamp veröffentlichten bereits 2018 im Auftrag der Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung eine Biografie über ihn.
Vortrag am 1. September im Franziskanerkloster
Die Veranstaltung beginnt am Dienstag, 1. September 2026, um 17 Uhr im Zittauer Franziskanerkloster. Nach dem Vortrag besteht Gelegenheit zur Diskussion. Der Eintritt kostet vier Euro, ermäßigt drei Euro. Eine Anmeldung ist über die Städtischen Museen Zittau möglich.
Quelle: Städtische Museen Zittau, Pressemitteilung vom 17. August 2026