Arbeitsmarkt im Osten

Ausländische Beschäftigte tragen 68,3 Milliarden Euro direkt zur Wertschöpfung im Osten bei, während die Zahl deutscher Beschäftigter deutlich sinkt.

Ausländische Beschäftigte tragen 2025 direkt 68,3 Milliarden Euro zur Wertschöpfung in Ostdeutschland bei. Ihr wirtschaftlicher Beitrag wächst einschließlich indirekter Effekte auf 92,4 Milliarden Euro, während die Zahl deutscher sozialversicherungspflichtig Beschäftigter seit Ende 2023 um 141.000 sank.

Ausländische Beschäftigte erwirtschaften 68,3 Milliarden Euro

Wie das Institut der deutschen Wirtschaft in einem am 14. August veröffentlichten Kurzbericht mitteilt, entfielen 2025 rund 10,5 Prozent der gesamten ostdeutschen Wertschöpfung unmittelbar auf Beschäftigte ohne deutsche Staatsangehörigkeit. Der direkte Beitrag belief sich auf 68,3 Milliarden Euro.

Das IW berechnet zusätzlich Auswirkungen über Vorleistungen und Konsumausgaben. Einschließlich dieser indirekten und induzierten Effekte steigt der Wertschöpfungsbeitrag auf 92,4 Milliarden Euro oder 14,3 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung Ostdeutschlands.

Die Zahlen beruhen auf Beschäftigungsdaten der Bundesagentur für Arbeit und den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen der Länder. Bei der Berechnung nimmt das IW an, dass ausländische Beschäftigte innerhalb einer Branche durchschnittlich die gleiche Produktivität erreichen wie alle Erwerbstätigen dieser Branche. Selbstständige ohne deutsche Staatsangehörigkeit sind nicht enthalten.

Ostdeutschland verliert 141.000 deutsche Beschäftigte

Besonders deutlich zeigt sich die Bedeutung der Zuwanderung auf dem Arbeitsmarkt. Zwischen Dezember 2023 und Dezember 2025 sank die Zahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter mit deutscher Staatsangehörigkeit in den sechs ostdeutschen Ländern um rund 141.000 Menschen oder 2,5 Prozent.

Gleichzeitig kamen rund 90.000 Beschäftigte ohne deutsche Staatsangehörigkeit hinzu. Der gesamte Beschäftigungsrückgang in Ostdeutschland fiel dadurch mit rund 52.000 Personen beziehungsweise 0,8 Prozent erheblich geringer aus. Deutschlandweit nahm die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im selben Zeitraum dagegen leicht um 0,2 Prozent zu.

Am stärksten sank die Zahl deutscher Beschäftigter in Thüringen mit 3,2 Prozent, gefolgt von Sachsen-Anhalt mit 3,1 Prozent und Sachsen mit 2,6 Prozent. In Berlin betrug das Minus 2,1 Prozent, in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern jeweils 2,0 Prozent.

Anteil ausländischer Beschäftigter fast verdreifacht

Die Veränderung wird im Zehnjahresvergleich besonders sichtbar. Im Dezember 2015 hatten Beschäftigte ohne deutsche Staatsangehörigkeit einen Anteil von 4,8 Prozent an der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung im Osten. Ende 2025 waren es bereits 13,3 Prozent.

Berlin erreicht mit 22,4 Prozent den höchsten Wert. In Brandenburg stieg der Anteil seit 2015 von 3,9 auf 13,1 Prozent. Thüringen kommt auf 10,2 Prozent, Sachsen auf 9,4 Prozent, Sachsen-Anhalt auf 8,9 Prozent und Mecklenburg-Vorpommern auf 8,1 Prozent.

Das IW beziffert den unmittelbaren Wertschöpfungsbeitrag der seit 2015 zusätzlich hinzugekommenen ausländischen Beschäftigten auf 6,9 Prozent der gesamten ostdeutschen Wertschöpfung. Rund zwei Drittel des heutigen Beitrags von Beschäftigten ohne deutschen Pass entfallen damit auf Arbeitskräfte, die innerhalb der vergangenen zehn Jahre zusätzlich auf dem Arbeitsmarkt hinzugekommen sind.

Polen stellen größte ausländische Beschäftigtengruppe

Insgesamt waren im Dezember 2025 rund 845.000 ausländische sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Ostdeutschland tätig. Die größte Gruppe stellten polnische Staatsangehörige mit 137.000 Personen und einem Anteil von 16,2 Prozent.

Auf Beschäftigte aus den seit 2004 der EU beigetretenen Staaten entfielen insgesamt 29,9 Prozent. Das IW sieht hier jedoch ein neues Risiko: Zwischen Dezember 2023 und Dezember 2025 verlor Ostdeutschland bereits 7.800 Beschäftigte aus diesen EU-Mitgliedsländern. Die Autoren verweisen auf eine zunehmende Rückwanderung, insbesondere in Richtung Polen.

Ukrainische Staatsangehörige bilden mit einem Anteil von 7,4 Prozent die zweitgrößte Gruppe. Das IW erwartet hier noch steigende Beschäftigtenzahlen durch die fortschreitende Integration ukrainischer Geflüchteter in den Arbeitsmarkt.

IW warnt vor wachsenden Arbeitskräftelücken im Osten

Die Studie sieht Ostdeutschland vor einer doppelten demografischen Herausforderung. In den kommenden Jahren gehen weitere Beschäftigte in den Ruhestand. Gleichzeitig könnten Arbeitskräfte aus mittel- und osteuropäischen EU-Staaten verstärkt in ihre Herkunftsländer zurückkehren.

Das Institut hält deshalb eine stärkere arbeitsorientierte Zuwanderung aus Drittstaaten für erforderlich. Bleiben neue Arbeitskräfte aus, könnten nach Einschätzung der Autoren nicht nur Unternehmen unter Personalmangel leiden. Auch die Versorgung mit Dienstleistungen etwa in der Pflege könnte schwieriger werden.

Die neuen Zahlen machen damit einen grundlegenden Wandel des ostdeutschen Arbeitsmarktes sichtbar: Beschäftigte ohne deutsche Staatsangehörigkeit stellen längst nicht mehr nur eine Ergänzung der Belegschaften dar. Ihr Anteil an Beschäftigung und Wertschöpfung ist innerhalb eines Jahrzehnts zu einem bedeutenden Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung des Ostens geworden.

Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Bundesagentur für Arbeit, Statistische Ämter des Bundes und der Länder

Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft (IW)