Vor der Ostseeküste von Usedom und Wollin nimmt ein umstrittenes Energieprojekt konkrete Formen an. Polen bereitet für die geplante Erdöllagerstätte „Wolin East“ eine grenzüberschreitende Umweltverträglichkeitsprüfung vor.

Das Vorkommen liegt auf polnischer Seite rund sechs Kilometer vor der Küste. Nach den bislang bekannten Projektunterlagen umfasst die Lagerstätte dort rund 22 Millionen Tonnen Erdöl.

Zehn Hektar große Insel in der Ostsee geplant

Für die Förderung soll eine künstliche Bohrinsel mit einer Grundfläche von rund zehn Hektar entstehen.

Geplant sind neben den eigentlichen Fördereinrichtungen auch ein Hafen und ein Wellenbrecher. Zusätzlich soll eine etwa 200 Meter breite und zwölf Meter tiefe Fahrrinne angelegt werden. Die Insel soll für bis zu 30 Bohrungen ausgelegt sein.

Nach den Projektunterlagen könnten dort täglich bis zu 8.100 Tonnen Erdöl gefördert werden. Die Anlage ist auf einen langfristigen Betrieb ausgelegt.

Projekt liegt nahe an Schutzgebieten

Besonders umstritten ist die Lage des Vorhabens.

Die geplante Anlage befindet sich in unmittelbarer Nähe mehrerer europäischer Meeresschutzgebiete. Nach Angaben der Bürgerinitiative Lebensraum Vorpommern reicht das Projektgebiet teilweise in ein Natura-2000-Gebiet hinein. Umweltverbände verweisen dabei insbesondere auf die Bedeutung der Region für Zugvögel, Schweinswale und Kegelrobben.

Bereits Ende Juli hatten sich in Heringsdorf mehrere Organisationen zu einem Bündnis gegen die Förderung zusammengeschlossen. Beteiligt sind unter anderem die Bürgerinitiative Lebensraum Vorpommern, die Deutsche Umwelthilfe, der WWF und der BUND. Sie kündigten politischen und gegebenenfalls auch juristischen Widerstand an.

Auch Tourismus auf Usedom im Blick

Neben möglichen Auswirkungen auf das Ökosystem sorgt sich die deutsche Seite auch um den Tourismus.

Die Gemeinde Heringsdorf beteiligt sich am Verfahren. Nach Angaben des NDR verweist die Gemeinde unter anderem auf mögliche Folgen einer Havarie und die Nähe des Projekts zu den stark touristisch geprägten Seebädern auf Usedom.

Noch bis Mitte Oktober läuft zunächst ein Verfahren, in dem der Rahmen der späteren Umweltprüfung festgelegt wird. Dabei sollen auch Gemeinden auf Usedom, das Land Mecklenburg-Vorpommern und Umweltorganisationen beteiligt werden.

Bau frühestens ab 2028 möglich

Die Umweltprüfung bedeutet noch keine Genehmigung für die eigentliche Förderung.

Das Projekt muss anschließend weitere Genehmigungsschritte durchlaufen. Sollte Polen die Bohrinsel genehmigen, könnte der Bau nach aktuellem Stand frühestens 2028 beginnen.

Die Bundesregierung hatte bereits 2025 darauf hingewiesen, dass damals noch keine Genehmigung zur eigentlichen Ölförderung vorlag. Zugleich stellte sie klar, dass bei möglichen grenzüberschreitenden Auswirkungen Mecklenburg-Vorpommern am Umweltverfahren zu beteiligen wäre.

Für die deutsche Ostseeküste wird das Projekt damit in den kommenden Monaten eines der zentralen Umwelt- und Wirtschaftsthemen bleiben.