Erfurt. Nach schwierigen Jahren mit hohen Baukosten, Zinsen und zurückhaltenden Investitionen gibt es aus dem Thüringer Baugewerbe ein positives Signal. In den ersten fünf Monaten 2026 gingen Aufträge im Wert von rund einer Milliarde Euro ein. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem Plus von 26 Prozent.

211 Millionen Euro mehr Aufträge

Die Zahlen stammen vom Thüringer Landesamt für Statistik und wurden Ende Juli veröffentlicht. Demnach lag das Auftragsvolumen des Thüringer Bauhauptgewerbes in den ersten fünf Monaten des Jahres um rund 211 Millionen Euro höher als im gleichen Zeitraum 2025.

Besonders stark entwickelten sich der öffentliche Bau und der Straßenbau. Dort lag das Auftragsplus gegenüber dem Vorjahr bei 120,1 Millionen Euro beziehungsweise 28 Prozent.

Die wichtigsten Zahlen:

  • rund 1 Milliarde Euro Auftragseingang
  • 211 Millionen Euro mehr als im Vorjahreszeitraum
  • 26 Prozent Zuwachs insgesamt
  • 28 Prozent mehr im öffentlichen Bau und Straßenbau
  • durchschnittlich 280 berichtspflichtige Betriebe
  • insgesamt 13.731 Beschäftigte

Landesregierung sieht Baupaket als Treiber

Thüringens Bauminister Steffen Schütz führt die Entwicklung auf mehrere politische Maßnahmen zurück. Aus seiner Sicht wirken das Thüringer Baupaket, der sogenannte Bauturbo und das Sondervermögen des Bundes inzwischen gemeinsam.

„Das Thüringer Baupaket, der Bauturbo und das Sondervermögen des Bundes zeigen im Zusammenspiel Wirkung.“

Schütz verweist außerdem auf das kürzlich in Kraft getretene erste Thüringer Entlastungsgesetz. Dieses soll nach Darstellung des Ministeriums zusätzliche Wachstumsimpulse setzen.

Die Interpretation stammt allerdings vom Ministerium selbst. Die vorgelegte Mitteilung weist zwar das deutliche Auftragsplus nach, liefert aber keine Aufschlüsselung dazu, welcher Anteil konkret auf das Baupaket, Bundesmittel oder andere Faktoren wie Nachholeffekte und größere Einzelprojekte zurückgeht.

Entscheidend ist, ob aus Aufträgen dauerhaft Beschäftigung wird

Ein steigender Auftragseingang ist für die Branche zunächst ein gutes Signal. Er bedeutet allerdings nicht automatisch, dass sich die Lage aller Unternehmen gleichermaßen verbessert. Bauunternehmen kämpfen weiterhin mit Fachkräftemangel, Materialkosten, Finanzierung und langen Genehmigungsverfahren.

Die amtliche Statistik erfasste im betrachteten Zeitraum durchschnittlich 280 berichtspflichtige Unternehmen des Thüringer Bauhauptgewerbes. Dort waren insgesamt 13.731 Menschen beschäftigt.

Für Thüringen wird deshalb entscheidend sein, ob der Auftragsschub auch in den kommenden Monaten anhält und sich in tatsächlicher Bautätigkeit niederschlägt. Besonders der Straßen- und Infrastrukturbau könnte von zusätzlichen öffentlichen Investitionen profitieren.

Nach Jahren, in denen vielfach über Baukrise, hohe Kosten und verschobene Projekte gesprochen wurde, liefern die aktuellen Zahlen jedenfalls erstmals wieder ein deutlich positives Signal aus dem Thüringer Bauhauptgewerbe.

Quellen und Datenbasis

  • Thüringer Ministerium für Digitales und Infrastruktur, Medieninformation vom 28. Juli 2026 zur Auftragsentwicklung im Thüringer Baugewerbe.
  • Thüringer Landesamt für Statistik, Ende Juli 2026 veröffentlichte Daten zum Auftragseingang im Bauhauptgewerbe.