Schwedt verliert mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2026 seine direkte RE3-Verbindung nach Berlin. Fahrgäste müssen künftig in Angermünde umsteigen. In der Uckermark wächst der Widerstand, weil Unternehmen, Stadt und Tourismusvertreter Nachteile für Pendler und den Wirtschaftsstandort befürchten.
RE3 Schwedt–Berlin fährt ab Dezember 2026 nicht mehr direkt
Mit dem neuen Netz Nord-Süd 2 ändert sich die Führung des Regionalexpress RE3 grundlegend. Ab dem 13. Dezember 2026 soll die Linie stündlich von Stralsund über Prenzlau, Angermünde, Eberswalde und Berlin bis in Richtung Lutherstadt Wittenberg fahren.
Schwedt wird damit nicht mehr direkt vom RE3 nach Berlin bedient. Auf dem Abschnitt zwischen Schwedt und Angermünde übernimmt künftig die RB61.
Wer von Schwedt nach Berlin fährt, muss deshalb in Angermünde umsteigen. Das Land verweist dort auf einen gesicherten Anschluss an den RE3.
Schwedt verliert zweistündliche Direktverbindung nach Berlin
Bislang besitzt Schwedt eine zweistündliche direkte Verbindung in die Hauptstadt. Diese soll mit dem neuen Fahrplankonzept vollständig entfallen.
Die Tourismus Marketing Uckermark GmbH warnt ausdrücklich vor den Folgen. Nach ihren Angaben wäre für Reisende zwischen Schwedt und Berlin künftig bei jeder Fahrt ein Umstieg in Angermünde notwendig.
Besonders Pendler, Geschäftsreisende und Urlauber könnten davon betroffen sein. Schwedt ist die bevölkerungsreichste Stadt der Uckermark und zugleich ein bedeutender Industrie- und Arbeitsstandort der Region.
Schwedt kämpft für Erhalt der direkten RE3-Verbindung
Der Widerstand gegen die Fahrplanänderung reicht inzwischen weit über die Stadtverwaltung hinaus. Bürgermeisterin, Stadtverordnetenversammlung und Gemeindevertretung Pinnow haben sich für den Erhalt der Verbindung ausgesprochen.
Auch Unternehmen, Wohnungswirtschaft, Tourismusvertreter und weitere Einrichtungen unterstützen die Forderung. Eine Petition gegen den Wegfall der Direktverbindung hatte bereits mehr als 1.000 Unterstützer erreicht.
Die Kritik richtet sich vor allem gegen den Zeitpunkt der Verschlechterung. Schwedt befindet sich mitten in einem tiefgreifenden wirtschaftlichen Strukturwandel und wirbt gleichzeitig um neue Unternehmen sowie Fachkräfte.
Wirtschaft in Schwedt warnt vor schlechterer Bahnanbindung
Mehrere Unternehmen betrachten die direkte Verbindung nach Berlin als Standortfaktor. Der Anlagenbauer Butting verweist unter anderem auf die Bedeutung einer zuverlässigen Bahnverbindung für Beschäftigte und die Gewinnung neuer Fachkräfte.
Auch Wohnungsunternehmen sehen die geplante Änderung kritisch. Eine schlechtere Erreichbarkeit könne sich auf die Attraktivität Schwedts als Wohn- und Arbeitsort auswirken.
Die Debatte reicht damit weit über eine einzelne Zugverbindung hinaus. Sie berührt die Frage, wie gut Industriestandorte im ländlichen Raum während ihres Strukturwandels an die Metropolregion Berlin angebunden bleiben.
Neuer RE3 bringt zugleich mehr Züge nach Stralsund
Für andere Regionen bedeutet das neue Bahnkonzept dagegen eine Verbesserung. Der RE3 soll künftig stündlich und ohne Umstieg zwischen Stralsund und Berlin verkehren.
Auch die Kapazitäten sollen steigen. Für die Linie sind zwölf neue fünfteilige Doppelstockzüge vom Typ Stadler KISS mit jeweils 575 Sitzplätzen bestellt.
Die neuen Fahrzeuge verzögern sich allerdings. DB Regio will den erweiterten Fahrplan deshalb zunächst mit vorhandenen Doppelstockzügen absichern.
Für Schwedt bleibt dennoch der Verlust der Direktverbindung. Brandenburgs Verkehrsminister Robert Crumbach will sich am 25. August am Bahnhof Schwedt mit Pendlern über die bevorstehenden Änderungen des RE3 austauschen. Damit dürfte die Diskussion um die Bahnverbindung zwischen Schwedt und Berlin weitergehen.
Quelle: Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung Brandenburg; Stadt Schwedt/Oder; Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg