Schönebeck. Die Bilder der Elbehochwasser von 2002 und 2013 sind in der Stadt bis heute präsent. Nun soll Schönebeck zusätzliche mobile Schutzelemente erhalten, die bei steigenden Pegeln schneller an besonders gefährdeten Stellen aufgebaut werden können. Das Land fördert die Anschaffung mit 550.800 Euro – vollständig beseitigen lässt sich das Hochwasserrisiko dennoch nicht.
Mobile Wände für 13 gefährdete Standorte
Umweltminister Armin Willingmann hat der Stadt einen Förderbescheid aus dem Landesprogramm „Sachsen-Anhalt Klima III“ übergeben. Die Gesamtkosten des Vorhabens belaufen sich auf 612.000 Euro. Damit übernimmt das Land 90 Prozent der geplanten Investition; den verbleibenden Anteil muss Schönebeck selbst tragen.
Die neuen Elemente sollen an 13 Standorten im Stadtgebiet eingesetzt werden. Zusammen können sie eine Strecke von etwa 2,7 Kilometern absichern. Gedacht sind sie als Ergänzung zu Deichen, festen Schutzanlagen und bereits vorhandener Einsatztechnik.
Die wichtigsten Projektdaten:
- Fördermittel des Landes: 550.800 Euro
- Gesamtkosten: 612.000 Euro
- vorgesehene Einsatzorte: 13
- mögliche Schutzstrecke: rund 2,7 Kilometer
- Förderprogramm: Sachsen-Anhalt Klima III
„Mit den mobilen Hochwasserschutzelementen kann die Stadt Schönebeck im Ernstfall das Stadtgebiet besser schützen“, erklärte Umweltminister Armin Willingmann bei der Übergabe des Förderbescheids.
Welche konkreten Straßen, Grundstücke oder Deichabschnitte zu den 13 Standorten gehören, wurde in der öffentlichen Mitteilung nicht einzeln aufgeführt. Für die Einwohner besonders gefährdeter Bereiche bleibt deshalb wichtig, dass Stadt und Wasserwehr vor dem ersten Einsatz transparent über Aufbauorte, Zufahrtswege und Alarmabläufe informieren.
Lager soll schnelle Reaktion ermöglichen
Die mobilen Systeme allein reichen nicht aus. Bei Hochwasser entscheidet vor allem, wie schnell Material, Fahrzeuge und Einsatzkräfte an die gefährdeten Stellen gelangen.
Dafür steht seit 2025 ein neues Hochwasserschutzlager zur Verfügung. Das Gebäude wurde zwischen September 2022 und Juli 2025 errichtet und kostete rund 3,3 Millionen Euro. Dort lagern mobile Schutzelemente der Stadt sowie Materialien des Landesbetriebs für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft. Dazu gehören unter anderem:
- Sandsäcke,
- Pumpen,
- mobile Schutzwände,
- weiteres Material für den operativen Hochwassereinsatz.
Das zentrale Lager soll dafür sorgen, dass benötigte Technik bei steigenden Pegeln schneller ausgegeben, transportiert und aufgebaut werden kann.
Für Schönebeck ist diese Logistik besonders wichtig. Mobile Systeme müssen vor dem Eintreffen des Hochwassers vollständig stehen. Fehlen Einsatzkräfte, Transportkapazitäten oder freie Zufahrten, verliert selbst moderne Technik einen erheblichen Teil ihrer Wirkung.
17,6 Millionen Euro seit 2001 investiert
Die aktuelle Förderung ist Teil einer längeren Reihe von Hochwasserschutzmaßnahmen. Seit 2001 wurden in Schönebeck nach Angaben der Stadt 13 Projekte mit einem Gesamtvolumen von rund 17,6 Millionen Euro abgeschlossen.
Dazu gehören:
- Sanierungen bestehender Deiche,
- das Schließen früherer Deichlücken,
- der Ausbau einzelner Schutzabschnitte,
- der Neubau des Hochwasserschutzlagers.
Allein im Salzlandkreis wurden rund 180 Millionen Euro in den Hochwasserschutz investiert. Rund 124 Millionen Euro davon flossen seit dem Hochwasser des Jahres 2013. Landesweit summieren sich die Investitionen seit dem Elbehochwasser 2002 auf etwa 1,6 Milliarden Euro.
Oberbürgermeister Bert Knoblauch sieht in der neuen Technik einen weiteren Baustein für die Widerstandsfähigkeit der Stadt:
„Die zwei prägenden Hochwasser der Jahre 2002 und 2013 haben Schönebeck eindrücklich vor Augen geführt, wie unverzichtbar ein leistungsfähiger Hochwasserschutz für unsere Stadt und die Sicherheit ihrer Bürgerinnen und Bürger ist.“
Mobile Technik ersetzt keinen dauerhaften Schutz
Mobile Hochwasserschutzwände besitzen einen entscheidenden Vorteil: Sie können an unterschiedlichen Gefahrenstellen eingesetzt und nach Ende eines Hochwassers wieder abgebaut werden. Das spart Platz und ermöglicht flexible Reaktionen.
Das System hat jedoch Grenzen. Der Aufbau benötigt Vorwarnzeit, geschultes Personal und eine funktionierende Logistik. Zudem können außergewöhnlich hohe Pegel, Materialversagen oder gleichzeitig auftretende Schäden nicht vollständig ausgeschlossen werden.
Willingmann betonte deshalb, dass trotz staatlicher und kommunaler Investitionen immer ein Restrisiko bestehen bleibe. Neben Deichen und mobiler Technik seien auch eine private Elementarschadenversicherung und persönliche Vorsorge wichtig.
Für Schönebeck bedeutet die Förderung dennoch einen konkreten Fortschritt. Die Stadt erhält zusätzliche Technik, um auf Hochwasser schneller und gezielter reagieren zu können. Entscheidend wird nun sein, wann die Elemente beschafft werden, an welchen 13 Punkten sie tatsächlich zum Einsatz kommen und wie regelmäßig der Aufbau mit Wasserwehr und Feuerwehr geübt wird.
Quellen und Datenbasis
- Stadt Schönebeck (Elbe), Mitteilung „Starkes Signal für Vorsorge und Sicherheit“ vom 24. Juli 2026: Fördersumme, Gesamtkosten, Einsatzorte, Schutzlänge und bisherige Investitionen.
- Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt: Landesprogramm „Sachsen-Anhalt Klima III“ und Aussagen von Umweltminister Armin Willingmann.
- Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt: neues Hochwasserschutzlager und operative Einsatztechnik in Schönebeck.