Die Kita „Villa Kunterbunt“ im Eberswalder Ortsteil Finow hat ihr 70-jähriges Bestehen gefeiert. Kinder, Eltern, ehemalige Wegbegleiter und Unterstützer kamen am Mittwoch, 9. September 2026, zu einem Familienfest zusammen. Das historische Gebäude diente zuvor unter anderem als Direktorenhaus, Lazarett, Arztpraxis und Lehrlingswohnheim.

Heute stehen in der kommunalen Kindertagesstätte in der Straße Kleines Berg 6 insgesamt 86 Betreuungsplätze zur Verfügung. Im Mittelpunkt der Jubiläumsfeier standen die Kinder selbst: Sie präsentierten ein kleines Bühnenprogramm und erhielten für ihre Einrichtung neue Holzbausteine als Geburtstagsgeschenk.

Am Nachmittag wurden außerdem die Gewinner eines Wissensquiz zur „Villa Kunterbunt“ ausgelost. Bis zum Ende des Festes um 18 Uhr blieb Zeit für Gespräche, Erinnerungen und Begegnungen zwischen den Generationen.

Kita trägt ihren Namen seit 1997

Den Namen „Villa Kunterbunt“ trägt die Einrichtung seit dem Jahr 1997. Kinder, Eltern und das pädagogische Team hatten sich damals gemeinsam für die Bezeichnung entschieden.

Namensgeber ist das berühmte Zuhause der Kinderbuchfigur Pippi Langstrumpf. Die Umbenennung wurde mit einem großen Sommerfest gefeiert. Daraus entstand eine Tradition, die bis heute fortgeführt wird.

Bürgermeister Götz Herrmann würdigte zum Jubiläum die Bedeutung der Kindertagesstätte. In sieben Jahrzehnten hätten Generationen von Kindern dort gespielt, gelernt, geforscht, Freundschaften geschlossen und die Welt entdeckt.

Die Einrichtung habe sich immer wieder verändert und neu erfunden. Ihr wichtigster Auftrag sei jedoch geblieben, „Kindern Raum zu geben, ihre eigenen Ideen zu entwickeln“.

Villa entstand bereits um 1890

Die Geschichte des Gebäudes reicht deutlich weiter zurück als die der Kindertagesstätte. Die Villa wurde um 1890 im Auftrag des Ziegeleibesitzers Kleine als Wohnhaus errichtet.

Nachdem die Ziegelei stillgelegt worden war, übernahm die Hirsch-Kupfer-Messingwerke AG die dazugehörigen Immobilien. Während die früheren Produktionsanlagen verschwanden, blieben die Wohngebäude erhalten.

Im Jahr 1917 wurde die Villa zum Direktorenhaus umgebaut. Bis etwa 1943 lebte dort der Direktor der Hirsch-Kupfer-Messingwerke, Herr Schulte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte die sowjetische Armee das Haus vorübergehend als Lazarett. Anschließend lebte und arbeitete dort bis 1947 das in Finow bekannte Ärzteehepaar Schmidtke.

Von 1947 bis 1950 diente die Villa als Lehrlingswohnheim des Walzwerks Finow. Erst danach begann die Entwicklung zu einer Betreuungseinrichtung für Kinder.

Kinderkrippe startete mit 21 Plätzen

Der Ausgangspunkt der heutigen Kita lag zunächst an einem anderen Standort. Am 1. Januar 1951 eröffnete im sogenannten Kupferhaus in der Altenhofer Straße die erste Kinderkrippe der damaligen Stadt Finow.

Zu Beginn standen dort 21 Plätze zur Verfügung. Im März 1956 zog die Kinderkrippe in die Villa am Kleinen Berg ein. Dieses Jahr gilt als Beginn der inzwischen 70-jährigen Nutzung des Gebäudes als Kindertagesstätte.

Die Zahl der Betreuungsplätze wuchs in den folgenden Jahrzehnten kontinuierlich. Durch den Umbau der früheren Hausmeisterwohnung erhöhte sich die Kapazität 1963 auf 61 Plätze.

Im Jahr 1987 konnten bereits 70 Kinder aufgenommen werden. Mit der späteren Betreuung von Kindergarten- und Hortkindern entwickelte sich die ursprüngliche Kinderkrippe schrittweise zu einer umfassenden Kindertagesstätte.

Kinderküche, Atelier und Lernwerkstatt entstanden

Seit den 1990er-Jahren wurde die „Villa Kunterbunt“ zu einem modernen Bildungsort weiterentwickelt. Unterstützt wurde die Einrichtung dabei von Eltern, Unternehmen, Vereinen, Sponsoren und öffentlichen Einrichtungen.

In der Kita entstanden unter anderem eine Kinderküche, ein Atelier, ein Sinnesraum und das sogenannte Takka-Tukka-Land. Eine Lernwerkstatt mit Garten und Teich soll den Kindern ermöglichen, ihre Umwelt eigenständig zu untersuchen.

Im Jahr 2012 wurde das historische Gebäude umfassend saniert. Das Haus wurde trockengelegt und gedämmt, das Dach erneuert und die Fassade farbenfroh gestaltet.

Darüber hinaus wurden Treppen, Fluchttüren und Rettungswege modernisiert. Gleichzeitig erhielt das Außengelände zusätzliche Spiel- und Bewegungsflächen.

Außengelände lädt zum Forschen und Spielen ein

Heute gehören eine Roller- und Bobbycar-Bahn, eine Sand- und Matsch-Spielanlage, Hochbeete, ein Insektenhotel und ein Fußballplatz zum Außengelände.

Seit 2017 steht dort außerdem das Stelzenhaus „Villa Klitzeklein“. Seine Errichtung wurde durch die Unterstützung zahlreicher Sponsoren sowie das Engagement von Eltern und Großeltern ermöglicht.

Für ihre Bildungsangebote und Forschungsprojekte wurde die Einrichtung mehrfach als „Haus der kleinen Forscher“ ausgezeichnet.

Mit dem Jubiläumsfest erinnerte die Kita nicht nur an ihre Geschichte. Zugleich richteten Kinder, Familien und das pädagogische Team den Blick auf die kommenden Jahre der „Villa Kunterbunt“.

Quelle: Stadt Eberswalde, Pressemitteilung vom 10. September 2026