Nachfahren Salzburger Glaubensflüchtlinge haben Ende August Eberswalde besucht. Mit einer Dank-Urkunde, die Bürgermeister Götz Herrmann entgegennahm, erinnerten sie an die Versorgung Tausender Vertriebener im Jahr 1732.

Die Besucher gehörten zur Landesgruppe Berlin-Brandenburg des Salzburger Vereins. Bürgermeister Götz Herrmann empfing die Gruppe am 29. August vor dem Eberswalder Rathaus auf dem Marktplatz. Bei einem Rundgang informierten sich die Gäste über die historische Bedeutung der Stadt und besichtigten Sehenswürdigkeiten der Innenstadt.

Hinter dem Besuch steht ein Kapitel der europäischen Religions- und Migrationsgeschichte. In den 1730er-Jahren mussten Tausende evangelische Salzburgerinnen und Salzburger ihre Heimat verlassen. Ihr Weg führte durch die Länder der Hohenzollern in neue Siedlungsgebiete im Osten des Königreichs Preußen.

Preußischer König lud Glaubensflüchtlinge ein

König Friedrich Wilhelm I. von Preußen lud die vertriebenen Salzburger am 2. Februar 1732 in sein Land ein. Für den Weg in ihre neue Heimat sagte er ihnen unter anderem Verpflegung und weitere Unterstützung zu.

Die Glaubensflüchtlinge wurden damals häufig als Exulanten bezeichnet. Der Begriff leitet sich von der erzwungenen Verbannung oder dem Leben außerhalb der bisherigen Heimat ab. In Eberswalde erinnert der Salzburger Verein bis heute daran, welche Orte die Vertriebenen auf ihrem Weg durchquerten und wo sie Unterstützung erhielten.

Die damalige Stadt Neustadt-Eberswalde wurde zu einer wichtigen Station. Etwa 20 Züge mit insgesamt rund 10.000 Frauen und Männern kamen nach Angaben der Stadt auf ihrer Reise durch den Ort.

Kleine Stadt versorgte rund 10.000 Menschen

Neustadt-Eberswalde hatte zu dieser Zeit lediglich rund 1.500 Einwohner. Die Gesamtzahl der durchziehenden Glaubensflüchtlinge entsprach damit einem Mehrfachen der damaligen Stadtbevölkerung.

Die Menschen kamen nicht gleichzeitig, sondern in aufeinanderfolgenden Gruppen. Dennoch stellte ihre Versorgung die Stadt vor eine erhebliche Aufgabe. Die Einwohner unterstützten die Reisenden mit Nahrung und halfen ihnen bei der Vorbereitung auf den weiteren Weg.

Der Aufenthalt in Eberswalde war für die Salzburger nur eine Zwischenstation. Für ihre Nachfahren besitzt der Ort dennoch eine besondere Bedeutung, weil hier praktische Hilfe geleistet wurde. Die Erinnerung richtet sich deshalb nicht nur auf das Schicksal der Vertriebenen, sondern auch auf die Aufnahmebereitschaft der damaligen Stadtgesellschaft.

Die Bezeichnung Neustadt-Eberswalde verweist auf den historischen Namen der Stadt. An diese lokale Geschichte knüpft der Besuch der Nachfahren an. Der Rundgang durch die Innenstadt verband die Ereignisse des 18. Jahrhunderts mit dem heutigen Eberswalde.

Dank-Urkunde an Bürgermeister übergeben

Höhepunkt des Besuchs war die Übergabe einer traditionellen Dank-Urkunde an Bürgermeister Götz Herrmann. Sie erinnert an die Aufnahme und Versorgung der Salzburger Glaubensflüchtlinge durch die damalige Stadt.

Zugleich bringt die Urkunde den Dank der heutigen Nachfahren zum Ausdruck. Damit erhält die historische Verbindung zwischen Eberswalde und den Salzburger Emigranten ein sichtbares Zeichen.

Die Urkunde wurde nicht lediglich für den Besuch überreicht. Sie soll auch Einwohnern und Gästen der Stadt zugänglich sein. Derzeit befindet sie sich in einer Vitrine auf der Galerie-Etage des Eberswalder Rathauses.

Dort kann das Dokument während der regulären Öffnungszeiten besichtigt werden. Angaben dazu, wie lange die Urkunde in der Vitrine verbleibt oder ob sie später in eine stadtgeschichtliche Sammlung übernommen wird, machte die Stadt nicht.

Verein hält Erinnerung an Flucht wach

Der Salzburger Verein beschäftigt sich mit der Geschichte der evangelischen Salzburger, die im 18. Jahrhundert ihre Heimat verlassen mussten. Besuche an historischen Wegstationen sollen die Erinnerung an die Fluchtbewegung und die Aufnahme der Vertriebenen erhalten.

Der Aufenthalt in Eberswalde zeigt, wie eng große historische Entwicklungen mit einzelnen Städten verbunden sein können. Die Ereignisse von 1732 sind nicht nur Teil der Geschichte Salzburgs oder Preußens. Sie gehören ebenso zur Stadtgeschichte Eberswaldes.

Mit der Übergabe der Dank-Urkunde wird diese Verbindung erneut sichtbar. Fast drei Jahrhunderte nach dem Durchzug der Glaubensflüchtlinge erinnern ihre Nachfahren an die Hilfe, die ihnen in Neustadt-Eberswalde zuteilwurde.

Quellen

Stadt Eberswalde, Pressemitteilung Nr. 159/2026 vom 7. September 2026