Wer durch die Rosenstadt Sangerhausen im Landkreis Mansfeld-Südharz (Bundesland: Sachsen-Anhalt) fährt, blickt auf eine traditionsreiche Industrieregion am Rande des Harzes. Neben dem Kupferschieferbergbau und der weltberühmten Rosensammlung ist der Name der Stadt seit über einem Jahrhundert untrennbar mit einem Symbol individueller Freiheit und Alltagsmobilität verbunden: dem Mifa-Fahrrad.

Ob für den täglichen Schichtwechsel im Betrieb, den Einkauf auf dem Land oder den Sonntagsausflug an den Badesee – ein Mifa war kein Statussymbol, sondern der verlässliche Begleiter des Lebens.

Inhaltsübersicht

  1. Der Aufbruch von 1907: Die Gründung der Mitteldeutschen Fahrradwerke

  2. Das Volksrad des Ostens: Der VEB Mifa Sangerhausen

  3. Das Klapprad von 1967: Platzspar-Geniestreich und Kultobjekt

  4. Unverwüstlich und einfach: Warum Mifa-Klassiker bis heute rollen

  5. Ortspunkt Sangerhausen: Wo du die Fahrradgeschichte spürst

  6. Leser-Aufruf: Welches Mifa-Modell ist dein Favorit?

Der Aufbruch von 1907: Die Gründung der Mitteldeutschen Fahrradwerke

Die Wurzeln der Mifa reichen in das Jahr 1907 zurück. Die Kaufleute Emil Schütze und Emil Wackwitz gründeten in Sangerhausen die Mitteldeutschen Fahrradwerke.

Mit handwerklicher Präzision, soliden Stahlrohrrahmen und dem geschützten Markennamen Mifa entwickelte sich die Fabrik rasch zu einem führenden deutschen Fahrradhersteller. Bereits in den 1920er- und 1930er-Jahren verließen jedes Jahr Zehntausende Touren- und Transporträder die Montagehallen im Südharz.

Das Volksrad des Ostens: Der VEB Mifa Sangerhausen

Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Verstaatlichung wurde der Betrieb als VEB Mifa Fahrradwerke Sangerhausen neu ausgerichtet. Mifa erhielt im zentralen Zuweisungssystem der DDR-Wirtschaft die Rolle des Hauptproduzenten für Alltags-, Jugend- und Klappräder (während die Diamant-Werke im sächsischen Karl-Marx-Stadt vorrangig Rennräder und edlere Tourenräder bauten).

Die Zahlen waren gigantisch: In Hochzeiten fertigten Tausende Mitarbeiter in Sangerhausen über 1,5 Millionen Fahrräder pro Jahr. Fast jeder Haushalt besaß mindestens ein Mifa-Rad.

Das Klapprad von 1967: Platzspar-Geniestreich und Kultobjekt

Den größten Design- und Alltags-Coup landeten die Konstrukteure im Jahr 1967: Das legendäre Mifa-Klapprad (Modell 904) erblickte das Licht der Welt.

Mit seinen charakteristischen 20-Zoll-Rädern, der wendigen Geometrie und dem zentralen Klappscharnier traf es exakt den Nerv der Zeit. Zusammengeklappt passte das Rad mühelos in den Kofferkeller eines Trabant 601, in den Kleingartenunterstand oder den Plattenbau-Gängekeller. Es war zeitlos, extrem robust und stieg rasch zum begehrten Alltagsgefährten für Jung und Alt auf.

Unverwüstlich und einfach: Warum Mifa-Klassiker bis heute rollen

Die Faszination für Mifa hält bis heute an. In Zeiten von Vintage-Trends und Nachhaltigkeit erleben die alten Mifa-Räder eine Renaissance.

Ihr Erfolgsgeheimnis liegt in der Konstruktion:

  • Massiver Stahlrahmen: Unempfindlich gegen Stöße und Lasten.

  • Einfache Mechanik: Dank Kettenschaltung oder Torpedo-Rücktrittnabe lässt sich fast jedes Mifa-Rad mit Standardwerkzeug selbst in der Garage reparieren.

  • Unverwechselbares Design: Knallige Lackierungen in Grün, Blau oder Rot mit den typischen Alumarkierungen und Rahmendekoren.

Ortspunkt Sangerhausen: Wo du die Fahrradgeschichte spürst

Wer auf den Spuren der Fahrrad-Tradition in Sangerhausen (Sachsen-Anhalt) unterwegs ist, findet lohnenswerte Anlaufstellen:

  • Spengler-Museum Sangerhausen: Zeigt in seiner stadtgeschichtlichen Sammlung historische Mifa-Exponate, Dokumente und seltene Frühausführungen der Sangerhäuser Zweiradgeschichte.

  • Europa-Rosarium Sangerhausen: Ein Besuch in der größten Rosensammlung der Welt lässt sich ideal mit einer Radtour auf dem historischen Mifa-Klassiker entlang der Harz-Rundwege verbinden.

Leser-Aufruf: Welches Mifa-Modell ist dein Favorit?

Besitzt du noch ein fahrbereites Mifa-Klapprad, hast du auf einem Mifa-Tourenrad das Fahren gelernt oder restaurierst du alte Klassiker aus Sangerhausen in deiner Werkstatt?

Schickt uns eure Fotos und Geschichten per E-Mail an redaktion@ostdeutsche-zeitung.de!