Die Hanse- und Universitätsstadt Rostock will ihr Tourismus- und Veranstaltungsmanagement grundlegend neu organisieren. Aufgaben, die bislang auf mehrere Gesellschaften und Bereiche der Stadtverwaltung verteilt sind, sollen künftig in einer gemeinsamen kommunalen Gesellschaft gebündelt werden.
Die Stadtverwaltung hat dafür eine Beschlussvorlage zur Umsetzung des bereits von der Bürgerschaft beauftragten Feinkonzeptes vorgelegt. Ziel ist es, Zuständigkeiten klarer zu ordnen, Doppelstrukturen abzubauen und Entscheidungen künftig schneller treffen zu können.
Die Neuorganisation soll nach den bisherigen Planungen zum 1. Januar 2027 operativ starten. Zuvor müssen die zuständigen Ausschüsse und die Rostocker Bürgerschaft über das Vorhaben beraten.
Vier Gesellschaften sollen zusammengeführt werden
Im Mittelpunkt der Neuordnung steht die geplante Verschmelzung von vier kommunalen Unternehmen beziehungsweise Organisationen.
Zusammengeführt werden sollen:
- die Rostocker Gesellschaft für Tourismus und Marketing mbH,
- die Großmarkt Rostock GmbH,
- die Museumspark Rostock GmbH,
- die inRostock GmbH Messen, Kongresse & Events.
Die gemeinsame Gesellschaft soll künftig zentrale Aufgaben in den Bereichen Tourismus, Destinationsmarketing, Veranstaltungsmanagement, Eventmarketing und touristischer Vertrieb übernehmen.
Damit würden Angebote und Zuständigkeiten, die bislang auf verschiedene Unternehmen verteilt sind, unter einem gemeinsamen Dach zusammengeführt.
Stadt will Leistungen aus einer Hand anbieten
Nach Vorstellung der Verwaltung soll die neue Struktur dafür sorgen, dass touristische und veranstaltungsbezogene Leistungen künftig stärker aufeinander abgestimmt werden.
Das betrifft beispielsweise die Vermarktung Rostocks und Warnemündes als Reiseziel, die Organisation größerer Veranstaltungen, die Betreuung von Messen und Kongressen sowie den touristischen Vertrieb.
Durch die Zusammenführung sollen gemeinsame Verwaltungsstrukturen entstehen. Auch Personal, Technik, Marketing, Buchhaltung und interne Prozesse könnten nach den Planungen stärker gebündelt werden.
Die Stadt verspricht sich davon kürzere Entscheidungswege und eine engere Zusammenarbeit zwischen den bisher getrennt arbeitenden Bereichen.
Hoheitliche Aufgaben bleiben bei der Stadtverwaltung
Nicht alle bisherigen Tätigkeiten sollen in die neue Gesellschaft übergehen. Aufgaben mit hoheitlichem Charakter werden nach dem Konzept künftig direkt innerhalb der Stadtverwaltung gebündelt.
Dazu zählen insbesondere:
- die Erhebung und Verwaltung der Kurabgabe,
- die Bearbeitung von Sondernutzungen,
- die zentrale behördliche Koordination von Veranstaltungen.
Damit soll deutlicher zwischen wirtschaftlichen und touristischen Aufgaben auf der einen Seite sowie behördlichen Entscheidungen auf der anderen Seite unterschieden werden.
Gerade bei größeren Veranstaltungen müssen häufig zahlreiche Genehmigungen und städtische Fachbereiche koordiniert werden. Die zentrale Bündelung innerhalb der Verwaltung soll diese Abläufe vereinfachen.
Jährlich drei bis vier Millionen Euro Einsparungen erwartet
Die Stadt verbindet mit der Neuordnung auch erhebliche finanzielle Erwartungen.
Nach Berechnungen der Verwaltung sollen durch Synergien, gemeinsame Prozesse und den schrittweisen Abbau von Doppelstrukturen bis zum Jahr 2035 jährliche Einsparungen von rund drei bis vier Millionen Euro erreicht werden.
Gleichzeitig soll der städtische Zuschussbedarf nach den vorliegenden Berechnungen nicht steigen.
Die Einsparungen sollen nicht durch einen kurzfristigen Kahlschlag entstehen, sondern über mehrere Jahre hinweg durch gemeinsam genutzte Strukturen und den Wegfall paralleler Aufgaben.
Die Neuordnung ist damit auch Teil der Bemühungen, den städtischen Haushalt langfristig zu entlasten.
Kröger: Gewachsene Strukturen kritisch hinterfragen
Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger bezeichnet die geplante Zusammenführung als notwendige Reaktion auf die wachsenden Herausforderungen für die Kommunen.
Die finanziellen Spielräume der Städte würden kleiner. Deshalb müssten auch über Jahre gewachsene Strukturen überprüft werden.
„Diese Entscheidung ist kein Selbstzweck, sondern eine Investition in eine leistungsfähige Stadtverwaltung und starke kommunale Unternehmen“, erklärte Kröger.
Sie betonte zugleich, dass eine solche Veränderung nur gemeinsam mit den Beschäftigten gelingen könne. Deren Wissen, Erfahrung und Engagement seien entscheidend dafür, aus mehreren Organisationen eine leistungsfähige gemeinsame Einheit zu entwickeln.
Beitrag zur Konsolidierung des Haushalts
Auch der für die kommunalen Beteiligungen zuständige Senator für Finanzen, Digitalisierung und Ordnung, Chris von Wrycz Rekowski, verweist auf die wirtschaftliche Bedeutung des Vorhabens.
Nach seinen Worten soll keine bloße Reform auf dem Papier entstehen. Ziel sei vielmehr eine Struktur, die dauerhaft wirtschaftlicher arbeite und zugleich die Leistungsfähigkeit der Stadt und ihrer Unternehmen stärke.
Weniger Doppelstrukturen und gemeinsame Prozesse könnten Freiräume für die eigentlichen Aufgaben schaffen. Die erwarteten Einsparungen sollen zugleich einen Beitrag zum Haushaltssicherungskonzept der Stadt leisten.
Arbeitsverhältnisse sollen bestehen bleiben
Für die Beschäftigten der beteiligten Gesellschaften ist nach Angaben der Stadt eine sozialverträgliche Umsetzung vorgesehen.
Bestehende Arbeitsverhältnisse sollen erhalten bleiben. Auch die Beteiligungsrechte der Personal- und Betriebsvertretungen sollen umfassend berücksichtigt werden.
Die Stadt betont, dass der Umbau gemeinsam mit den Mitarbeitern gestaltet werden soll. Einzelheiten zur künftigen Organisationsstruktur, zu Standorten oder zur Verteilung konkreter Aufgaben müssen im weiteren Verfahren ausgearbeitet werden.
Eine pauschale Aussage über mögliche Stellenveränderungen enthält die Pressemitteilung nicht. Festgehalten wird jedoch, dass die bestehenden Beschäftigungsverhältnisse erhalten bleiben sollen.
Unterschiedliche Bereiche mit gemeinsamer Außenwirkung
Die geplante Zusammenführung betrifft Bereiche, die für die Wahrnehmung Rostocks nach außen eine wichtige Rolle spielen.
Die Stadt ist zugleich:
- touristisches Reiseziel,
- Kreuzfahrt- und Hafenstandort,
- Messe- und Kongressstadt,
- Austragungsort großer Veranstaltungen,
- Kultur- und Universitätsstadt.
Tourismus, Stadtmarketing und Veranstaltungsmanagement sind deshalb eng miteinander verbunden. Bislang lagen viele dieser Aufgaben jedoch bei unterschiedlichen Unternehmen und Verwaltungsstellen.
Die neue Gesellschaft soll diese Kompetenzen stärker miteinander verzahnen und Rostock im Wettbewerb um Gäste, Veranstaltungen, Kongresse und wirtschaftliche Partner besser positionieren.
Start zum 1. Januar 2027 geplant
Nach dem derzeitigen Zeitplan soll die Neuorganisation am 1. Januar 2027 operativ beginnen.
Bis dahin müssen unter anderem gesellschaftsrechtliche, personelle und organisatorische Fragen geklärt werden. Auch die konkreten Verschmelzungsschritte und die künftige Aufgabenverteilung müssen vorbereitet werden.
Die vorliegende Beschlussvorlage wird zunächst in den zuständigen Fachausschüssen beraten.
Bürgerschaft entscheidet voraussichtlich im September
Die abschließende Entscheidung soll die Rostocker Bürgerschaft voraussichtlich in ihrer Sitzung am 2. September 2026 treffen.
Damit handelt es sich derzeit noch um eine geplante Neuordnung. Erst mit einem entsprechenden Beschluss der Bürgerschaft kann die Stadt die Zusammenführung verbindlich umsetzen.
Sollte die Vorlage beschlossen werden, beginnt für die beteiligten Gesellschaften eine mehrmonatige Übergangsphase bis zum geplanten Start der neuen Struktur Anfang 2027.
Quelle
Pressemitteilung der Hanse- und Universitätsstadt Rostock zur geplanten Neuordnung des Tourismus- und Veranstaltungsmanagements vom 30. Juli 2026.
Beschlussvorlage Nr. 2026/BV/1750 zur Umsetzung des Feinkonzeptes für die Neuausrichtung des Veranstaltungsmanagements.