Vier Fachrichtungen betrachten ein Meer im Wandel

An dem Gespräch nehmen Experten aus Literatur, Schiffbau, Fischereiforschung und Meereskunde teil.

Zu den Gästen gehören Buchautor Ramon Gerwien, die Schiffbauwissenschaftlerin Josephine Schaumburg, Kristina Barz vom Thünen-Institut für Ostseefischerei und Michael Naumann vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung.

Diese Mischung soll unterschiedliche Perspektiven miteinander verbinden. Der Zustand der Ostsee lässt sich weder allein biologisch noch ausschließlich technisch oder wirtschaftlich erklären.

Fischbestände stehen unter Druck

Mehrere wirtschaftlich und ökologisch bedeutende Fischarten der Ostsee haben in den vergangenen Jahren stark gelitten.

Ursachen sind unter anderem Überfischung, veränderte Nahrungsnetze, Sauerstoffmangel und steigende Wassertemperaturen.

Für die Küstenfischerei bedeutet das sinkende Fangmöglichkeiten und eine unsichere wirtschaftliche Zukunft. Schutzmaßnahmen müssen deshalb sowohl die Bestände als auch die betroffenen Betriebe berücksichtigen.

Nährstoffe fördern sauerstoffarme Gebiete

Über Flüsse und Landwirtschaft gelangen Stickstoff und Phosphor in die Ostsee. Diese Nährstoffe fördern Algenwachstum.

Sterben die Algen ab, wird bei ihrem Abbau Sauerstoff verbraucht. In tieferen Bereichen können dadurch sauerstoffarme oder nahezu sauerstofffreie Zonen entstehen.

Dort finden Fische, Muscheln und andere Lebewesen kaum geeignete Bedingungen.

Unsichtbare Verschmutzung aus Schiffen und Städten

Nicht alle Belastungen sind am Strand unmittelbar sichtbar. Mikroplastik, Chemikalien, Treibstoffreste und Abwässer können sich im Wasser oder in Organismen anreichern.

Das Projekt EcoBilge beschäftigt sich unter anderem mit der Verschmutzung durch Bilgewasser aus Schiffen. Dabei geht es um Flüssigkeitsgemische, die sich in den unteren Bereichen von Schiffen sammeln und Öl sowie weitere Schadstoffe enthalten können.

Technische Lösungen sind wichtig, müssen aber durch Kontrollen und klare Regeln ergänzt werden.

Klimawandel verändert das Binnenmeer

Die Ostsee ist ein vergleichsweise flaches und nur begrenzt mit der Nordsee verbundenes Meer. Dadurch reagiert sie empfindlich auf Temperatur- und Salzgehaltsänderungen.

Wärmeres Wasser kann Sauerstoff schlechter speichern. Gleichzeitig verändern sich Lebensräume und die Verbreitung einzelner Arten.

Auch Sturmfluten, Küstenschutz und Tourismus müssen an neue Bedingungen angepasst werden.

Forschung wird mitten im Fest sichtbar

Science@Sail bringt Wissenschaft direkt in das Umfeld der Hanse Sail. Besucher müssen dafür weder einen Hörsaal betreten noch ein Fachstudium besitzen.

Die Veranstaltung findet auf einer Bühne zwischen dem Braugasthaus „Zum Alten Fritz“ und der Haedge-Halbinsel statt. Sie dauert etwa eine Stunde.

Das Format kann Menschen erreichen, die wegen der Schiffe und des Festprogramms in den Stadthafen kommen und spontan an der Diskussion teilnehmen.

Erkenntnisse müssen politische Folgen haben

Öffentliche Diskussionen schaffen Aufmerksamkeit. Entscheidend ist jedoch, ob daraus konkrete Entscheidungen entstehen.

Landwirtschaft, Schifffahrt, Fischerei, Abwasserwirtschaft und Küstenkommunen tragen gemeinsam Verantwortung für den Zustand des Meeres.

Rostock kann als Hafen-, Wissenschafts- und Tourismusstadt eine besondere Rolle übernehmen. Forschungsergebnisse sollten deshalb stärker in kommunale und wirtschaftliche Entscheidungen einfließen.

Quellen

Hanse- und Universitätsstadt Rostock, „Uni im Rathaus auf der Science@Sail“, veröffentlicht am 30. Juli 2026

Universität Rostock, Veranstaltungsinformationen zum Podiumsgespräch am 8. August 2026

Thünen-Institut für Ostseefischerei, Forschungsinformationen zu Fischbeständen und Küstenfischerei