Mecklenburg-Vorpommern will im Wettbewerb um qualifizierte Fach- und Führungskräfte stärker mit guten Bedingungen für Frauen punkten. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig verwies beim Hanse Sail Business Brunch darauf, dass bereits rund 37 Prozent der Führungskräfte auf der obersten Ebene der Privatwirtschaft im Land Frauen sind. Bei Existenzgründungen liegt der Frauenanteil nach Angaben der Staatskanzlei bei 33,5 Prozent.

Schwesig wirbt mit Kinderbetreuung und Lebensqualität

Die Ministerpräsidentin stellte Mecklenburg-Vorpommern beim Business Brunch ausdrücklich als attraktiven Standort für gut ausgebildete Frauen dar.

Als Vorteile nannte sie Unternehmen, die offen für Vielfalt seien und moderne Arbeitsbedingungen anböten. Hinzu kämen die beitragsfreie Kindertagesbetreuung und die Lebensqualität des Landes mit Landschaft, historischen Städten und kulturellen Angeboten.

Damit verbindet die Landesregierung die Frage nach Frauen in Führungspositionen nicht allein mit Gleichstellungspolitik. Auch Standortfaktoren wie Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Lebensqualität sollen im Wettbewerb um qualifizierte Beschäftigte eine Rolle spielen.

37 Prozent der obersten Führungskräfte sind Frauen

Besonders deutlich wurde Schwesig bei den Zahlen zur Privatwirtschaft.

Nach Angaben der Staatskanzlei sind etwa 37 Prozent der Führungskräfte auf der obersten Ebene in Mecklenburg-Vorpommern Frauen. Bei den Existenzgründungen beträgt der Frauenanteil 33,5 Prozent.

Schwesig verwies dabei auch auf Unternehmen wie 50Hertz, AIDA und Liebherr. Diese hätten nach ihrer Darstellung erkannt, dass wirtschaftliche Stärke und Gleichberechtigung zusammengehörten.

Ostdeutsche Tradition bei weiblicher Erwerbstätigkeit

Die Ministerpräsidentin stellte die Entwicklung zugleich in einen ostdeutschen Zusammenhang.

Frauen, die arbeiten, führen und wirtschaftliche Verantwortung übernehmen, hätten in Ostdeutschland Tradition, sagte Schwesig laut Mitteilung der Staatskanzlei.

Tatsächlich gehört eine hohe Erwerbsbeteiligung von Frauen seit Jahrzehnten zu den prägenden Merkmalen ostdeutscher Arbeitsmärkte. Die Landesregierung versucht nun, diesen Standortvorteil stärker mit der Gewinnung von Führungskräften und Unternehmerinnen zu verbinden.

Landesregierung sieht weiteren Handlungsbedarf

Trotz der genannten Zahlen betrachtet Schwesig die Entwicklung nicht als Selbstläufer.

Nach ihrer Darstellung braucht es politische Rahmenbedingungen, damit Frauen häufiger in Führungspositionen gelangen und ihre Erwerbsbeteiligung weiter gestärkt wird.

Die Landesregierung hat deshalb ein neues gleichstellungspolitisches Rahmenprogramm beschlossen. Dieses enthält Maßnahmen zur Förderung einer ausgewogenen Erwerbsbeteiligung in unterschiedlichen Bereichen.

Gleichstellungsgesetz soll öffentlichen Dienst verändern

Auch innerhalb der Landesverwaltung will Mecklenburg-Vorpommern den Frauenanteil in Führungspositionen erhöhen.

Mit dem Gleichstellungsgesetz soll nach Angaben der Staatskanzlei insbesondere der Anteil von Frauen in leitenden Funktionen des öffentlichen Dienstes steigen. Darüber hinaus strebt die Landesregierung eine paritätische Besetzung von Gremien an.

Damit richtet sich die Strategie sowohl an Unternehmen als auch an den öffentlichen Bereich.

Schwesig verweist auf frühere Frauenquote

In ihrer Rede erinnerte die Ministerpräsidentin außerdem an ihre Zeit als Bundesfrauenministerin.

2015 habe sie das erste Gesetz zur Frauenquote in Aufsichtsräten auf den Weg gebracht. Nach ihrer Einschätzung zeige das Gesetz Wirkung: Der Frauenanteil in den betroffenen Unternehmen liege inzwischen über der vorgeschriebenen Quote.

Wirtschaftlicher Wettbewerb um qualifizierte Frauen nimmt zu

Für Mecklenburg-Vorpommern ist das Thema längst mehr als eine gleichstellungspolitische Debatte.

Das Land steht wie viele ostdeutsche Regionen vor einem zunehmenden Fach- und Führungskräftemangel. Unternehmen konkurrieren um gut ausgebildete Beschäftigte, während gleichzeitig viele ältere Arbeitnehmer in den kommenden Jahren aus dem Berufsleben ausscheiden.

Gute Betreuungsmöglichkeiten, flexible Arbeitszeiten und echte Aufstiegschancen können deshalb zu entscheidenden Standortfaktoren werden.

Gerade wenn Unternehmen Frauen nicht nur als Beschäftigte gewinnen, sondern ihnen auch Führungsverantwortung übertragen, erweitert sich der Kreis potenzieller Führungskräfte erheblich.

Hanse Sail wird auch zur Wirtschaftsplattform

Der Business Brunch im Umfeld der Hanse Sail zeigt zugleich, dass das Rostocker Großereignis längst mehr als ein maritimes Volksfest ist.

Wirtschaft, Politik und Unternehmen nutzen die Veranstaltung für Austausch und Standortwerbung. In diesem Rahmen rückte Schwesig diesmal die Rolle von Frauen in der Wirtschaft Mecklenburg-Vorpommerns besonders in den Mittelpunkt.

Die von ihr genannten Zahlen zeigen Fortschritte, aber auch weiteres Potenzial: Selbst bei einem Frauenanteil von rund 37 Prozent bleibt die Mehrheit der obersten Führungspositionen in der Privatwirtschaft weiterhin männlich besetzt.

Quellen

Staatskanzlei Mecklenburg-Vorpommern, Pressemitteilung Nr. 187/2026 vom 8. August 2026: „Schwesig: MV ist attraktiv für starke, gut ausgebildete Frauen“.