Unterschiedliche Gesundheitssysteme, andere Krankheitsbilder und neue Behandlungsmethoden treffen derzeit an der Rostocker Universitätshautklinik aufeinander. Zwei Ärztinnen aus Sri Lanka und Litauen verbringen Teile ihrer Weiterbildung in Rostock und bringen zugleich Erfahrungen aus ihren Heimatländern in den klinischen und wissenschaftlichen Austausch ein.
Seit Anfang August sind Dr. Fathima Benazir aus Sri Lanka und Livija Baksiene aus Litauen an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Universitätsmedizin Rostock zu Gast. Sie sollen dort ihre Kenntnisse in modernen diagnostischen und therapeutischen Verfahren vertiefen.
Ein Jahr Facharztausbildung für Ärztin aus Sri Lanka
Dr. Fathima Benazir absolviert in Rostock ein komplettes Jahr ihrer dermatologischen Facharztausbildung.
Hintergrund ist eine Besonderheit der ärztlichen Weiterbildung in Sri Lanka: Nach Angaben der Universitätsmedizin müssen angehende Dermatologinnen und Dermatologen dort ein Ausbildungsjahr im Ausland absolvieren. Die Universitätsmedizin Rostock übernimmt in diesem Fall die Funktion der Ausbildungsklinik.
Benazir beschäftigt sich während ihres Aufenthalts insbesondere mit Unterschieden bei Diagnostik und Therapie verschiedener Hauttypen.
Darüber hinaus lernt sie Verfahren aus der Dermatoonkologie, Allergologie und Dermatochirurgie kennen.
Einwöchiger Forschungsaufenthalt aus Litauen
Livija Baksiene arbeitet normalerweise an der Universitätshautklinik im litauischen Kaunas und befindet sich dort im zweiten Ausbildungsjahr.
Ihr Aufenthalt in Rostock dauert eine Woche. Schwerpunkt sind Dermatochirurgie und Plasmamedizin.
Dabei ist Baksiene in ein Projekt eingebunden, das sich mit der Anwendung von Kaltplasma und Immunmodulation bei Hautkrebs und chronischen Wunden beschäftigt.
Das Vorhaben wird über das Baltisch-Deutsche Hochschulkontor unterstützt. Die Förderung erfolgt durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst mit Mitteln des Auswärtigen Amtes.
Nach ihrer Rückkehr nach Kaunas soll Baksiene ein gemeinsames Projekt zum Einsatz der Plasmamedizin bei Hautkrebs und in der Wundbehandlung durchführen.
Rostocker Ärzte lernen ebenfalls dazu
Der Austausch ist nach Angaben der Universitätsmedizin ausdrücklich keine Einbahnstraße.
Prof. Dr. Steffen Emmert, Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, sieht internationale Zusammenarbeit als Bestandteil moderner Universitätsmedizin.
Wenn Mediziner aus unterschiedlichen Gesundheitssystemen zusammenarbeiten, könnten beide Seiten fachlich und wissenschaftlich voneinander profitieren. Zugleich erhielten Gastärzte Zugang zu diagnostischen und therapeutischen Verfahren, die in ihren Heimatländern teilweise nur eingeschränkt verfügbar seien.
Pigmentierte Haut und Tropenerkrankungen bringen neue Erfahrungen
Auch für die Rostocker Ärzte ergeben sich neue Lernmöglichkeiten.
Oberarzt Dr. Rüdiger Panzer verweist darauf, dass bestimmte Hauterkrankungen auf pigmentierter Haut oder tropische Hauterkrankungen in Rostock vergleichsweise selten zu sehen seien.
Die klinischen Erfahrungen der Gastärztinnen seien deshalb auch für die Weiterbildung des eigenen medizinischen Nachwuchses wertvoll.
Gerade in der Dermatologie können Hauttyp, Herkunft und klimatische Bedingungen Einfluss darauf haben, wie Erkrankungen auftreten und diagnostisch beurteilt werden.
Gastärztinnen dürfen nicht eigenständig behandeln
Während ihrer Aufenthalte begleiten beide Ärztinnen die dermatologische Versorgung in Rostock.
Sie nehmen an Fortbildungen und wissenschaftlichen Besprechungen teil und verfolgen operative Eingriffe. Aufgrund rechtlicher Vorgaben dürfen sie allerdings keine eigenständigen ärztlichen Tätigkeiten ausüben.
Um dennoch praktische Erfahrungen sammeln zu können, erhalten sie die Möglichkeit, an operativen Ausbildungskursen der Hautklinik teilzunehmen.
Moderne Diagnostik beeindruckt Gastärztin
Dr. Fathima Benazir hebt besonders die Verbindung verschiedener Bereiche hervor.
Sie zeigt sich beeindruckt davon, wie umfassend die diagnostischen Möglichkeiten seien und wie eng moderne Diagnostik, operative Verfahren und wissenschaftliche Erkenntnisse miteinander verbunden würden.
Die Erfahrungen in Rostock würden ihre weitere Facharztausbildung nachhaltig bereichern, erklärte die Ärztin.
Internationale Kooperationen seit vielen Jahren
Die Rostocker Hautklinik arbeitet bereits seit längerer Zeit mit medizinischen Einrichtungen im Ausland zusammen.
Regelmäßig absolvieren Ärztinnen und Ärzte aus anderen Ländern Gastaufenthalte an der Klinik.
Nach Angaben der Universitätsmedizin dienen diese Kooperationen nicht nur der Weiterbildung des medizinischen Nachwuchses. Sie sollen zugleich gemeinsame wissenschaftliche Fragestellungen fördern und den internationalen Wissenstransfer in der Dermatologie stärken.
Quellen
Universitätsmedizin Rostock – Pressemitteilung zur Ausbildung von Gastärztinnen aus Sri Lanka und Litauen an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie