Wer durch die malerischen Elbweindörfer der Karl-May-Stadt Radebeul bei Dresden (Bundesland: Sachsen, Landkreis Meißen) spaziert, rechnet auf den ersten Blick mit Weinbau und Villenarchitektur. Doch direkt an der Elbe verströmt ein traditionsreiches Werk seit Jahrzehnten einen Duft, der Millionen das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt: geschmolzene Schokolade und geröstete Haselnüsse.
Hier residiert die Sächsische Schokoladen- und Süßwarenfabrik Vadosi – die Wiege von Nudossi, der Nuss-Nugat-Creme mit dem wohl treuesten Fanclub des Ostens.
Inhaltsübersicht
Die Idee aus der Not: Wie 1970 der Haselnuss-Rekord entstand
Der rote Plastikbecher: Verpackungs-Kult der DDR-Zeit
Aus für den VEB und das Comeback: Die Rettung durch Familie Krenkel
Palmölfrei und 36 % Nuss: Warum Nudossi bis heute Maßstäbe setzt
Ortspunkt Radebeul: Wo du den Nudossi-Traum erlebst
Leser-Aufruf: Löffelst du Nudossi direkt aus dem Becher?
Die Idee aus der Not: Wie 1970 der Haselnuss-Rekord entstand
Ende der 1960er-Jahre stand die Lebensmittelindustrie der DDR vor einem ständigen Dilemma: Kakaobutter und gehärtete Pflanzenfette mussten teuer gegen harte Devisen auf dem Weltmarkt eingekauft werden. Die Süßwarenentwickler bei Vadosi in Radebeul erhielten den Auftrag, einen streichfähigen Brotbelag zu kreieren, der mit möglichst wenig importiertem Fett auskam.
Die Radebeuler erfanden einen genialen Kniff. Sie nutzten das in reicher Menge verfügbare Eigenfett gerösteter Haselnüsse. Sie schraubten den Haselnussanteil auf fantastische 36 Prozent hoch – mehr als das Zweieinhalbfache moderner westlicher Konkurrenzprodukte (die meist nur auf 13 Prozent kommen). 1970 kam die Creme unter dem Namen Nudossi auf den Markt und schlug sofort wie eine Bombe ein.
Der rote Plastikbecher: Verpackungs-Kult der DDR-Zeit
Nudossi war in der DDR nicht in gläsernen Tiegeln zu finden, sondern stach im Verkaufsregal durch seine charakteristischen, ovalen roten Plastikbecher mit weißem Schnappdeckel hervor.
Die Becher gehörten zum Alltagsbild jeder Küche. War der cremige Inhalt erst einmal genüsslich aufgelöffelt oder aufs Sonntagsbrötchen gestrichen, dienten die robusten Plastikdosen in Millionen Haushalten als praktische Vorratsbehälter für Schrauben, Nähzeug oder Gewürze – ein frühes Beispiel für gelebtes Upcycling.
Aus für den VEB und das Comeback: Die Rettung durch Familie Krenkel
Im Zuge der Verstaatlichungswelle wurde Vadosi 1972 zum VEB Süßwarenfabrik Radebeul. Nach der Wende 1990 schien das Schicksal von Nudossi zunächst besiegelt: Die Supermarktregale füllten sich mit Westprodukten, die Produktion wurde gestoppt und die Fabrik geschlossen.
Doch der Dresdner Unternehmer Karl-Heinz Krenkel glaubte an das Potenzial der sächsischen Rezeptur. Er erwarb 1999 die Markenrechte sowie die Rezepturen und holte Nudossi zurück auf den Markt. Die Resonanz der Kunden war überwältigend – das Nuss-Wunder feierte ein fulminantes Comeback.
Palmölfrei und 36 % Nuss: Warum Nudossi bis heute Maßstäbe setzt
Heute ist Vadosi in Radebeul ein moderner, hochspezialisierter Familienbetrieb, der neben Nudossi auch feines Elbflorenz-Konfekt und Ostereier fertigt.
Das Unternehmen besann sich auf seine historischen Stärken:
Der Klassiker: Die Original-Rezeptur mit 36 Prozent Haselnussanteil garantiert eine unvergleichlich nussige Note und eine dunkle, samtige Farbe.
Der Umwelt-Pionier: Vadosi brachte als einer der ersten großen Brotaufstrich-Hersteller eine komplett palmölfreie Nudossi-Variante (mit Sonnenblumenöl und Salbutter) auf den Markt – ein voller Erfolg bei umweltbewussten Schoko-Fans.
Ortspunkt Radebeul: Wo du den Nudossi-Traum erlebst
Wer auf den Spuren der süßen sächsischen Versuchung in Radebeul (Bundesland: Sachsen) unterwegs ist, findet lohnenswerte Genuss-Stationen:
Vadosi Werksverkauf Radebeul (Kötzschenbroder Straße): Das Paradies für Schoko-Liebhaber direkt am Werk. Hier gibt es das gesamte Nudossi-Sortiment (vom Großbecher über die Tube bis zur palmölfreien Variante), Bruchschokolade und sächsische Spezialitäten.
Historisches Radebeul & Elbradweg: Ein Ausflug zum Werksverkauf lässt sich ideal mit einer Radtour entlang der Elbe oder einem Bummel durch die historische Altkötzschenbrodaer Altstadt verbinden.
Leser-Aufruf: Löffelst du Nudossi direkt aus dem Becher?
Schwörst du auf die echten 36 Prozent Haselnuss, nutzt du Nudossi zum Backen oder hast du den Werksverkauf in Radebeul besucht?
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