Potsdam. Noch strömen Kunden durch das Stadtpalais, kaufen Kleidung, Haushaltswaren oder Parfüm. Doch hinter den Kulissen wird erneut über die Zukunft des Warenhauses verhandelt. Galeria überprüft bundesweit 33 seiner 83 Filialen – darunter den Potsdamer Standort, das letzte verbliebene Galeria-Kaufhaus in Brandenburg. Scheitern die Gespräche über Miete und Verkaufsfläche, droht der Innenstadt eine ihrer größten Handelsflächen verloren zu gehen.
Miete und Größe des Hauses werden zum Problem
Nach bisherigen Angaben hält Galeria den Potsdamer Standort in seiner heutigen Form nicht für dauerhaft wirtschaftlich tragfähig. Als zentrale Probleme gelten die Höhe der Miete und die Größe der Verkaufsfläche im Stadtpalais. Der Konzern verhandelt deshalb mit dem Vermieter über neue Konditionen und möglicherweise auch über eine Verkleinerung des Warenhauses.
Die Prüfung betrifft nicht nur Potsdam. Galeria bewertet aktuell 33 Standorte anhand ihrer Ertragskraft und Mietbelastung. Kommt es mit den jeweiligen Eigentümern zu keiner tragfähigen Einigung, könnten Filialen geschlossen, verkleinert oder an andere Standorte verlegt werden. Ein fester Termin für die Entscheidungen wurde bislang nicht öffentlich genannt.
Für Potsdam geht es dabei um weit mehr als eine einzelne Verkaufsstelle:
- Galeria ist das letzte Warenhaus dieser Kette in Brandenburg.
- Das Haus liegt zentral in der Brandenburger Straße.
- Die Filiale zieht Kunden in die umliegenden Geschäfte und Gastronomiebetriebe.
- Eine Schließung würde eine große und schwer nachzunutzende Fläche hinterlassen.
- Beschäftigte und kleinere Anbieter im Gebäude müssten um ihre Zukunft bangen.
Oberbürgermeisterin Noosha Aubel hat sich nach Angaben der Stadt bereits eingeschaltet. Sie steht im Austausch mit der Standortleitung und der Unternehmenszentrale und bezeichnet Galeria als wichtigen Bestandteil einer lebendigen und vielfältigen Innenstadt.
„Wir hoffen, dass der Standort Potsdam auch künftig Teil des Filialnetzes bleibt.“
Mit dieser Position macht Aubel deutlich, dass die Stadt nicht nur die wirtschaftliche Lage des Unternehmens betrachtet. Für Potsdam geht es auch um die Attraktivität des gesamten Zentrums.
Schon 2024 konnte das Kaufhaus nur knapp gerettet werden
Die aktuelle Unsicherheit erinnert an die Situation vor zwei Jahren. Im Zuge des dritten Insolvenzverfahrens innerhalb von vier Jahren stand die Potsdamer Filiale bereits 2024 vor dem Aus. Damals sollte eine größere Zahl von Häusern geschlossen werden. Durch ein verbessertes Angebot des Vermieters konnte Potsdam am Ende jedoch gerettet werden.
Seit Sommer 2024 gehört Galeria der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsgesellschaft des Unternehmers Bernd Beetz. Das Unternehmen betreibt derzeit 83 Warenhäuser und beschäftigt bundesweit rund 12.000 Menschen. Parallel zur erneuten Standortprüfung erhielt Galeria eine Kreditlinie über bis zu 160 Millionen Euro, die dem Konzern finanziellen Spielraum bis 2029 verschaffen soll.
Die Finanzierung beendet allerdings nicht die strukturellen Probleme vieler Standorte. Große Warenhäuser verursachen hohe Kosten für Miete, Energie, Personal und Unterhaltung. Gleichzeitig hat sich ein erheblicher Teil des Handels ins Internet, in Einkaufszentren oder zu spezialisierten Anbietern verlagert.
Für Potsdam kommt ein weiterer Faktor hinzu: Das Kaufhaus befindet sich in einer hochwertigen Innenstadtlage. Gerade dort entscheidet die Miethöhe darüber, ob ein großflächiges Warenhaus wirtschaftlich bestehen kann. Bereits 2024 hing die Rettung des Standorts deshalb wesentlich von Zugeständnissen des Vermieters ab.
Eine Schließung würde die gesamte Innenstadt treffen
Galeria wirkt im Potsdamer Zentrum als sogenannter Ankerbetrieb. Viele Menschen besuchen die Brandenburger Straße nicht ausschließlich wegen des Warenhauses, verbinden den Einkauf dort aber mit weiteren Besorgungen, Restaurantbesuchen oder einem Stadtbummel.
Fällt ein solcher Magnet weg, leiden häufig auch kleinere Geschäfte in der Umgebung. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie eine große mehrgeschossige Handelsimmobilie anschließend genutzt werden könnte.
Denkbar wären grundsätzlich:
- eine verkleinerte Galeria-Filiale mit zusätzlichen Mietern,
- kleinere Geschäfte und gastronomische Angebote,
- Büro-, Kultur- oder Dienstleistungsflächen,
- eine gemischte Nutzung mit Wohnen,
- eine umfassende bauliche Neuausrichtung des Stadtpalais.
Eine schnelle Nachnutzung wäre allerdings nicht garantiert. Klassische Warenhausgebäude verfügen häufig über große, tief geschnittene Etagen, wenige Außenfenster und technische Anlagen, die auf einen einzigen Hauptnutzer zugeschnitten sind. Umbauten sind deshalb teuer und dauern oft mehrere Jahre.
Der Deutsche Städtetag fordert Galeria auf, die betroffenen Kommunen in die Gespräche einzubeziehen. Städte müssten frühzeitig wissen, ob eine Schließung droht, damit sie gemeinsam mit Eigentümern und Händlern nach Lösungen suchen können.
Für Potsdam beginnt damit erneut ein Wettlauf gegen den Leerstand. Die Stadt kann Gespräche vermitteln und für den Standort werben. Entscheidend bleiben jedoch die Verhandlungen zwischen Galeria und dem Eigentümer des Stadtpalais.
Noch ist die Schließung nicht beschlossen. Doch die Erfahrung von 2024 zeigt, wie knapp die Zukunft des Hauses bereits damals entschieden wurde. Zwei Jahre später steht Potsdams einziges verbliebenes Warenhaus erneut vor derselben Frage: Finden Konzern und Vermieter eine wirtschaftliche Lösung – oder verliert Brandenburg seine letzte Galeria-Filiale?
Quellen und Datenbasis
- Galeria und überregionale Agenturberichte: Prüfung von 33 der insgesamt 83 Warenhausstandorte, Kriterien Mietbelastung und Ertragskraft.
- Landeshauptstadt Potsdam und Oberbürgermeisterin Noosha Aubel: Gespräche mit Standortleitung und Konzernzentrale sowie Bedeutung des Hauses für die Innenstadt.
- Potsdamer Neueste Nachrichten, Märkische Allgemeine und Tagesspiegel: Verkaufsflächengröße, Mietproblematik und frühere Rettung der Filiale im Jahr 2024.