Sie hängt an Bäumen, Zäunen und Wegen, meist unscheinbar am Rand der Landschaft: eine schwarze Eule auf gelbem Grund. Das Naturkundemuseum Potsdam widmet dem bekannten Zeichen des Naturschutzes eine eigene Ausstellung – und erzählt dabei von zwei Menschen, die ihren Alltag konsequent in den Dienst der Natur stellten.
Ein kleines Schild wird zum bekannten Symbol
Die Sonderausstellung „Achtung Eule! Ein Zeichen für den Naturschutz“ erinnert an die Entstehung eines Symbols, das bis heute in vielen ostdeutschen Schutzgebieten zu finden ist.
Erna und Kurt Kretschmann entwickelten die stilisierte Waldohreule Ende der 1940er-Jahre gemeinsam mit weiteren Naturschützern in Bad Freienwalde. Lange wurde angenommen, das Zeichen sei erst 1950 verbreitet worden. Neuere Recherchen belegen jedoch, dass es bereits im Oktober 1949 erstmals in gedruckter Form erschien.
Das Schild sollte ohne lange Erklärung deutlich machen: Diese Landschaft, dieses Moor oder dieser Wald benötigt besondere Rücksicht. Die Darstellung war einfach, einprägsam und auch aus größerer Entfernung zu erkennen.
Die Ausstellung zeichnet mehrere Entwicklungsstufen nach:
- die ersten Entwürfe der stilisierten Waldohreule,
- die Verbreitung des Zeichens in der DDR,
- seine Aufnahme in das DDR-Naturschutzgesetz von 1954,
- die gestalterische Vereinheitlichung in den 1980er-Jahren,
- seine weitere Verwendung nach der deutschen Wiedervereinigung.
Die heute bekannte Ausführung mit schwarzer Eule und gelbem Hintergrund setzte sich erst Jahrzehnte nach dem ursprünglichen Entwurf verbindlich durch. 1991 empfahl die Umweltministerkonferenz, das Symbol bundesweit zu verwenden. In mehreren westdeutschen Ländern blieb daneben der Seeadler im grünen Dreieck gebräuchlich.
Naturschutz war für die Kretschmanns Lebensaufgabe
Die Ausstellung beschränkt sich nicht auf die Gestaltung eines Schildes. Im Mittelpunkt stehen ebenso das Leben und die Überzeugungen von Erna und Kurt Kretschmann.
Das Ehepaar gehörte zu den prägenden Persönlichkeiten des ostdeutschen Naturschutzes. In Bad Freienwalde errichteten die Kretschmanns das Haus der Naturpflege, verbunden mit einem umfangreichen Lehr- und Schaugarten. Dort wurden mehr als 1.000 Gehölzarten gepflanzt, verschiedene Lebensräume gestaltet und Wissen über Pflanzen, Tiere und ökologische Zusammenhänge vermittelt.
Ihr Engagement war praktisch ausgerichtet. Sie wollten nicht allein über den Schutz der Natur sprechen, sondern zeigen, wie er im Alltag umgesetzt werden kann.
„Alltag und praktisches Handeln bildeten bei ihnen eine Einheit“, erklären die Ausstellungskuratoren.
Historische Fotografien zeigen das Paar bei seiner Arbeit. Dokumente, Rundfunkbeiträge und Filmausschnitte verdeutlichen zugleich, unter welchen gesellschaftlichen und politischen Bedingungen sich der Naturschutz in der DDR entwickelte.
Die Kretschmanns bewegten sich dabei in einem Spannungsfeld: Einerseits erhielt der Naturschutz eine gesetzliche Grundlage. Andererseits standen wirtschaftliche Interessen, Landwirtschaft, Rohstoffgewinnung und Landschaftsumbau häufig im Konflikt mit dem Erhalt wertvoller Lebensräume.
Originale Schilder erzählen vom Wandel
Zu sehen sind originale Eulenschilder aus verschiedenen Jahrzehnten. An ihnen lässt sich erkennen, wie sich Form, Farbe und grafische Gestaltung im Laufe der Zeit veränderten.
Ergänzt werden die Exponate durch:
- historische Fotos aus dem Leben der Kretschmanns,
- frühe Dokumente zur Entstehung des Symbols,
- Karten und Materialien aus Schutzgebieten,
- Radioaufnahmen und Filmbeiträge,
- Informationen zum Haus der Naturpflege in Bad Freienwalde.
Die Ausstellung wurde von Jeanette Toussaint, Dr. Ralf Forster und Dr. Ina Pokorny kuratiert. Beteiligt waren außerdem das Haus der Naturpflege Bad Freienwalde und die Hochschule Neubrandenburg.
Museumsdirektor Dr. Jobst Pfaender verbindet den historischen Rückblick mit einer aktuellen Frage: Wie lässt sich Verantwortung für Natur und Umwelt heute übernehmen? Die Schau will deshalb nicht nur ein bekanntes Zeichen erklären, sondern Besucher dazu bringen, über das eigene Verhalten nachzudenken.
Bis September in Potsdam zu sehen
Die Ausstellung wurde am 11. Dezember 2025 eröffnet und läuft bis zum 13. September 2026. Sie ist im regulären Museumseintritt enthalten. Das Naturkundemuseum ist dienstags bis sonntags von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Zusätzlich öffnet es am ersten Montag eines Monats zu ermäßigten Bedingungen.
Besucherinformationen
- Ausstellung: „Achtung Eule! Ein Zeichen für den Naturschutz“
- Laufzeit: bis 13. September 2026
- Ort: Naturkundemuseum Potsdam, Breite Straße 13
- Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 9 bis 17 Uhr
- Eintritt Erwachsene: 4 Euro
- Ermäßigt: 3 Euro
- Kinder von 6 bis 18 Jahren: 2 Euro
- Kinder unter 6 Jahren: kostenlos
Historische Ausstellung und Gegenwartsfrage treffen dabei unmittelbar aufeinander: Das Schild hat sich verändert, doch sein Auftrag bleibt derselbe. Es markiert Orte, an denen Natur nicht selbstverständlich ist, sondern Schutz und Aufmerksamkeit benötigt.
Quellen & Datenbasis
- Naturkundemuseum Potsdam: Sonderausstellung „Achtung Eule! Ein Zeichen für den Naturschutz“
- Landeshauptstadt Potsdam: Pressemitteilung Nr. 599 vom 10. Dezember 2025
- Naturkundemuseum Potsdam: Veranstaltungs- und Besucherinformationen 2026