Ein synthetisches Zuckermolekül könnte neue Möglichkeiten im Kampf gegen den gefährlichen Krankenhauspilz Candida auris eröffnen. Forschende aus Potsdam, Berlin und dem britischen Exeter entwickelten daraus einen Impfstoffkandidaten, schützende Antikörper und den Prototyp eines Schnelltests. Die Ansätze befinden sich allerdings noch in der präklinischen Entwicklung, sodass eine Anwendung beim Menschen weitere Untersuchungen erfordert.

Candida auris gilt als gefährlicher Krankenhauskeim

Wie das Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam mitteilt, arbeitete sein Forschungsteam gemeinsam mit Wissenschaftlern der Freien Universität Berlin und des Centre for Medical Mycology der University of Exeter an dem neuen Ansatz.

Candida auris ist ein Hefepilz, der insbesondere für Menschen mit geschwächtem Immunsystem gefährlich werden kann. Eine Infektion verursacht nicht zwangsläufig Symptome, kann im schweren Verlauf jedoch zu einer Sepsis führen.

Der Erreger wurde 2009 erstmals in Japan entdeckt und hat sich seitdem weltweit ausgebreitet. Die Weltgesundheitsorganisation stuft Candida auris seit 2022 als Pilzerreger mit kritischer Priorität ein.

Forscher bauen Zuckerstruktur im Labor nach

Eine besondere Schwierigkeit bei der Entwicklung eines Impfstoffs liegt in der komplexen Zellwand des Pilzes. Diese besteht zu großen Teilen aus Zuckerstrukturen, die sich in ihrer Länge und ihren Verknüpfungen unterscheiden.

Die Wissenschaftler stellten deshalb einzelne Strukturen chemisch im Labor her und untersuchten gezielt, welche davon vom Immunsystem erkannt werden. Dabei identifizierten sie ein sogenanntes β-Mannan-Tetrasaccharid aus vier miteinander verbundenen Zuckerbausteinen.

Diese Struktur entspricht einem Bestandteil auf der Oberfläche von Candida auris und wird von Antikörpern erkannt. Nach Angaben von Peter H. Seeberger, Direktor am Max-Planck-Institut und Co-Autor der Studie, ermöglicht die chemische Synthese eine besonders genaue Untersuchung solcher Zuckerstrukturen.

Impfstoffkandidat zeigt Wirkung im Tiermodell

Für den Impfstoffansatz koppelten die Forschenden die identifizierte Zuckerstruktur an ein Trägerprotein. Dieses sogenannte Glykokonjugat soll das Immunsystem dazu bringen, gezielt auf die Oberflächenstruktur des Pilzes zu reagieren.

In einem Infektionsmodell mit Mäusen löste die Impfung eine spezifische Immunantwort aus. Die Tiere entwickelten Antikörper gegen die synthetische Zuckerstruktur, zugleich war die Pilzlast in Niere und Milz nach der Infektion reduziert.

Seeberger bewertet die Ergebnisse als wichtigen präklinischen Wirksamkeitsnachweis. Eine Wirksamkeit oder Sicherheit beim Menschen wurde mit der Studie jedoch noch nicht nachgewiesen.

Ein Molekül für Therapie und Schnelltest

Die Forscher entwickelten aus demselben Ansatz außerdem einen Antikörper, der die Zuckerstruktur des Pilzes gezielt erkennt. Bei passiv immunisierten Mäusen war die Pilzlast in der Milz ebenfalls reduziert.

Die Antikörper wurden darüber hinaus für einen diagnostischen Prototyp verwendet. Der Schnelltest funktioniert nach einem ähnlichen Grundprinzip wie bekannte Schwangerschafts- oder Corona-Schnelltests und soll bestimmte Oberflächenstrukturen von Candida auris erkennen.

Damit könnte dieselbe chemisch definierte Zuckerstruktur langfristig drei Anwendungen ermöglichen: eine vorbeugende Impfung, eine Therapie mit Antikörpern und eine schnellere Diagnostik.

Anwendung beim Menschen noch nicht absehbar

Trotz der vielversprechenden Ergebnisse befindet sich die Entwicklung noch in einem frühen Stadium. Der Impfstoffkandidat und die Antikörper wurden bislang ausschließlich in Tiermodellen untersucht, auch der diagnostische Test liegt zunächst nur als Prototyp vor.

Vor einer möglichen medizinischen Anwendung müssen deshalb weitere Untersuchungen folgen. Die Studie zeigt jedoch, dass eine einzelne exakt definierte Zuckerstruktur als gemeinsame Grundlage für Prävention, Behandlung und Diagnostik eines multiresistenten Pilzerregers genutzt werden könnte.

Quelle: Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung, Presseinformation vom 12. August 2026.