Brennende Fahrzeuge, Einbrüche, Körperverletzungen, Messerangriffe und Polizeieinsätze prägen fast täglich die lokalen Nachrichten. Doch daraus allein lässt sich nicht ableiten, dass Ostdeutschland insgesamt immer krimineller wird. Die offiziellen Statistiken zeichnen vielmehr ein widersprüchliches Bild: In mehreren Regionen sinkt die Gesamtzahl der registrierten Straftaten, während einzelne Bereiche wie Gewaltkriminalität, Jugenddelikte oder politisch motivierte Straftaten weiterhin auf einem hohen Niveau liegen. Gleichzeitig spielt die Kriminalität nichtdeutscher Tatverdächtiger eine zunehmend kontroverse Rolle in der Sicherheitsdebatte.
Bundesweit registrierte die Polizei 2025 rund 5,5 Millionen Straftaten. Das waren 5,6 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Auch einzelne ostdeutsche Länder melden sinkende Gesamtzahlen. Die Entwicklung bedeutet deshalb nicht, dass Deutschland oder Ostdeutschland flächendeckend mit immer mehr Straftaten konfrontiert sind. Entscheidend ist vielmehr, welche Delikte steigen und wer sie begeht.
Brandenburg registriert so wenige Straftaten wie lange nicht
Besonders deutlich wird dieser Gegensatz in Brandenburg.
2025 registrierte die Polizei dort 166.508 Straftaten. Das waren 5,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Rechnet man Verstöße gegen Aufenthalts-, Asyl- und Freizügigkeitsrecht heraus, wurden 151.124 Straftaten gezählt – nach Angaben des Innenministeriums ein historischer Tiefstand.
Auf den ersten Blick spricht das für eine deutlich verbesserte Sicherheitslage.
Doch innerhalb dieser Gesamtzahl entwickelt sich die Gewaltkriminalität in die andere Richtung.
2025 registrierte Brandenburg 5.443 Fälle von Gewaltkriminalität. Das waren zwei Prozent mehr als 2024. Die Zahlen bewegen sich nach Einschätzung des Innenministeriums weiterhin auf einem hohen Niveau.
Damit zeigt sich ein Muster, das für die aktuelle Debatte entscheidend ist:
Weniger Straftaten insgesamt bedeuten nicht automatisch weniger schwere Gewalt.
Gewalt prägt das Sicherheitsgefühl besonders stark
Eine gestohlene Geldbörse und eine gefährliche Körperverletzung zählen in der Statistik jeweils zunächst als Straftat.
Für das persönliche Sicherheitsgefühl besitzen sie jedoch völlig unterschiedliche Bedeutung.
Gewalt im öffentlichen Raum, Messerangriffe, Raub oder schwere Körperverletzungen werden von Menschen wesentlich stärker wahrgenommen als viele Vermögensdelikte.
Dazu kommt, dass spektakuläre Fälle über soziale Netzwerke und lokale Medien innerhalb weniger Stunden große Reichweiten erreichen.
Das kann dazu führen, dass subjektives Unsicherheitsgefühl und statistische Gesamtentwicklung auseinanderlaufen.
Deshalb ist die reine Gesamtzahl aller Straftaten nur ein Teil der Sicherheitslage.
Sachsen warnte zuletzt besonders vor Gewaltkriminalität
Auch in Sachsen stand die Entwicklung der Gewaltkriminalität zuletzt deutlich im Mittelpunkt.
Für 2024 registrierte der Freistaat 9.703 Fälle von Gewaltkriminalität. 2020 waren es noch 7.569 gewesen. Besonders stark war innerhalb dieses Zeitraums die Zahl gefährlicher und schwerer Körperverletzungen gestiegen.
Sachsens Innenministerium sprach deshalb von einer Entwicklung, die besondere Aufmerksamkeit erfordere.
Gleichzeitig verlief die allgemeine Kriminalitätsentwicklung deutlich weniger dramatisch. Sachsen registrierte 2024 gegenüber dem Vorjahr insgesamt lediglich 1,4 Prozent mehr allgemeine Kriminalität.
Auch hier zeigt sich die gleiche Differenz: Das Problem liegt weniger in einer Explosion sämtlicher Straftaten als in bestimmten Deliktsgruppen.
Diebstahl bleibt Alltag – nimmt aber nicht überall zu
Eine der häufigsten Formen der Kriminalität bleibt Diebstahl.
Fahrräder verschwinden, Autos werden aufgebrochen, Keller aufgebrochen oder Waren aus Geschäften gestohlen.
Doch auch hier ist das Bild nicht einheitlich.
In Halle beispielsweise gingen die Diebstahlsdelikte 2025 gegenüber dem Vorjahr um 4,46 Prozent auf 9.896 Fälle zurück. Fahrraddiebstähle sanken dort sogar um 13,4 Prozent. Gleichzeitig nahm der Wohnungseinbruch deutlich zu: 291 Fälle bedeuteten 114 mehr als im Vorjahr.
Solche Unterschiede zeigen, warum der Begriff „Kriminalität“ allein wenig erklärt.
Während eine Deliktsgruppe zurückgeht, kann eine andere gleichzeitig deutlich wachsen.
Jugendkriminalität rückt stärker in den Mittelpunkt
Eine zweite Entwicklung beschäftigt Polizei und Politik zunehmend: Straftaten von Kindern und Jugendlichen.
Sachsen hatte bereits für 2024 steigende Zahlen insbesondere bei Gewaltdelikten junger Tatverdächtiger hervorgehoben.
Unter tatverdächtigen Kindern stieg beispielsweise die Zahl im Bereich Gewaltkriminalität gegenüber dem Vorjahr deutlich. Auch bei Jugendlichen registrierte die Polizei einen Anstieg.
Das Problem beschränkt sich nicht ausschließlich auf klassische Straßenkriminalität.
Hinzu kommen Sachbeschädigungen, Bedrohungen, Körperverletzungen und politisch motivierte Delikte.
In Sachsen-Anhalt zeigte eine Untersuchung der Jugendkriminalität für 2024 beispielsweise einen starken Anstieg rechtsmotivierter Straftaten junger Tatverdächtiger. Propagandadelikte spielten dabei eine besonders große Rolle.
Damit überschneiden sich Jugendkriminalität und politische Radikalisierung teilweise.
Politische Kriminalität bleibt ein besonderes ostdeutsches Problemfeld
Auch politisch motivierte Kriminalität gehört zur Sicherheitslage.
Dabei reicht das Spektrum von verbotenen Symbolen und Volksverhetzung über Sachbeschädigungen bis hin zu Körperverletzungen und schweren Gewalttaten.
Bundesweit stieg die Zahl politisch motivierter Gewaltdelikte 2025 auf 4.156 Fälle.
In Ostdeutschland unterscheiden sich die regionalen Entwicklungen allerdings erheblich.
Brandenburg registrierte 2025 insgesamt 5.443 politisch motivierte Straftaten. Das waren rund 20 Prozent weniger als im außergewöhnlich belasteten Wahljahr 2024, aber immer noch der zweithöchste Wert der vergangenen zehn Jahre.
Im Jerichower Land in Sachsen-Anhalt entwickelte sich die Situation wiederum anders: Dort stiegen politisch motivierte Straftaten von 87 Fällen im Jahr 2023 über 159 im Jahr 2024 auf 192 im Jahr 2025. 156 davon wurden dem Bereich politisch rechts motivierter Kriminalität zugeordnet.
Die Zahlen zeigen: Politische Kriminalität ist nicht überall rückläufig und muss regional betrachtet werden.
Was sagen die Zahlen über ausländische Tatverdächtige?
Kaum ein Teil der Kriminalitätsdebatte wird so kontrovers geführt wie die Frage nach Zuwanderung und Kriminalität.
Dabei muss zunächst klar sein, was die Polizeistatistik überhaupt misst.
Die PKS unterscheidet Tatverdächtige unter anderem nach deutscher und nichtdeutscher Staatsangehörigkeit.
„Nichtdeutsch“ bedeutet allerdings nicht automatisch Flüchtling oder Asylbewerber.
Darunter können auch EU-Bürger, Touristen, Studenten, Arbeitnehmer, Durchreisende oder Menschen mit dauerhaftem Aufenthaltsrecht fallen.
Daneben führt die Polizei teilweise eine eigene Kategorie „Zuwanderer“. Diese umfasst bestimmte aufenthaltsrechtliche Gruppen.
Einen allgemeinen „Migrationshintergrund“, wie der Begriff beispielsweise in Bevölkerungsstatistiken verwendet wird, erfasst die Polizeiliche Kriminalstatistik dagegen nicht.
Ein eingebürgerter Deutscher mit ausländischen Eltern erscheint in der PKS beispielsweise als deutscher Tatverdächtiger.
Das ist für jede seriöse Interpretation entscheidend.
Nichtdeutsche Tatverdächtige sind teilweise deutlich überrepräsentiert
Diese statistischen Einschränkungen ändern allerdings nichts daran, dass nichtdeutsche Tatverdächtige bei verschiedenen Delikten über ihrem Anteil an der Wohnbevölkerung liegen.
Das lässt sich nicht seriös verschweigen.
In der Stadt Leipzig waren 2025 beispielsweise 37,3 Prozent der ermittelten Tatverdächtigen nichtdeutsche Staatsangehörige. Im Jahr zuvor waren es 40,1 Prozent gewesen.
In Halle wurden 2025 insgesamt 7.625 Tatverdächtige ermittelt. Davon besaßen 2.503 keine deutsche Staatsangehörigkeit – knapp ein Drittel.
Bei den dort registrierten Messerangriffen lag der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger bei 43,86 Prozent. Im Vorjahr hatte dieser Anteil noch deutlich höher gelegen.
Auch diese Zahlen gehören zur Sicherheitsdebatte.
„Ausländerkriminalität“ ist trotzdem keine einheitliche Kategorie
Eine Zahl wie „33 Prozent nichtdeutsche Tatverdächtige“ erklärt allerdings noch nicht, warum dieser Anteil zustande kommt.
Mehrere Faktoren beeinflussen solche Statistiken.
Dazu gehören Alters- und Geschlechtsstruktur, soziale Lage, Aufenthaltsstatus, Großstadtanteil, grenzüberschreitende Kriminalität und der Umstand, dass auch Menschen erfasst werden können, die gar nicht dauerhaft in Deutschland wohnen.
Zudem bestehen erhebliche Unterschiede zwischen Nationalitäten und Zuwanderergruppen.
Von einer einheitlichen „Kriminalität der Migranten“ zu sprechen, wäre deshalb statistisch falsch.
Umgekehrt wäre es ebenso falsch, auffällige Überrepräsentationen einzelner Gruppen aus Sorge vor einer politischen Debatte gar nicht zu benennen.
Eine sachliche Sicherheitsdebatte muss beides gleichzeitig aushalten.
Kleine Gruppe von Intensivtätern kann Statistik stark beeinflussen
Besonders wichtig ist die Rolle von Mehrfach- und Intensivtätern.
Sachsen hatte für 2024 ausdrücklich darauf hingewiesen, dass eine relativ kleine Gruppe von Zuwanderern mit Asylbezug für einen großen Teil der Straftaten innerhalb dieser Gruppe verantwortlich war. Das Innenministerium leitete daraus die Forderung ab, konsequenter gegen ausländische Mehrfach- und Intensivstraftäter vorzugehen.
Dieser Befund ist für die Einordnung entscheidend.
Wenn eine kleine Gruppe innerhalb einer größeren Bevölkerungsgruppe zahlreiche Straftaten begeht, kann sie die Gesamtstatistik erheblich nach oben treiben.
Das bedeutet zugleich, dass die große Mehrheit derselben Bevölkerungsgruppe nicht straffällig wird.
Sicherheitspolitisch ergibt sich daraus ein anderer Ansatz als eine pauschale Betrachtung aller Zuwanderer: konzentrierte Maßnahmen gegen bekannte Mehrfach- und Gewalttäter.
Halle zeigt, wie unterschiedlich einzelne Delikte aussehen
Die Zahlen aus Halle machen diese Differenzierung besonders deutlich.
2025 wurden dort 3.007 Straftaten unter Beteiligung von Zuwanderern registriert. Das waren 181 mehr als im Vorjahr.
Gleichzeitig sank die Gesamtkriminalität leicht.
Die Zahl der Raubstraftaten fiel deutlich von 376 auf 251 Fälle. Diebstähle gingen ebenfalls zurück.
Dagegen stiegen Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit auf 5.106 Fälle. Auch Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung nahmen zu.
Es gibt also selbst innerhalb einer einzelnen Stadt keine einfache Entwicklung nach dem Muster „alles steigt“ oder „alles sinkt“.
Stadt und Land unterscheiden sich erheblich
Auch innerhalb Ostdeutschlands ist die Kriminalitätsbelastung extrem unterschiedlich.
Großstädte wie Berlin, Leipzig, Dresden, Halle oder Magdeburg haben andere Strukturen als dünn besiedelte Landkreise in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg oder Thüringen.
Bahnhöfe, Nachtleben, Einkaufszentren, Demonstrationen, Tourismus und hohe Bevölkerungsbewegungen erzeugen in Städten andere Tatgelegenheiten.
In ländlichen Regionen können dagegen beispielsweise Fahrzeugdiebstahl, Einbruch, grenzüberschreitende Eigentumskriminalität oder Angriffe auf abgelegene Einrichtungen stärker ins Gewicht fallen.
Deshalb kann auch nicht von einer einheitlichen „ostdeutschen Kriminalitätslage“ gesprochen werden.
Brandenburg zeigt den Widerspruch besonders deutlich
Vielleicht lässt sich die aktuelle Lage am besten an Brandenburg erklären.
Die Gesamtkriminalität befindet sich dort auf einem sehr niedrigen Niveau.
Gleichzeitig steigt die Gewaltkriminalität.
Beides ist gleichzeitig wahr.
Wer ausschließlich auf die sinkende Gesamtzahl verweist, unterschätzt reale Sicherheitsprobleme.
Wer dagegen aus einzelnen Gewalttaten eine allgemeine Kriminalitätsexplosion ableitet, ignoriert die Gesamtstatistik.
Kriminalitätsstatistik erfasst nur das Hellfeld
Hinzu kommt eine grundsätzliche Einschränkung.
Die Polizeiliche Kriminalstatistik enthält nur Straftaten, die der Polizei bekannt geworden sind.
Nicht angezeigte Delikte erscheinen darin nicht.
Das sogenannte Dunkelfeld kann je nach Delikt sehr unterschiedlich groß sein.
Außerdem können Änderungen des Anzeigeverhaltens, neue Gesetze oder verstärkte Polizeikontrollen die Statistik verändern, ohne dass sich das tatsächliche Verhalten der Bevölkerung im gleichen Umfang verändert.
Eine PKS ist deshalb keine vollständige Abbildung sämtlicher Kriminalität, sondern vor allem eine Statistik des polizeilich bekannten Hellfeldes.
Die eigentliche Entwicklung ist komplizierter als die politische Debatte
Für Ostdeutschland ergibt sich damit kein einfaches Bild.
Erstens: Die Gesamtkriminalität steigt keineswegs überall. In Brandenburg und mehreren einzelnen Polizeibereichen gingen die registrierten Straftaten 2025 sogar deutlich zurück.
Zweitens: Gewaltkriminalität bleibt in mehreren Regionen ein erhebliches Problem und entwickelt sich teilweise entgegen dem allgemeinen Trend.
Drittens: Jugendkriminalität und politische Radikalisierung verdienen besondere Aufmerksamkeit, weil sich hier langfristige gesellschaftliche Entwicklungen abzeichnen können.
Viertens: Nichtdeutsche Tatverdächtige sind in verschiedenen Regionen und Deliktsgruppen deutlich vertreten und teilweise überrepräsentiert. Gleichzeitig muss zwischen Staatsangehörigkeit, Zuwanderungsstatus und tatsächlichem Migrationshintergrund unterschieden werden.
Fünftens: Besonders problematisch können kleine Gruppen von Mehrfach- und Intensivtätern sein, die einen überproportionalen Anteil der Straftaten einer bestimmten Gruppe verursachen.
Sicherheitspolitik braucht Prävention und Konsequenz
Die Zahlen sprechen deshalb weder für Verharmlosung noch für Pauschalurteile.
Wo Jugendgewalt zunimmt, braucht es Prävention, Schulen, Jugendhilfe und konsequente Strafverfolgung.
Wo bekannte Intensivtäter wiederholt Straftaten begehen, muss der Rechtsstaat vorhandene straf- und ausländerrechtliche Möglichkeiten konsequent anwenden.
Wo politische Extremisten Gewalt ausüben oder Menschen bedrohen, spielt deren politische Richtung keine Rolle: Der Staat muss einschreiten.
Und wo die Gesamtkriminalität sinkt, sollte dies ebenfalls benannt werden.
Eine glaubwürdige Sicherheitspolitik beginnt nicht mit der Frage, welche Zahl politisch besser passt.
Sie beginnt damit, alle Zahlen anzusehen – auch die unbequemen.
Quellen
Bundeskriminalamt – Polizeiliche Kriminalstatistik 2025
Bundeskriminalamt – Kriminalität im Kontext von Zuwanderung
Polizei Sachsen – Polizeiliche Kriminalstatistik und Sicherheitslagen
Ministerium des Innern und für Kommunales Brandenburg – Polizeiliche Kriminalstatistik 2025
Polizei Brandenburg – Kriminalitätslage und politisch motivierte Kriminalität 2025
Polizei Sachsen-Anhalt – Polizeiliche Kriminalstatistik 2025
Polizeirevier Halle – Polizeiliche Kriminalstatistik 2025