Die Suche nach einem neuen Hausarzt gleicht in vielen Teilen Ostdeutschlands einer Geduldsprobe. Ob in den ländlichen Regionen Brandenburgs, Mecklenburg-Vorpommerns und Thüringens oder in den Randlagen sächsischer und sachsen-anhaltischer Mittelzentren: Viele Altpraxen sind überlastet und verhängen Aufnahmestopps. Dennoch gibt es gezielte Wege, wie Sie auch in angespannten Regionen noch einen festen Hausarztplatz oder Akuttermine erhalten.

Die regionale Lage: Wo gibt es noch realistisch Freiräume?

Der Versorgungsgrad unterscheidet sich regional stark:

  1. Großstädte und Universitätsstandorte: In Städten wie Leipzig, Dresden, Erfurt, Magdeburg, Halle oder Rostock gibt es durch Neueröffnungen und angestellte Ärzte in Großpraxen eine höhere Fluktuation. Hier lohnen sich Anfragen bei neu gegründeten Praxen oft am meisten.

  2. Medizinische Versorgungszentren (MVZ): An Kliniken oder als kommunale MVZ angegliederte Praxisverbünde haben durch angestellte Fachärzte häufiger freie Kapazitäten als inhabergeführte Einzelpraxen.

  3. Regionen mit Neuniederlassungen: In Landkreisen, in denen das Land oder die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) hohe Förderprämien für Landärzte zahlen, lassen sich immer wieder junge Mediziner neu nieder. Diese Praxen müssen ihren Patientenstamm erst aufbauen und nehmen in der Anfangsphase verlässlich neue Patienten an.

4 Wege, wie Sie in Ostdeutschland erfolgreich freie Praxen finden

1. Die Servicenummer und das Portal 116117 der Kassenärztlichen Vereinigung

Wenn Sie selbst nur Absagen erhalten, ist die Kassenärztliche Vereinigung gesetzlich verpflichtet, bei der Vermittlung zu helfen:

  • Per Telefon: Über die kostenfreie Rufnummer 116 117 (rund um die Uhr erreichbar).

  • Online/App: Über das Portal www.116117.de.

  • Wichtig: Für die Vermittlung eines regulären Hausarzttermins ist nicht immer ein Dringlichkeitscode erforderlich. Wer noch gar keinen Hausarzt hat und chronisch krank ist oder Akutbedarf nachweist, erhält über das System Termine in zumutbarer Entfernung.

2. Arztsuch-Portale der ostdeutschen Kassenärztlichen Vereinigungen nutzen

Jedes ostdeutsche Bundesland betreibt eine eigene Arztsuche, in der Praxen filtriert werden können:

  • KV Sachsen / KV Thüringen / KV Sachsen-Anhalt / KV Brandenburg / KV M-V: Auf den jeweiligen Online-Portalen lässt sich gezielt nach Fachgebiet („Allgemeinmedizin“ oder „Praktischer Arzt“), Fremdsprachen, Barrierefreiheit und Ort/Umkreis suchen. Viele Ärzte hinterlegen dort direkt, ob sie Neupatienten aufnehmen.

3. Neueröffnungen und Vertretungspraxen gezielt abpassen

  • Achten Sie auf lokaler Ebene auf Meldungen über Praxisnachfolgen oder MVZ-Gründungen in Amtsblättern und Regionalzeitungen.

  • Wenn ein Hausarzt in den Ruhestand geht und ein Nachfolger übernimmt, gibt es im Zuge der Übergabe oft Zeitfenster, in denen wieder Neupatienten in die Kartei aufgenommen werden.

4. Nachfrage über die eigene Krankenkasse

Mehrere gesetzliche Krankenkassen (wie AOK, Techniker Krankenkasse, Barmer oder BARMER) bieten ihren Versicherten eigene Terminservices an. Die Kassen unterstützen bei der Suche und nutzen oft direkte Kontakte zu Vertragspraxen im Einzugsgebiet.

Was tun im akuten Krankheitsfall ohne festen Hausarzt?

Sollten Sie akut erkranken und keinen festen Hausarzt haben:

  • Akutsprechstunden: Praxen sind verpflichtet, Akutsprechstunden anzubieten. Sie dürfen bei akuten Schmerzen oder Infekten nicht ungesehen weggeschickt werden, auch wenn keine dauerhafte Aufnahme in die Patientenkartei erfolgt.

  • Bereitschaftspraxen: Außerhalb der regulären Öffnungszeiten (abends, an Wochenenden und Feiertagen) stehen die Bereitsschaftspraxen der KV an vielen ostdeutschen Krankenhäusern ohne Voranmeldung offen.

Quellen & Hilfreiche Links

  • Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV): Patientenservice www.116117.de

  • Kassenärztliche Vereinigungen der Bundesländer: Arztsuch-Portale für Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.