Am Himmel über Deutschland ist das größte Schauspiel des Tages inzwischen fast vorüber. Am Mittwochabend, 12. August, schob sich der Mond vor die Sonne und verdeckte in weiten Teilen des Landes einen großen Teil der Sonnenscheibe. In Ostdeutschland wurde das Maximum vielerorts kurz nach 20 Uhr erreicht. Totale Dunkelheit gab es hier allerdings nicht – Deutschland lag außerhalb des schmalen Streifens der totalen Sonnenfinsternis.
Maximum gegen 20.10 Uhr erreicht
Die Finsternis begann in Deutschland regional ab etwa 19.11 Uhr und endete je nach Standort spätestens kurz nach 21 Uhr. Um 20.30 Uhr war das Maximum in den ostdeutschen Bundesländern bereits überschritten; vielerorts näherte sich die Sonne zu diesem Zeitpunkt zugleich dem Horizont.
In Berlin begann die partielle Finsternis gegen 19.15 Uhr. Das Maximum wurde um 20.08 Uhr erreicht, die Magnitude lag bei 0,874.
Ähnlich verlief das Ereignis in Sachsen. In Leipzig begann die Finsternis um 19.17 Uhr und erreichte gegen 20.10 Uhr ihr Maximum bei einer Magnitude von 0,883. In Dresden wurde das Maximum ebenfalls gegen 20.10 Uhr erreicht.
Für Magdeburg wurde der Höhepunkt um 20.09 Uhr angegeben, für Rostock bereits um 20.06 Uhr. In Cottbus lag das Maximum gegen 20.09 Uhr.
Deutschland blieb außerhalb der Totalitätszone
Global betrachtet handelte es sich am 12. August um eine totale Sonnenfinsternis. Der Kernschatten des Mondes verlief über Teile Grönlands, Islands, Nordspaniens sowie über einen kleinen Bereich Portugals. Auch eine abgelegene Region im Norden Russlands lag auf der Totalitätsbahn.
Dort wurde die Sonne für kurze Zeit vollständig vom Mond bedeckt. Für die meisten Orte innerhalb der Totalitätszone dauerte die vollständige Verdunkelung weniger als zwei Minuten, nahe der Mitte des Schattenpfades waren etwas mehr als zwei Minuten möglich.
In Deutschland, Österreich und der Schweiz blieb es dagegen bei einer partiellen Finsternis. Je nach Standort wurden bis zu etwa 90 Prozent der von der Erde sichtbaren Sonnenscheibe verdeckt. Der Himmel wurde deshalb deutlich gedämpft, erreichte aber nicht die Dunkelheit einer totalen Finsternis.
Warum kommt es überhaupt zu einer Sonnenfinsternis?
Eine Sonnenfinsternis entsteht, wenn der Mond bei Neumond genau zwischen Erde und Sonne steht.
Obwohl die Sonne ungefähr 400-mal größer als der Mond ist, befindet sie sich zugleich etwa 400-mal weiter von der Erde entfernt. Dadurch erscheinen beide Himmelskörper von der Erde aus fast gleich groß.
Trifft der schmale Kernschatten des Mondes die Erdoberfläche, erleben Beobachter innerhalb dieses Bereichs eine totale Sonnenfinsternis. Im wesentlich größeren Halbschatten wird dagegen nur ein Teil der Sonnenscheibe verdeckt – genau das war am Mittwochabend in Deutschland der Fall.
Bei einer totalen Sonnenfinsternis wird für kurze Zeit die sonst vom grellen Sonnenlicht überstrahlte Korona sichtbar, die äußere Atmosphäre der Sonne. Diese kurze Phase ist auch für die Wissenschaft von besonderem Interesse.
Erinnerungen an die große Finsternis von 1999
Für viele Deutsche weckte der heutige Abend Erinnerungen an den 11. August 1999.
Damals verlief der Streifen der Totalität quer durch Europa und auch über den Süden Deutschlands. Orte unter anderem bei Stuttgart und München lagen innerhalb der rund 110 Kilometer breiten Totalitätszone. Für etwa zwei Minuten verwandelte sich dort der Mittag in eine ungewöhnliche Dunkelheit.
Die Finsternis von 1999 gehörte zu den großen astronomischen Ereignissen ihrer Zeit. Mehrere hundert Millionen Menschen in Europa und Asien konnten zumindest eine partielle Phase verfolgen.
Die heutige Sonnenfinsternis war für Deutschland zwar nicht total, erreichte mit dem hohen Bedeckungsgrad jedoch Werte, die deutlich über denen vieler gewöhnlicher partieller Finsternisse lagen.
Die nächste Chance kommt schon 2027
Lange müssen Himmelsbeobachter nicht auf die nächste Sonnenfinsternis warten. Bereits am 2. August 2027 zieht erneut eine totale Sonnenfinsternis über Teile der Erde, die von Deutschland aus wiederum partiell zu sehen sein wird.
Wer eine totale Sonnenfinsternis von Deutschland aus erleben möchte, braucht dagegen sehr viel mehr Geduld. Nach den derzeitigen astronomischen Berechnungen ist die nächste totale Sonnenfinsternis, die zumindest Teile Deutschlands erreicht, erst am 3. September 2081 zu erwarten.
Damit bleibt der Abend des 12. August 2026 vor allem als eine der eindrucksvollsten partiellen Sonnenfinsternisse der kommenden Jahrzehnte in Erinnerung – mit einem Maximum kurz nach 20 Uhr und einer tief über dem westlichen Horizont stehenden Sonnensichel.
Quelle:
Europäische Weltraumorganisation ESA; NASA Science; Timeanddate, Berechnungen zur Sonnenfinsternis vom 12. August 2026.