Wer durch das idyllische Flusstal der Unstrut im Süden Sachsen-Anhalts (Bundesland: Sachsen-Anhalt) reist, erblickt steile Terrassenweinberge, jahrhundertealte Trockenmauern und romantische Burgen. Mitten in dieser Kulturlandschaft der Region Saale-Unstrut – dem nördlichsten Qualitätsweinanbaugebiet Europas – liegt das Weinstädtchen Freyburg (Unstrut).

Hier schlägt das Herz der meistverkauften Sektmarke Deutschlands: Die Rotkäppchen Sektkellerei. Was im 19. Jahrhundert als mutiges Experiment dreier Kaufleute begann, entwickelte sich zu einer der spektakulärsten ostdeutschen Erfolgsgeschichten der Wirtschafts- und Genusskultur.

Inhaltsübersicht

  1. Champagner-Träume an der Unstrut: Die Gründung 1856

  2. Der Markenstreit: Wie das rote Hütchen zum Namen wurde

  3. Das Monument im Keller: Das größte geschnitzte Sektfass Deutschlands

  4. Vom VEB zur gesamtdeutschen Marktführerschaft

  5. Ortspunkt Freyburg: Wo du die Sektwelt hautnah erlebst

  6. Leser-Aufruf: Welcher Rotkäppchen-Sekt steht bei dir auf dem Festtagstisch?

Champagner-Träume an der Unstrut: Die Gründung 1856

Die Geschichte begann am 26. September 1856. Die Brüder Moritz und Julius Kloss gründeten gemeinsam mit ihrem Freund Carl Foerster die Handfeste Firma Kloss & Foerster. Ihre Vision: Auf der Basis regionaler Trauben Schaumwein nach traditioneller französischer Flaschengärung herzustellen.

Schon 1858 verließen die ersten Flaschen unter dem Namen „Monopol“ den Freyburger Keller. Die Rebsorten der Unstrut-Hänge verliehen dem Sekt eine charakteristische, frische Säure und ein feines Bukett, das schnell die Gaumen der feinen Gesellschaft im Kaiserreich eroberte.

Der Markenstreit: Wie das rote Hütchen zum Namen wurde

Um ihren Premium-Sekt vor Nachahmungen zu schützen, versahen die Freyburger Sekthersteller die Flaschenköpfe ab 1894 mit einer roten Kapsel aus Staniolpapier. Der Volksmund taufte den beliebten Tropfen schnell schlicht auf den Namen „Rotkäppchen“.

Als 1894 das neue Warenzeichenschutzgesetz in Kraft trat, klagte ein französisches Champagnerhaus gegen die Marke „Monopol“. Die Freyburger reagierten geschickt: Sie machten aus der Not eine Tugend und ließen den Spitznamen „Rotkäppchen“ zusammen mit der roten Kapsel am 20. Februar 1895 offiziell als Markenzeichen schützen – die Geburt einer zeitlosen Ikone.

Das Monument im Keller: Das größte geschnitzte Sektfass Deutschlands

Die Sektkellerei ist auch architektonisch ein Kunstwerk. Ab 1880 gruben die Arbeiter tief in den kalkhaltigen Felsgesteinsboden unter der Kellerei, um riesige, konstant kühle Domkeller zu schaffen.

Ein Highlight dieser Zeit ist das Dom-Riesenfass aus dem Jahr 1896:

  • Gefertigt aus 25 mächtigen Eichenstämmen.

  • Ein Fassungsvermögen von exakt 120.000 Litern (entspricht rund 160.000 Flaschen Sekt).

  • Kunstvoll verziert mit aufwendigen Holzschnitzereien, die Szenen des Weinbaus und Bacchus-Motive darstellen.

Vom VEB zur gesamtdeutschen Marktführerschaft

Nach der Enteignung 1948 wurde die Kellerei als VEB Rotkäppchen-Sektkellerei Freyburg weitergeführt. Rotkäppchen stieg zum unangefochtenen Festtags-Sekt der DDR auf und war auf Hochzeiten, Jubiläen und Silvesterfeiern ein fester Bestandteil der Ost-Identität.

Nach der friedlichen Revolution 1989/90 erlitt das Unternehmen zunächst einen drastischen Umsatzeinbruch, da der Markt von Westprodukten überschwemmt wurde. Doch durch ein Management-Buy-out um Gunter Heise und eine konsequente Neuausrichtung gelang die Wende: Rotkäppchen eroberte schrittweise die westdeutschen Supermarktregale, übernahm 2002 die West-Traditionsmarken Mumm, Jules Mumm sowie MM Extra und stieg als Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien zum gesamtdeutschen Marktführer auf.

Ortspunkt Freyburg: Wo du die Sektwelt hautnah erlebst

Wer die Faszination der Sektkultur im Unstruttal (Bundesland: Sachsen-Anhalt) erleben möchte, findet am historischen Stammsitz ein beeindruckendes Besucherzentrum:

  • Rotkäppchen Sektkellerei (Sektkellereistraße, Freyburg): Das historische Gebäudeensemble bietet geführte Kellerführungen durch die tiefen Kalksteinkeller, Besichtigungen des 120.000-Liter-Riesenfasses sowie den imposanten gläsernen Lichthof von 1893.

  • Erlebniswelt Rotkäppchen: Interaktive Ausstellungen zur Markengeschichte, Degustationskurse und ein direkter Blick auf die traditionelle Rüttelkunst.

Leser-Aufruf: Welcher Rotkäppchen-Sekt steht bei dir auf dem Festtagstisch?

Trinkst du am liebsten den Klassiker Rubingefärbt, Halbtrocken oder Trocken, und hast du die tiefen Kellergewölbe in Freyburg schon selbst erkundet?

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