Die Nordhäuser Ehrenbürgerin ist weit über die Stadt hinaus als Autorin und Komponistin des Kinderliedes „Kleine weiße Friedenstaube“ bekannt. Ihr Werk, ihre Scherenschnitte und ihr jahrzehntelanges Engagement verbinden persönliche Lebensgeschichte mit der Erinnerung an Krieg und dem Wunsch nach Frieden.

Im Namen der Stadt überbrachte die zweite ehrenamtliche Beigeordnete Hildegard Seidel die Glückwünsche des Oberbürgermeisters. Auch der Förderverein der Stadtbibliothek gratulierte seinem Ehrenmitglied.

Ein Lied wird zum Symbol für Frieden

Erika Schirmer schrieb die „Kleine weiße Friedenstaube“ im Jahr 1949. Das Lied verbreitete sich in Schulen, Kindergärten und Kinderchören der DDR und wurde für viele Generationen zu einem der bekanntesten Friedenslieder.

Die einfache Melodie und der leicht verständliche Text machten das Stück besonders zugänglich. Hinter den wenigen Zeilen stand jedoch eine ernste Botschaft: Kinder sollten nach den Erfahrungen von Krieg und Zerstörung mit dem Gedanken an Frieden aufwachsen.

Bis heute wird das Lied bei Gedenkveranstaltungen, Konzerten und Schulprojekten gesungen. Damit hat es seine ursprüngliche Zeit weit überdauert.

Lehrerin, Pädagogin und Künstlerin

Schirmer arbeitete zunächst als Grundschullehrerin und später als Pädagogin für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen. Neben ihrer beruflichen Tätigkeit schrieb sie weitere Lieder, Gedichte, Kurzgeschichten und Zeitungsbeiträge. Viele ihrer Texte beschäftigen sich mit dem Harz und ihrer Heimatstadt Nordhausen.

Auch als Scherenschnittkünstlerin machte sie sich einen Namen. Ihre Arbeiten verbinden klare Formen mit detailreichen Motiven und greifen häufig Natur, Alltag und menschliche Begegnungen auf.

Aktuell sind ausgewählte Scherenschnitte in der Stadtbibliothek sowie im Rahmen der Ausstellung „Schnipp/Schnapp – Kunst aus Papier geschnitten“ im Kunsthaus Meyenburg zu sehen.

Nordhausen würdigt ein außergewöhnliches Lebenswerk

Die Stadt ernannte Erika Schirmer 2013 zur Ehrenbürgerin. Bereits 2011 erhielt sie den Goldenen Roland, 2016 wurde sie mit dem Verdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

Diese Ehrungen würdigen nicht nur ein einzelnes Lied. Sie stehen für ein umfassendes künstlerisches und pädagogisches Lebenswerk, das eng mit Nordhausen verbunden ist.

Im Jahr 2021 übergab Schirmer Teile ihres Nachlasses an die Stadtbibliothek „Rudolf Hagelstange“. Damit bleiben persönliche Dokumente und Arbeiten dauerhaft für Forschung, Ausstellungen und kommende Generationen erhalten.

Botschaft ist auch nach Jahrzehnten aktuell

Die „Kleine weiße Friedenstaube“ entstand in einer Zeit, als die Folgen des Zweiten Weltkrieges überall sichtbar waren. Dass das Lied auch mehr als 75 Jahre später noch gesungen wird, zeigt die anhaltende Bedeutung seiner Botschaft.

Schirmers Werk erinnert daran, dass Frieden nicht selbstverständlich ist. Es richtet sich an Kinder, spricht aber zugleich Erwachsene an, die Verantwortung für gesellschaftliches Zusammenleben tragen.

Mit ihrem 100. Geburtstag würdigt Nordhausen deshalb nicht nur eine bekannte Einwohnerin, sondern auch ein Stück deutscher Kultur- und Zeitgeschichte.

Quellen

Stadt Nordhausen: Würdigung Erika Schirmers anlässlich ihres 100. Geburtstages.

Thüringer Allgemeine: Bericht über den 100. Geburtstag und die Wirkung der „Kleinen weißen Friedenstaube“.

Stadtbibliothek und Stadt Nordhausen: Informationen zu Scherenschnitten und Nachlass.