Das Zuse-Computer-Museum in Hoyerswerda bleibt ab Dienstag für reguläre Besucher geschlossen. Damit verliert die Stadt vorerst einen wichtigen Ort ihrer eigenen Geschichte, denn Konrad Zuse verbrachte seine Jugend in Hoyerswerda und entwickelte später den ersten funktionsfähigen Computer der Welt.

Zuse-Museum öffnete zum letzten Mal

Am vergangenen Freitag empfing das Museum seine letzten regulären Besucher. Bis zum Jahresende soll die deutschlandweit bedeutende Sammlung zur Geschichte der Rechentechnik abgebaut und aufgelöst werden, falls keine tragfähige Lösung gefunden wird.

Das Museum zeigt auf rund 1.000 Quadratmetern die Entwicklung des Computers von den ersten mechanischen Rechenmaschinen bis zur modernen Informationstechnik. Viele Ausstellungsstücke stammen aus der DDR-Industrie und dokumentieren die Arbeit des früheren Computerkombinats Robotron.

Der größte Teil der Sammlung ist für Besucher bislang nicht sichtbar. In den Depots befinden sich rund 18.000 Geräte. Hinzu kommt eine Fachbibliothek mit etwa 6.000 Büchern. Für diese Bestände fehlt nach Angaben des Fördervereins ein geeigneter neuer Lagerort.

Finanzierung des Museums ist gescheitert

Das 2017 eröffnete Museum war dauerhaft auf Zuschüsse angewiesen. Die städtische Wohnungsgesellschaft stellte nach Angaben des MDR jährlich rund 300.000 Euro für den Betrieb bereit, wollte diese fachfremde Ausgabe angesichts eigener wirtschaftlicher Aufgaben jedoch nicht länger übernehmen.

Auch die Stadt konnte die entstandene Finanzierungslücke nicht dauerhaft schließen. Ein privater Geldgeber stellte zwischenzeitlich 250.000 Euro in Aussicht. Die Unterstützung war allerdings an Bedingungen zum Erhalt des Standortes und zur Modernisierung der Ausstellung geknüpft. Eine endgültige Einigung kam nicht zustande.

Für einen gesicherten Jahresbetrieb werden nach Angaben der Verantwortlichen insgesamt etwa 500.000 Euro benötigt. Der Kulturraum und weitere Förderer können nur einen Teil dieser Summe tragen.

Besucherzahlen blieben hinter Erwartungen

Bei der Gründung hatten die Verantwortlichen mit mindestens 30.000 Gästen pro Jahr gerechnet. Dieses Ziel wurde nicht erreicht. Im vergangenen Jahr besuchten rund 10.000 Menschen die Ausstellung.

Nachdem die bevorstehende Schließung bekannt geworden war, stieg das Interesse noch einmal deutlich. Allein in den letzten beiden Monaten kamen rund 3.600 Besucher. Für eine langfristige Finanzierung reichte dieser Zuspruch jedoch nicht aus.

Fördervereinsvorsitzender Wolfgang Kunde warnt vor einem unwiederbringlichen Verlust. Werde die bestehende Ausstellung auseinandergerissen, lasse sie sich später nur mit großem Zeit- und Kostenaufwand neu aufbauen.

Hoyerswerda sucht kleinere Ersatzlösung

Die Stadt will Konrad Zuse auch künftig im öffentlichen Raum würdigen. Im geplanten Neustadtforum sollen Bilder und ausgewählte technische Exponate an den Computerpionier erinnern. Dieses kleinere Angebot kann das bisherige Fachmuseum jedoch nicht ersetzen.

Darüber hinaus wird über eine Zusammenarbeit mit der ehemaligen Brikettfabrik Knappenrode nachgedacht. Damit könnte die Sammlung langfristig Teil des Zweckverbandes Sächsisches Industriemuseum werden.

Ob diese Möglichkeit umgesetzt werden kann, ist noch offen. Zunächst muss geklärt werden, wo die umfangreichen Bestände nach der Schließung sicher aufbewahrt werden können.

Konrad Zuse gehört zur Geschichte der Stadt

Konrad Zuse wurde 1910 in Berlin geboren und zog 1923 mit seiner Familie nach Hoyerswerda. Dort legte er sein Abitur ab und beschäftigte sich bereits als Jugendlicher mit technischen Erfindungen.

Im Jahr 1941 stellte Zuse mit dem Z3 den ersten funktionsfähigen programmgesteuerten Rechner der Welt vor. Hoyerswerda verlieh ihm 1995 die Ehrenbürgerwürde und bezeichnet sich bis heute als Konrad-Zuse-Stadt.

Die Schließung des Museums trifft deshalb nicht nur eine kulturelle Einrichtung. Sie berührt auch die Frage, wie Hoyerswerda das Erbe seines bekanntesten Ehrenbürgers künftig bewahren und öffentlich sichtbar machen will.

Quelle: Zuse-Computer-Museum Hoyerswerda