Neustrelitz wird Ende August für mehrere Tage zu einem internationalen Treffpunkt der Weltraum- und Navigationsforschung. Vom 31. August bis Anfang September veranstaltet das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt am Standort Kalkhorstweg den Workshop „GNSS Ionosphere 2026“. Wissenschaftler und Ingenieure beschäftigen sich dort mit einem Bereich, der im Alltag unsichtbar bleibt, für Satellitennavigation und moderne Infrastruktur jedoch enorme Bedeutung besitzt: der Ionosphäre.

Die Ionosphäre beginnt viele Kilometer über der Erdoberfläche.

Dort können Sonnenstrahlung und Teilchenströme aus dem Weltraum elektrische Eigenschaften der Atmosphäre verändern.

Für Satellitensignale ist das relevant, weil sie diese Schicht auf dem Weg zur Erde durchqueren müssen.

Sonnenaktivität kann Navigation beeinflussen

Bei starker Sonnenaktivität können Navigationssignale gestört oder ungenauer werden.

Das betrifft nicht nur das Navigationsgerät im Auto.

GNSS-Signale werden in Luftfahrt, Schifffahrt, Vermessung, Landwirtschaft, Logistik und zahlreichen industriellen Anwendungen eingesetzt.

Selbst moderne Mobilfunk- und Energienetze nutzen hochpräzise Zeitsignale aus Satellitensystemen.

Der Neustrelitzer Workshop widmet sich deshalb unter anderem der Frage, wie Veränderungen der Ionosphäre erkannt, modelliert und möglichst zuverlässig vorhergesagt werden können.

Auch Meeresspiegel und Eis können aus dem All untersucht werden

Die Fachkonferenz geht noch weiter.

Diskutiert werden Fernerkundungsmethoden, mit denen Satellitensignale beispielsweise zur Bestimmung von Wind über dem Meer, Bodenfeuchtigkeit oder Eis- und Schneestärken genutzt werden können.

Damit reicht das Spektrum von Grundlagenforschung bis zu ganz praktischen Anwendungen für Klima-, Verkehrs- und Sicherheitsfragen.

Rund 110 Menschen arbeiten am DLR-Standort

Der Forschungsstandort Neustrelitz beschäftigt nach Angaben des DLR rund 110 Menschen.

Zu den Schwerpunkten gehören Satellitendatenempfang, Erdbeobachtung, Navigation, Weltraumwetter sowie maritime Verkehrs- und Sicherheitsforschung.

Die großen Antennenanlagen am Stadtrand gehören damit zu einer Infrastruktur, die deutlich größere internationale Bedeutung besitzt, als man einer Stadt dieser Größe zunächst zutrauen würde.

Neustrelitz arbeitet direkt mit Satelliten

Am Standort werden Daten internationaler Erdbeobachtungssatelliten empfangen und verarbeitet.

Forscher untersuchen zudem, wie Sonnenaktivität die Atmosphäre und technische Systeme beeinflusst.

Der Workshop Ende August macht diesen ansonsten häufig unsichtbaren Wissenschaftsstandort für einige Tage besonders deutlich.

Neustrelitz ist dann nicht nur Residenzstadt und Tourismusort – sondern Teil internationaler Weltraumforschung.

Quellen

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt Institut für Solar-Terrestrische Physik DLR-Standort Neustrelitz