Berlin – Wer ein Elektroauto fährt, kennt die kuriose Doppelkennzeichnung: Obwohl das Fahrzeug am Nummernschild bereits durch das „E“ als elektrisch betrieben erkennbar ist, braucht es für die Einfahrt in viele deutsche Umweltzonen zusätzlich noch eine grüne Umweltplakette an der Windschutzscheibe.

Genau diese Doppelregel soll nun entfallen.

Die Bundesregierung hat im Rahmen ihres Bürokratierückbaus im Verkehrsbereich beschlossen, dass das E-Kennzeichen künftig als Nachweis für die Einfahrt in Umweltzonen ausreichen soll. Eine zusätzliche grüne Plakette wäre für entsprechend gekennzeichnete Elektrofahrzeuge dann nicht mehr nötig.

Die grüne Plakette wird nicht generell abgeschafft

Die zugespitzte Aussage, die grüne Umweltplakette sei insgesamt „am Ende“, wäre allerdings falsch.

Für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor bleibt das bisherige System grundsätzlich bestehen. Wer mit einem Benziner oder Diesel in eine bestehende Umweltzone fahren möchte, benötigt weiterhin die entsprechende grüne Plakette, sofern keine andere Ausnahme greift.

Die Änderung betrifft damit vor allem Fahrzeuge, deren elektrische Eigenschaft bereits eindeutig über das Kennzeichen erkennbar ist.

Warum Elektroautos bislang trotzdem eine Plakette brauchen

Die heutige Regelung geht auf die Umweltzonen zurück, die vor allem zur Senkung der Feinstaubbelastung in Städten eingeführt wurden.

Fahrzeuge werden dabei verschiedenen Schadstoffgruppen zugeordnet. Die Schadstoffgruppe 4 wird mit der grünen Plakette gekennzeichnet. Auch Fahrzeuge ohne Verbrennungsmotor werden rechtlich dieser Gruppe zugeordnet.

Das führt zu einer Besonderheit: Ein reines Elektroauto verursacht lokal keine Abgase, muss bislang aber dennoch eine grüne Plakette tragen, wenn es in eine Umweltzone einfährt.

Genau diese bürokratische Doppelkennzeichnung soll beseitigt werden.

Was gilt für Plug-in-Hybride?

Bei Plug-in-Hybriden ist die Lage etwas komplizierter.

Viele Plug-in-Hybride können ebenfalls ein E-Kennzeichen erhalten, wenn sie die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen. Je nach endgültiger Ausgestaltung der neuen Regelung kann auch bei ihnen das E-Kennzeichen für die Einfahrt in Umweltzonen entscheidend werden.

Eine pauschale Aussage, dass künftig sämtliche Hybridfahrzeuge keine Umweltplakette mehr benötigen, wäre allerdings zu weitgehend.

Fahrzeuge ohne E-Kennzeichen bleiben weiterhin an die allgemeinen Regeln für Umweltzonen gebunden.

Berlin ist schon einen Schritt weiter

In Berlin gibt es bereits heute eine Sonderregelung.

Elektrofahrzeuge und Plug-in-Hybride mit E-Kennzeichen dürfen dort aufgrund einer Allgemeinverfügung auch ohne zusätzliche grüne Umweltplakette in die Umweltzone einfahren.

Damit nimmt die Hauptstadt praktisch vorweg, was künftig bundesweit vereinfacht werden soll.

Umweltzonen verlieren zunehmend an Bedeutung

Die Zahl der Umweltzonen in Deutschland ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen.

Immer mehr Städte haben ihre Umweltzonen aufgehoben, weil die geltenden Grenzwerte für Luftschadstoffe inzwischen häufiger eingehalten werden und der Anteil moderner Fahrzeuge stark gestiegen ist.

Mehr als 90 Prozent der Fahrzeuge erfüllen inzwischen die Voraussetzungen für eine grüne Plakette.

Trotzdem existieren weiterhin mehrere Dutzend Umweltzonen. Dort gelten die Kennzeichnungsvorschriften nach wie vor.

Ohne Plakette drohen derzeit noch 100 Euro

Solange die geplante Änderung noch nicht wirksam ist, sollten Fahrer von Elektroautos vorsichtig sein.

Aktuell gilt grundsätzlich weiterhin: Wer in eine Umweltzone einfährt, ohne die vorgeschriebene Plakette oder eine entsprechende Ausnahme zu besitzen, riskiert ein Bußgeld von 100 Euro.

Elektroautofahrer sollten die grüne Plakette deshalb nicht vorschnell von der Windschutzscheibe entfernen.

Erst wenn die neue Regelung tatsächlich in Kraft getreten ist und die Voraussetzungen eindeutig erfüllt sind, kann darauf verzichtet werden.

Weniger Bürokratie statt neuer Umweltvorgaben

Hinter der Änderung steckt keine neue Verschärfung der Umweltpolitik.

Vielmehr soll eine Regel abgeschafft werden, die bei Elektroautos kaum noch einen praktischen Nutzen hat: Das E-Kennzeichen zeigt bereits auf den ersten Blick, dass ein entsprechend zugelassenes Fahrzeug die Voraussetzungen erfüllt.

Für Fahrer bedeutet die Änderung vor allem weniger Aufwand. Die grüne Umweltplakette selbst verschwindet aber nicht – sie bleibt für viele andere Fahrzeuge weiterhin relevant.