Berlin. Der Führerschein entwickelt sich für immer mehr junge Menschen zu einer finanziellen Belastung. Nach Angaben des ADAC liegen die Gesamtkosten für die Fahrerlaubnis der Klasse B inzwischen häufig zwischen 2.500 und 4.500 Euro.
Wer zusätzliche Fahrstunden benötigt oder eine Prüfung wiederholen muss, kann noch stärker belastet werden.
Was früher für viele Jugendliche zum selbstverständlichen Schritt ins Erwachsenenleben gehörte, wird damit zunehmend zu einer Frage des verfügbaren Einkommens.
Fahrstunden treiben Kosten nach oben
Der größte Kostenfaktor ist in vielen Fällen die praktische Fahrausbildung.
Zu Grundgebühr und Lernmaterial kommen reguläre Fahrstunden, gesetzlich vorgeschriebene Sonderfahrten sowie Gebühren für theoretische und praktische Prüfungen.
Hinzu kommen Ausgaben für Sehtest, Erste-Hilfe-Kurs und Führerscheinantrag.
Besonders teuer wird es, wenn zusätzliche Übungsstunden erforderlich sind oder die praktische Prüfung nicht beim ersten Versuch bestanden wird.
Dann können schnell mehrere Hundert Euro zusätzlich entstehen.
Auf dem Land oft kaum verzichtbar
Besonders problematisch sind die hohen Preise für junge Menschen in ländlichen Regionen.
Während Bewohner großer Städte häufig Busse, Straßenbahnen und Regionalzüge nutzen können, gibt es in vielen kleineren Orten deutlich weniger Alternativen.
Gerade in Ostdeutschland liegen Ausbildungsbetrieb, Berufsschule und Wohnort nicht selten viele Kilometer voneinander entfernt.
Ein Führerschein ist dort deshalb häufig keine reine Komfortfrage.
Er kann Voraussetzung dafür sein, überhaupt eine Ausbildung oder einen Arbeitsplatz erreichen zu können.
Wenn eine Fahrerlaubnis mehrere Monatsgehälter eines Auszubildenden kostet, entsteht daraus ein reales gesellschaftliches Problem.
Andere Länder bilden günstiger aus
Ein Blick ins europäische Ausland zeigt deutliche Unterschiede.
In einigen Nachbarländern werden digitale Angebote stärker eingesetzt. Frankreich nutzt beispielsweise Online-Unterricht, Fahrsimulatoren und Modelle des begleiteten Fahrens umfangreicher als Deutschland.
Ein unmittelbarer Preisvergleich ist allerdings schwierig.
Ausbildungsregeln, Pflichtstunden, Prüfungen, Versicherungen und Lohnkosten unterscheiden sich zwischen den Ländern.
Trotzdem zeigt der Vergleich, dass die deutsche Fahrausbildung nicht zwangsläufig in ihrer heutigen Form organisiert werden muss.
Bundesregierung plant Reform
Die Bundesregierung arbeitet deshalb an einer Reform der Fahrausbildung.
Ein wichtiger Punkt ist die Digitalisierung des Theorieunterrichts. Fahrschüler sollen stärker selbst entscheiden können, ob sie Wissen klassisch in der Fahrschule, digital zu Hause oder in einer Kombination aus beiden Formen erwerben.
Auch der Fragenkatalog für die Theorieprüfung soll überarbeitet werden.
Ziel ist es, Ausbildung und Prüfung einfacher und kostengünstiger zu organisieren, ohne das Sicherheitsniveau zu senken.
Genau darin liegt allerdings die entscheidende Herausforderung.
Sicherheit darf nicht unter Sparzwang leiden
Eine günstigere Fahrausbildung bedeutet nicht automatisch eine bessere Fahrausbildung.
Fahranfänger gehören aufgrund ihrer geringeren Erfahrung zu den besonders gefährdeten Gruppen im Straßenverkehr.
Deshalb muss jede Reform zwei Ziele miteinander verbinden: weniger unnötige Kosten und eine weiterhin solide praktische Ausbildung.
Simulatoren und digitale Lernangebote können klassische Fahrstunden ergänzen. Situationen im realen Straßenverkehr lassen sich jedoch nicht vollständig am Bildschirm lernen.
Der Erfolg einer Reform wird deshalb davon abhängen, ob tatsächlich überflüssige Kosten reduziert werden können, ohne an der notwendigen Fahrpraxis zu sparen.
Führerschein wird zur sozialen Frage
Bei Preisen von bis zu 4.500 Euro geht es inzwischen um mehr als eine Diskussion über Fahrschulen.
Die Fahrerlaubnis entscheidet gerade außerhalb großer Städte häufig über persönliche Mobilität, Ausbildungsplätze und berufliche Chancen.
Wer Eltern hat, die mehrere Tausend Euro übernehmen können, besitzt einen deutlichen Vorteil.
Wer das Geld selbst aufbringen muss, braucht dagegen möglicherweise Monate oder Jahre.
Damit entsteht eine soziale Schieflage bei etwas, das in vielen Regionen für die Teilnahme am Arbeitsleben notwendig ist.
Eine Reform des Führerscheins muss deshalb nicht nur moderner werden.
Sie muss vor allem erreichen, dass sichere Mobilität für junge Menschen wieder bezahlbar wird.