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Schwarzes Gold und Kaffeekrise: Wie Rondo, Im Nu und Thüringer Porzellan die ostdeutsche Kaffeekultur prägten

Ob das gehaltvolle Röstaroma von Rondo Melange, der löffelfertige Gersten-Klassiker Im Nu oder der frisch aufgebrühte Filterkaffee in der fein verzierten Thüringer Porzellankanne: Das Kaffeetrinken war im Osten weit mehr als ein Muntermacher – es war das soziale Schmiermittel des Alltags. Als 1977 die weltweite Kaffeekrise ausbrach und der umstrittene Ersatzkaffee „Mokka-Fix-Mix“ für Unmut sorgte, bewies das Volk Erfindergeist und Treue zum echten Bohnenkaffee. Wie das Wirbelrost-Röstverfahren a

Von Frank Deutschländer 3 Min. Lesezeit

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Eine Dampfende Tasse Rondo-Kaffee auf einer feinen Porzellansatztasse neben einem Glas Im Nu Malzkaffee und frisch gebackenem Blechkuchen
Symbolbild (KI-generiert)

Wer an den Sonntagnachmittag im Osten Deutschlands zurückdenkt, hat meist sofort einen vertrauten Duft in der Nase: frisch aufgebrühter Bohnenkaffee, der dampfend aus einer floral verzierten Porzellankanne gegossen wird, während auf der Tischetage hausgemachter Blechkuchen bereitsteht.

Das Kaffeetrinken hatte einen festen Platz im Wochenrhythmus. Es war der Moment, in dem Familie, Nachbarn und Freunde zusammenkamen. Kaffee war nicht einfach ein Getränk – er war ein kostbares Gut, ein Statussymbol der Gastfreundschaft und Anlass für leidenschaftliche Debatten.

Inhaltsübersicht

  1. Das Geheimnis aus Magdeburg: Rondo Melange und das Wirbelrosten

  2. Die Kaffeekrise von 1977: Als „Mokka-Fix-Mix“ das Land erschütterte

  3. Im Nu: Der lösliche Malz-Klassiker für Groß und Klein

  4. Kahla, Freiberg & Colditz: Das passende Porzellan zur Kaffeetafel

  5. Ortspunkt Magdeburg & Kahla: Wo du die Kaffeegeschichte erlebst

  6. Leser-Aufruf: Welcher Kaffee gehörte zu deiner Kindheit?

Das Geheimnis aus Magdeburg: Rondo Melange und das Wirbelrosten

Das Herz der ostdeutschen Kaffeeröstung schlug in der Elbestadt Magdeburg. Hier veredelte der Betrieb VEB Röstfein grüne Rohkaffeebohnen zu Bohnenkaffee.

Das Aushängeschild war und ist der Rondo Melange. Das Besondere an seiner Herstellung ist das in Magdeburg entwickelte Wirbelrost-Verfahren: Die Bohnen schweben während des Röstens auf einem heißen Luftkissen. Sie werden gleichmäßig und schonend erhitzt, ohne mit heißen Metallwänden zu verbrennen. Veredelt mit einer leichten Kandiszuckernote erhielt Rondo seinen vollmundigen, feinherben Charakter.

Die Kaffeekrise von 1977: Als „Mokka-Fix-Mix“ das Land erschütterte

Kaffee musste komplett gegen Devisen auf dem Weltmarkt eingekauft werden. Als die Weltmarktpreise für Rohkaffee Mitte der 1970er-Jahre nach Frostkatastrophen in Brasilien sprunghaft anstiegen, geriet die DDR-Führung in schwere Devisennot.

Im Jahr 1977 führte die Regierung den berüchtigten Ersatzkaffee „Mokka-Fix-Mix“ ein – eine Mischung, die zu einem beträchtlichen Teil aus geröstetem Getreide, Zuckerrübenschnitzeln und Erbsen bestand. Das Produkt stieß bei der Bevölkerung auf heftigen Unmut, da es Filter verstopfte und geschmacklich keineswegs überzeugte. Der Volksmund taufte das Gemisch spöttisch „Erichs Krönung“. Der Unmut war so groß, dass die Staatsführung zügig umsteuern und echten Bohnenkaffee wieder in gewohnter Qualität bereitstellen musste.

Im Nu: Der lösliche Malz-Klassiker für Groß und Klein

Neben dem Bohnenkaffee für die Erwachsenen etablierte sich ein weiteres Produkt, das bis heute in nahezu jedem Haushalt zu finden ist: Im Nu.

Der lösliche Extrakt aus gerösteter Gerste, Gerstenmalz, Roggen und Zichorie war koffeinfrei, schnell mit heißer Milch oder Wasser angerührt und schmeckte angenehm malzig-süß. Ob als Frühstücksgetränk für Kinder oder schnelle Alternative im Büro – Im Nu wurde zum unkomplizierten Dauerbrenner.

Kahla, Freiberg & Colditz: Das passende Porzellan zur Kaffeetafel

Zum echten Kaffeegenuss gehörte zwingend das passende Geschirr. Die traditionsreichen Porzellanmanufakturen in Thüringen und Sachsen – von Kahla über Colditz bis Freiberg – fertigten Kaffeekannen, Zuckerdosen und Sammeltassen in Millionenauflage.

Beliebte Dekore wie das klassische Zwiebelmuster, feine Streublumen oder die zeitlosen Formen der 1970er-Jahre prägten das Bild auf den gedeckten Tischen und machten die Kaffeetafel zu einem ästhetischen Gesamtkunstwerk.

Ortspunkt Magdeburg & Kahla: Wo du die Kaffeegeschichte erlebst

Wer auf den Spuren der mitteldeutschen Genuss- und Porzellankultur unterwegs ist, findet zwei herausragende Ziele:

  • Röstfein Kaffeewelt Magdeburg (Hafenstraße): Ein Blick hinter die Kulissen der traditionsreichen Röstfein-Kaffeerösterei, wo Rondo bis heute nach dem Magdeburger Wirbelrost-Verfahren gefertigt wird.

  • Porzellanwelten Leuchtenburg bei Kahla (Thüringen): Eine faszinierende Erlebnisausstellung hoch über dem Saaletal, die die Geschichte des Thüringer „Weißherzog“-Porzellans von den Anfängen bis zur modernen Kaffeetafel erzählt.

Leser-Aufruf: Welcher Kaffee gehörte zu deiner Kindheit?

Erinnerst du dich noch an den Duft von frisch gemahlenem Rondo-Kaffee, steht bei dir bis heute ein Glas Im Nu im Schrank oder besitzt du noch ein historisches Kaffeservice aus Kahla?

Schickt uns eure Fotos und Geschichten per E-Mail an redaktion@ostdeutsche-zeitung.de!

Themen: SachsenThüringenMagdeburgKaffeekulturRondo KaffeeIm NuRoestfeinKaffeekrise 1977PorzellanGenuss

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