Wie hört sich eine Stadt an, wenn nicht nur Musik, sondern auch Straßen, Gebäude, Gespräche und Erinnerungen Teil einer Komposition werden? Dieser Frage widmet sich ein neues Klangporträt, das vollständig aus der Auseinandersetzung mit Löbau entstanden ist.

Am Mittwoch, 12. August 2026, wird im Haus Schminke das Konzert „Löbau, wie klingst Du?“ aufgeführt. Beginn ist um 19.30 Uhr. Die Veranstaltung eröffnet die neunte Ausgabe des Sechsstädtebundfestivals „Kommen und Gehen“. Kommen & Gehen+1

Das Konzert trägt den Untertitel „Ein Klangrausch zwischen Erinnerung und Gegenwart“. Der Eintritt kostet laut Veranstaltungsankündigung 15 Euro. Augusto Sachsen

Sechs Monate lang Geräusche und Geschichten gesammelt

Für das Projekt wurden über einen Zeitraum von sechs Monaten Geräusche, Gespräche, Orte und Geschichten aus Löbau aufgenommen. Daraus entstand eine Komposition, in der aktuelle Eindrücke der Stadt auf Erinnerungen an Menschen treffen, die Löbau in früheren Zeiten geprägt haben. Kommen & Gehen+1

Verarbeitet werden sogenannte Fieldrecordings, also Tonaufnahmen aus der realen Umgebung. Hinzu kommen Samples, Improvisation und musikalische Elemente unterschiedlicher Stilrichtungen.

Das Ergebnis soll kein gewöhnliches Konzert und auch keine reine Dokumentation sein. Vielmehr entsteht ein künstlerisches Stimmungsbild Löbaus, in dem sich nach Angaben der Veranstalter Nostalgie, Hoffnung und auch düstere Eindrücke miteinander verbinden.

Klaviermanufaktur August Förster wird Teil des Klangporträts

Eine besondere Rolle spielt die Löbauer Klaviermanufaktur August Förster. Dort beschäftigte sich der Künstler David Brand mit der Geschichte und Gegenwart der Stadt und sammelte Eindrücke für die spätere Komposition. Kommen & Gehen

Die traditionsreiche Manufaktur gehört seit dem 19. Jahrhundert zu den bekanntesten Unternehmen Löbaus. Für das Klangprojekt wird sie nicht nur als Produktionsstätte betrachtet, sondern auch als Ort, an dem Handwerk, Musik und Stadtgeschichte aufeinandertreffen.

Neben der Klaviermanufaktur fließen öffentliche Räume, Architektur und alltägliche Geräusche in das musikalische Porträt ein.

Vier Musiker gestalten den Abend

David Brand ist bei der Aufführung am Saxofon zu erleben. Christopher Verworner übernimmt Komposition und Klavier.

Hinzu kommen Felix Weber und Jakob Roters vom Paranormal String Quartet. Gemeinsam verbinden sie die gesammelten Tonaufnahmen mit akustischen Instrumenten, Improvisation und musikalischem Crossover. Kommen & Gehen

Die Stadt wird damit nicht lediglich zum Thema des Konzerts. Ihre Geräusche werden selbst zu einem Bestandteil der Musik.

Haus Schminke wird zum Festivalauftakt

Als Veranstaltungsort dient das Haus Schminke in der Kirschallee 1b. Das von Hans Scharoun entworfene Gebäude gehört zu den bedeutendsten Beispielen des modernen Wohnungsbaus in Deutschland.

Seine Architektur bietet für ein Konzert über Räume, Erinnerungen und Stadtgeschichte einen besonderen Rahmen. Das Haus ist zugleich eng mit der Löbauer Industriegeschichte und der früheren Nudelfabrik der Familie Schminke verbunden.

„Löbau, wie klingst Du?“ bildet den offiziellen Auftakt des diesjährigen Sechsstädtebundfestivals. Bis zum 23. August folgen Veranstaltungen unter anderem in Zittau, Görlitz, Kamenz, Königshain und Radeberg. Kommen & Gehen+1

Festival verbindet verschiedene Musikformen

Das Festival „Kommen und Gehen“ bringt klassische Musik mit Klangkunst, elektronischen Elementen, Alter Musik, Archivarbeit und Improvisation zusammen.

Statt sich auf klassische Konzertsäle zu beschränken, nutzt es besondere Orte in der Oberlausitz. Dazu gehören historische Gebäude, Museen, Freilichtbühnen, Schlösser und öffentliche Räume.

Das Löbauer Konzert gehört zugleich zur Reihe „Via Regia – jüdisch – unterwegs“ und ist Teil des Themenjahres „TACHELES – Jüdische Kultur in Sachsen 2026“. Kommen & Gehen+1

Besucher sollen ihre Stadt neu wahrnehmen

Das Projekt lädt das Publikum dazu ein, bekannte Orte mit anderen Ohren wahrzunehmen. Geräusche, die im Alltag häufig überhört werden, erhalten im Konzert eine neue Bedeutung.

Dabei geht es nicht allein um wohlklingende Eindrücke. Auch Veränderungen, Brüche und Erinnerungen sollen hörbar werden. Das Klangporträt erzählt damit eine Stadtgeschichte, die nicht chronologisch, sondern über Töne, Stimmen und Stimmungen vermittelt wird.

Nach dem Konzert könnte sich für Besucher deshalb auch der Blick auf alltägliche Geräusche in der Innenstadt, in Betrieben oder auf den Straßen verändern.

Quellen

– „Kommen und Gehen – Das Sechsstädtebundfestival“: Programm und Veranstaltungsinformationen zu „Löbau, wie klingst Du?“, abgerufen am 5. August 2026

– „Kommen und Gehen – Das Sechsstädtebundfestival“: Projektbeschreibung des Klangporträts von David Brand, abgerufen am 5. August 2026

– Festivalveranstalter: Pressemitteilung zur neunten Ausgabe von „Kommen und Gehen“, veröffentlicht am 10. Juli 2026

– Stadtverwaltung Löbau: Stadtjournal mit Informationen zur Veranstaltungsreihe, Ausgabe Juni 2026