ZITTAU. Hinter einer scheinbar abgelegenen Fabrik in einer Kleinstadt verbarg sich während des Zweiten Weltkriegs ein strategisch bedeutsamer Rüstungsstandort. Am Dienstag, dem 29. September, spricht der Historiker Ivan Rous vom Nordböhmischen Museum Liberec im Kulturhistorischen Museum Franziskanerkloster in Zittau über das Unternehmen Getewent. Beginn ist um 17 Uhr.

Zentrum für Mikrowellen- und Radartechnik

Getewent – die „Gesellschaft für technisch-wirtschaftliche Entwicklung“ – hatte ihren Sitz in Reichenau bei Gablonz an der Neiße.

In der zweiten Hälfte des Zweiten Weltkriegs entwickelte sich das Unternehmen nach Angaben der Städtischen Museen Zittau zu einem der wichtigsten Forschungszentren auf dem Gebiet der Mikrowellen- und Radartechnik.

Damit war Getewent nicht lediglich ein gewöhnlicher Industriebetrieb, sondern Teil jener technischen Infrastruktur, die für die deutsche Kriegswirtschaft zunehmend an Bedeutung gewann.

Gründung im Umfeld von NSDAP und SS

Das Unternehmen wurde nach den vorliegenden Angaben im Rahmen des nationalsozialistischen Vierjahresplans gegründet.

Unterstützung kam dabei von Dr. Wilhelm Schneider, der in der Pressemitteilung als „Hausnotar der SS“ bezeichnet wird.

Doch die Aufgaben des Unternehmens gingen offenbar weit über technische Forschung hinaus.

Schweizer Kollaborateure und Pläne für einen Staatsstreich

Besonders ungewöhnlich sind jene Aspekte, die bislang nur wenig bekannt sind.

Getewent soll auch als Zentrum für Schweizer Kollaborateure gedient haben, die einen Staatsstreich in der Schweiz vorbereiteten. Zudem sei der Standort genutzt worden, um Schweizer für einen Eintritt in SS und SA anzuwerben.

Darüber hinaus habe das Unternehmen eine Rolle bei Finanztransfers zwischen der Schweiz und Deutschland gespielt.

Technik, Zwangsarbeit und konspirative Aktivitäten

Damit vereinte der Standort sehr unterschiedliche Funktionen.

Nach Darstellung der Museen trafen dort modernste Technologie, nationalsozialistische Zwangsarbeit, konspirative Aktivitäten und grenzüberschreitende Finanzströme aufeinander.

Der Vortrag soll diese verschiedenen Ebenen zusammenführen und zeigen, welche Bedeutung Getewent während des Zweiten Weltkriegs tatsächlich hatte.

Vortrag am 29. September

Der Vortrag findet am 29. September um 17 Uhr im Kulturhistorischen Museum Franziskanerkloster in Zittau statt.

Der reguläre Eintritt beträgt 4 Euro, ermäßigt 3 Euro. Eine Anmeldung ist beim Museum vorgesehen.