Alte Fachbücher, seltene Ausgaben und scheinbar zusammenhanglose Titel werden plötzlich in großen Mengen bestellt. Für Antiquariate eröffnet das neue Umsätze – zugleich entstehen erhebliche urheberrechtliche Fragen.
Bestellungen folgen keinem erkennbaren Sammlungsthema
Der Leipziger Antiquar Norman Lindner berichtete über ungewöhnliche Großbestellungen. Die angeforderten Bücher stammen aus unterschiedlichen Fachgebieten und passen nicht zu einem klassischen Sammlerinteresse.
Händler vermuten deshalb, dass die Werke eingescannt und als Trainingsmaterial für Sprachmodelle genutzt werden könnten.
Gedruckte Bücher enthalten wertvolle Daten
Viele ältere Werke sind nicht vollständig digital verfügbar. Für Entwickler künstlicher Intelligenz können sie deshalb zusätzliche Sprachmuster, Fachwissen und historische Formulierungen liefern.
Der Besitz eines gedruckten Buches bedeutet allerdings nicht automatisch, dass der gesamte Inhalt beliebig kopiert und kommerziell weiterverwendet werden darf.
Urheberrecht bleibt umstritten
Bei noch geschützten Werken stellt sich die Frage, ob eine Digitalisierung unter gesetzliche Ausnahmen für Text- und Datenanalysen fällt oder ob Rechteinhaber widersprechen können.
Für Autoren und Verlage geht es dabei um Vergütung und Kontrolle über ihre Inhalte. KI-Unternehmen benötigen dagegen sehr große Datenmengen, um leistungsfähige Modelle zu entwickeln.
Antiquariate profitieren kurzfristig
Für Händler können solche Aufträge finanziell attraktiv sein. Titel, die lange kaum gefragt waren, finden plötzlich Käufer.
Langfristig bleibt jedoch unklar, wer die digitalisierten Bestände nutzt und ob die Bücher nach dem Scannen weiterverkauft, eingelagert oder vernichtet werden.
Quellen
MDR – Bericht über ungewöhnliche Buchbestellungen bei einem Leipziger Antiquariat, August 2026