Weltberühmter Dirigent im Alter von 99 Jahren gestorben

Herbert Blomstedt ist tot: Leipzig trauert um seinen früheren Gewandhauskapellmeister

Der Dirigent Herbert Blomstedt ist am 4. November 2026 im Alter von 99 Jahren in Göteborg gestorben. Von 1998 bis 2005 leitete er als Gewandhauskapellmeister das Leipziger Gewandhausorchester. Auch die Dresdner Staatskapelle prägte er über viele Jahre. Das Gewandhaus widmet ihm mehrere Konzerte und richtet ein Kondolenzbuch ein.

Von Johannes Falkenberg 4 Min. Lesezeit

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Abschied von einem großen Dirigenten: Herbert Blomstedt prägte über Jahrzehnte die Musikwelt und blieb dem Gewandhausorchester Leipzig bis zuletzt eng verbunden.
Abschied von einem großen Dirigenten: Herbert Blomstedt prägte über Jahrzehnte die Musikwelt und blieb dem Gewandhausorchester Leipzig bis zuletzt eng verbunden. Foto: © Gert Mothes

Leipzig. Der international renommierte Dirigent Herbert Blomstedt ist am Mittwoch, dem 4. November 2026, im Alter von 99 Jahren in Göteborg gestorben. Das Gewandhaus zu Leipzig bestätigte den Tod seines ehemaligen Gewandhauskapellmeisters und Ehrendirigenten. Blomstedt hatte das Orchester von 1998 bis 2005 geleitet und blieb ihm auch danach eng verbunden. Mit seinem Tod verliert die Musikwelt einen Dirigenten, der über sieben Jahrzehnte auf den großen Konzertpodien stand und besonders das Musikleben in Leipzig und Dresden nachhaltig prägte.

Noch im hohen Alter dirigierte Blomstedt international führende Orchester. Dabei war er für seine genaue Arbeit mit den Partituren, seine ruhige Probenführung und seine außergewöhnliche musikalische Disziplin bekannt.

Nachfolger von Kurt Masur am Leipziger Gewandhaus

Als Herbert Blomstedt 1998 das Amt des Gewandhauskapellmeisters übernahm, trat er die Nachfolge von Kurt Masur an. Der aus den Vereinigten Staaten stammende Dirigent mit schwedischen Wurzeln brachte jahrzehntelange internationale Erfahrung mit nach Leipzig.

Während seiner siebenjährigen Amtszeit entwickelte er den Klang des Orchesters weiter und beschäftigte sich intensiv mit historischen Aufführungspraktiken.

Er führte die traditionelle deutsche Sitzordnung im Orchester wieder ein und erweiterte das Repertoire um Werke skandinavischer Komponisten wie Franz Berwald, Jean Sibelius, Carl Nielsen und Wilhelm Stenhammar.

Besondere Aufmerksamkeit widmete Blomstedt den Sinfonien von Ludwig van Beethoven, Franz Schubert, Johannes Brahms und Anton Bruckner.

Neben der musikalischen Arbeit setzte er neue Akzente in der Vermittlung klassischer Musik. Er initiierte Familienkonzerte und begründete die Mendelssohn-Festtage.

Auch nach dem Ende seiner Amtszeit blieb Blomstedt regelmäßig am Dirigentenpult des Gewandhausorchesters zu erleben.

Die Musiker ernannten ihn zum Ehrendirigenten. Diese Verbindung hielt bis zu seinem Tod.

Zehn Jahre an der Spitze der Dresdner Staatskapelle

Blomstedts Bedeutung für die ostdeutsche Musiklandschaft reicht weit über Leipzig hinaus.

Von 1975 bis 1985 war er Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden. In dieser Zeit entwickelte er die internationale Konzerttätigkeit des Orchesters weiter und unternahm mit ihm Reisen durch Europa, in die Vereinigten Staaten und nach Japan.

Die Dresdner Jahre waren eine wichtige Station seiner Laufbahn. Blomstedt arbeitete mit dem traditionsreichen Orchester an einem breiten sinfonischen Repertoire und kehrte auch später regelmäßig als Gastdirigent zurück.

Seine Arbeit in Dresden und Leipzig begründete eine besondere Verbindung zu zwei der bedeutendsten deutschen Orchester.

Auch nach seiner Tätigkeit als Chefdirigent der Staatskapelle blieb er beiden Städten musikalisch und persönlich verbunden.

Eine internationale Karriere über sieben Jahrzehnte

Herbert Blomstedt wurde 1927 in den Vereinigten Staaten als Sohn schwedischer Eltern geboren. Seine musikalische Ausbildung führte ihn unter anderem nach Stockholm, Uppsala, New York, Basel und Darmstadt.

Am 3. Februar 1954 gab er sein Debüt als Dirigent mit dem Philharmonischen Orchester Stockholm.

Anschließend übernahm er leitende Positionen bei mehreren skandinavischen Orchestern. Zu seinen wichtigsten Stationen gehörten das Oslo Philharmonic Orchestra sowie die Rundfunkorchester Dänemarks und Schwedens.

Nach seiner Dresdner Zeit wurde er 1985 Chefdirigent des San Francisco Symphony Orchestra. Dort blieb er zehn Jahre und kehrte anschließend regelmäßig als Ehrendirigent zurück.

Von 1996 bis 1998 leitete er das NDR-Sinfonieorchester in Hamburg, bevor er nach Leipzig wechselte.

Im Laufe seines Lebens erhielt er von zahlreichen Orchestern Ehrentitel. Dazu gehörten neben dem Gewandhausorchester und der Staatskapelle Dresden auch die Bamberger Symphoniker und das NHK Symphony Orchestra in Tokio.

Seit 2019 war er zudem Ehrenmitglied der Wiener Philharmoniker.

Zahlreiche preisgekrönte Aufnahmen hinterlassen

Neben seinen Konzerten hinterlässt Blomstedt ein umfangreiches musikalisches Werk auf Tonträgern.

Besonders bekannt wurde seine Gesamteinspielung der Sinfonien von Anton Bruckner mit dem Gewandhausorchester. Die Aufnahme erhielt 2013 einen International Classical Music Award.

2017 erschien anlässlich seines 90. Geburtstages eine Gesamteinspielung der Beethoven-Sinfonien.

Auch die Werke von Johannes Brahms und Franz Schubert bildeten einen Schwerpunkt seiner Aufnahmetätigkeit.

Im April 2024 vollendete Blomstedt mit der Aufnahme von Schuberts zweiter und vierter Sinfonie seinen Schubert-Zyklus mit dem Gewandhausorchester.

Die Veröffentlichung des vollständigen Zyklus ist für das Frühjahr 2027 vorgesehen.

Ebenfalls 2027 soll eine Einspielung der Sinfonien von Franz Berwald erscheinen. Dieses Projekt lag Blomstedt in seinen späten Lebensjahren besonders am Herzen.

Für sein künstlerisches Lebenswerk erhielt der Dirigent zahlreiche Auszeichnungen. Dazu gehören die Bach-Medaille der Stadt Leipzig, das Große Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland und der dänische Léonie-Sonning-Musikpreis.

Noch im September 2026 wurde er mit dem japanischen Praemium Imperiale ausgezeichnet.

Gewandhaus richtet Kondolenzbuch ein

Das Gewandhausorchester wird seine Großen Concerte am 5., 6. und 8. November dem Andenken Herbert Blomstedts widmen.

Die Konzerte stehen unter der Leitung des amtierenden Gewandhauskapellmeisters Andris Nelsons.

Ab Freitag, dem 6. November, liegt im Hauptfoyer des Gewandhauses ein Kondolenzbuch aus. Besucher können sich dort persönlich von dem Dirigenten verabschieden.

Das Kondolenzbuch ist an folgenden Tagen zugänglich:

• Freitag, 6. November: 10 bis 18 Uhr • Samstag, 7. November: 10 bis 18 Uhr • Montag, 9. November: 10 bis 17 Uhr • Dienstag, 10. November: 10 bis 18 Uhr • Donnerstag, 12. November: 14 bis 18 Uhr • Freitag, 13. November: 10 bis 18 Uhr

Gewandhausdirektor Andreas Schulz würdigte Blomstedts künstlerisches Wirken und seine besondere menschliche Haltung. Der Dirigent habe das Orchester nicht nur musikalisch geprägt, sondern auch durch Bescheidenheit, Vertrauen und gegenseitigen Respekt.

Blomstedt selbst stellte die Musik stets über seine eigene Person. Seine Aufgabe als Dirigent sah er darin, den Werken möglichst viel Ausdruck zu verleihen, ohne sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen.

Mit Herbert Blomstedt verliert Leipzig eine Persönlichkeit, deren Einfluss weit über seine sieben Jahre als Gewandhauskapellmeister hinausreicht.

Seine zahlreichen Einspielungen und die von ihm geprägte Orchesterkultur werden sein musikalisches Erbe bewahren.

Themen: Klassische MusikNachrufGewandhaus LeipzigGewandhausorchesterAndris NelsonsHerbert BlomstedtStaatskapelle DresdenDirigent

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