Neue Sonderausstellung über das Riesengebirge

Schneezauber in Görlitz: Museum zeigt über 100 Werke von Friedrich Iwan

Verschneite Berglandschaften, historische Radierungen und seltene Druckplatten: Das Schlesische Museum zu Görlitz widmet dem Maler Friedrich Iwan eine neue Sonderausstellung. Vom 27. November 2026 bis zum 4. April 2027 sind mehr als 100 seiner Werke zu sehen.

Von Johannes Falkenberg 3 Min. Lesezeit

Teilen
Iwan Atelier in Hirschberg
Iwan Atelier in Hirschberg Foto: Schlesisches Museum zu Görlitz

Görlitz. Das Schlesische Museum zu Görlitz eröffnet am 27. November 2026 die Sonderausstellung „Schneezauber. Friedrich Iwan (1889–1967) und das Riesengebirge“. Mehr als 100 Gemälde und Grafiken zeigen die winterlichen Landschaften, die den Künstler über Jahrzehnte beschäftigten. Neben seinen Bildern werden originale Druckplatten, historische Postkarten und Buchillustrationen präsentiert, die einen Einblick in seine Arbeitsweise geben.

Friedrich Iwan gehörte zu den Künstlern, die das Riesengebirge nicht nur als beliebtes Ausflugsziel betrachteten. Als begeisterter Wanderer erkundete er auch entlegene Gegenden und hielt deren besondere Atmosphäre in seinen Arbeiten fest.

Verschneite Landschaften ohne Menschenmassen

Iwan wurde 1889 geboren und erhielt seine künstlerische Ausbildung in Breslau und Berlin. Zum Mittelpunkt seines Schaffens wurde jedoch das Riesengebirge, das er später zu seiner Wahlheimat machte.

Während sich die Region durch den aufkommenden Tourismus veränderte, richtete Iwan seinen Blick bevorzugt auf abgelegene Landschaften. In seinen Bildern dominieren verschneite Hänge, Wälder und stille Bergtäler. Menschen sind häufig kaum oder gar nicht zu sehen.

Besonders auffällig ist die Farbgestaltung seiner Winterbilder. Statt ausschließlich weißer Schneeflächen verwendete der Künstler unterschiedliche Farbtöne, um Licht, Schatten und die besondere Stimmung der Gebirgslandschaft einzufangen.

Seine Werke fanden ein breites Publikum. Zahlreiche Motive wurden als Postkarten veröffentlicht und verbreiteten sich dadurch weit über das Riesengebirge hinaus.

Eine besondere Technik machte seine Radierungen bekannt

Neben der Landschaftsmalerei beschäftigte sich Friedrich Iwan intensiv mit der Druckgrafik. Seine Radierungen werden bis heute wegen ihrer handwerklichen Qualität geschätzt.

Der Künstler entwickelte eine besondere Druckmethode, mit der sich farbige Grafiken von einer einzigen Druckplatte herstellen ließen. Eine nachträgliche Kolorierung war dadurch nicht erforderlich.

Nach Angaben des Schlesischen Museums war Iwan der erste und einzige Künstler im Riesengebirge, der diese Technik verwendete.

Die Methode erlaubte es ihm, seine Motive mehrfach zu drucken, ohne dass die einzelnen Blätter ihren besonderen künstlerischen Charakter verloren.

In der Görlitzer Ausstellung können Besucher nicht nur die fertigen Grafiken betrachten. Auch erhaltene Druckplatten werden gezeigt und machen nachvollziehbar, wie die Werke entstanden.

Bilder wurden nach der Vertreibung zu Erinnerungsstücken

Der Zweite Weltkrieg bedeutete auch für Friedrich Iwan einen tiefen Einschnitt. Er musste seine schlesische Heimat verlassen und ließ sich später in Wangen im Allgäu nieder.

Dort setzte er seine künstlerische Arbeit fort. Teile seiner ursprünglichen Druckplatten hatten den Krieg überstanden und gelangten wieder in seinen Besitz. Dadurch konnte Iwan weitere Abzüge seiner bekannten Motive herstellen.

Nach seinem Tod im Jahr 1967 führte sein Sohn Klaus Iwan diese Arbeit fort.

Für viele Menschen, die nach dem Krieg Schlesien verlassen mussten, erhielten die Bilder eine zusätzliche Bedeutung. Die vertrauten Landschaften des Riesengebirges wurden zu Erinnerungen an ihre frühere Heimat.

Die Ausstellung greift diese Verbindung zwischen Kunst, Landschaft und persönlicher Geschichte auf.

Veranstaltungen und Führungen begleiten die Ausstellung

Die Sonderausstellung wird am Donnerstag, dem 26. November 2026, um 18 Uhr mit einer Vernissage eröffnet. Einen Tag später beginnt die reguläre Ausstellungslaufzeit.

Begleitend sind mehrere Veranstaltungen geplant. Am 28. Januar 2027 erläutert Helena Skwarek vom Riesengebirgsmuseum in Jelenia Góra die Techniken der Radierung und Aquatinta.

Am 11. Februar folgt eine Vorführung des Films „Das letzte Rennen“ aus dem Jahr 2022 mit anschließendem Gespräch mit Regisseur Tomáš Hodan.

Für Kinder wird am 16. und 17. Februar jeweils von 9.30 bis 12 Uhr ein Kunstworkshop angeboten. Unter Anleitung des Künstlers Sören Zschocke können die Teilnehmer eigene Bilder nach dem Vorbild Friedrich Iwans gestalten.

Am 11. März steht eine Gesprächsrunde über aktuelle Fragen des Naturschutzes im Riesengebirge auf dem Programm.

Die Ausstellung endet am 4. April 2027 um 14 Uhr mit einer Finissage. Dabei spricht der Sammler Markus Kawaletz über seine Iwan-Sammlung.

Zusätzlich bietet das Museum Führungen am 11. Dezember 2026 sowie am 17. Januar, 21. Februar und 10. März 2027 an.

Zusammenarbeit mit polnischem Museum

Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Riesengebirgsmuseum in Jelenia Góra, dem früheren Hirschberg.

Sie steht unter der Schirmherrschaft des deutschen Generalkonsuls in Breslau.

Damit verbindet das Projekt die Beschäftigung mit schlesischer Kunstgeschichte mit der grenzüberschreitenden Museumsarbeit zwischen Deutschland und Polen.

Begleitend zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog, der Friedrich Iwans Werk und seine besondere Beziehung zum Riesengebirge dokumentiert.

Themen: GörlitzKunstSonderausstellungSchlesisches MuseumSchlesienFriedrich IwanSchneezauberRiesengebirgeSchneekoppe

Teilen

Lesen Sie als Nächstes

Führungswechsel zum 1. November Görlitz: Neuer Chefarzt übernimmt Psychiatrie am Städtischen Klinikum Dr. Benjamin Weber folgt auf Dr. Dirk Schmoll

Ihre Meinung

Schreiben Sie uns einen Leserbrief an leserbriefe@ostdeutsche-zeitung.de. Bitte mit vollständigem Namen und Anschrift; veröffentlicht werden nur Name und Wohnort.

Meistgelesen