Führungswechsel zum 1. November

Görlitz: Neuer Chefarzt übernimmt Psychiatrie am Städtischen Klinikum

Dr. Benjamin Weber folgt auf Dr. Dirk Schmoll

Von Robert Neumann 4 Min. Lesezeit

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Dr. Benjamin Weber übernimmt zum 1. November die Leitung von Dr. Dirk Schmoll.
Dr. Benjamin Weber übernimmt zum 1. November die Leitung von Dr. Dirk Schmoll. Foto: Katja Pietsch/Klinikum Görlitz

Am Städtischen Klinikum Görlitz steht ein Wechsel an der Spitze der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie bevor. Zum 1. November 2026 übernimmt Dr. Benjamin Weber die chefärztliche Leitung. Er folgt auf Dr. Dirk Schmoll, der nach fünf Jahren als Chefarzt in den Ruhestand geht. Weber bringt Erfahrungen aus der Universitätsmedizin Dresden und dem Sächsischen Krankenhaus Arnsdorf mit. Seine medizinischen Schwerpunkte liegen in der Suchtmedizin und der Alterspsychiatrie.

Der neue Chefarzt möchte bewährte Behandlungsangebote fortführen und die Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Pflegekräften, Therapeuten, Patienten und Angehörigen weiterentwickeln. Besonderen Wert legt er auf individuelle Therapieentscheidungen und eine Behandlung nach aktuellen medizinischen Leitlinien.

Vom Zivildienst zur Facharztausbildung in Dresden

Benjamin Weber kam bereits während seines Zivildienstes erstmals intensiv mit Menschen in Kontakt, die an psychischen Erkrankungen litten. Er arbeitete damals in einer entsprechenden Werkstatt und lernte dort die Schwierigkeiten kennen, mit denen Betroffene im Alltag konfrontiert sind.

Diese Erfahrungen beeinflussten seine spätere Berufswahl. Neben medizinischen Fragen interessierte er sich besonders für die gesellschaftlichen und sozialen Auswirkungen psychischer Erkrankungen.

Nach seinem Medizinstudium und der Promotion in Ulm absolvierte Weber seine Facharztweiterbildung an der Universitätsmedizin Dresden.

Nach bestandener Facharztprüfung arbeitete er zunächst in einem Medizinischen Versorgungszentrum. Anschließend wechselte er als Oberarzt an das Sächsische Krankenhaus Arnsdorf.

Mit seinem Wechsel nach Görlitz übernimmt er nun erstmals die Leitung der dortigen Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie.

Suchtmedizin und Depressionen im höheren Lebensalter

Zu den fachlichen Schwerpunkten des neuen Chefarztes gehören die Behandlung von Suchterkrankungen und die Gerontopsychiatrie.

Letztere beschäftigt sich mit psychischen Erkrankungen älterer Menschen. Ein besonderes Anliegen ist Weber die Behandlung depressiver Symptome im höheren Lebensalter.

Dabei spielen neben körperlichen Erkrankungen auch persönliche Lebensumstände, soziale Beziehungen und Veränderungen im Alltag eine Rolle.

Weber betrachtet die Psychiatrie deshalb als medizinisches Fachgebiet, in dem die Lebensgeschichte eines Menschen für die Behandlung eine besondere Bedeutung hat.

Auch in Görlitz möchte er diesen Ansatz verfolgen.

Patienten und Angehörige stärker einbeziehen

Für seine neue Tätigkeit hat sich Weber vorgenommen, medizinische Qualität mit einer zugewandten Behandlung zu verbinden.

Therapeutische Entscheidungen sollen sich an aktuellen medizinischen Leitlinien orientieren. Gleichzeitig möchte er Patienten aktiv in die Planung ihrer Behandlung einbeziehen.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Zusammenarbeit mit Angehörigen.

„Psychische Erkrankungen betreffen nicht nur die Erkrankten selbst, sondern auch ihre Familien und ihr unmittelbares Umfeld“, erklärte Weber.

Die Unterstützung von Familien könne deshalb einen wichtigen Beitrag zum Behandlungserfolg leisten.

Der neue Chefarzt hat bereits erste Gespräche mit den Beschäftigten der Klinik geführt und möchte gemeinsam mit ihnen an der weiteren Entwicklung der psychiatrischen Versorgung arbeiten.

„Ich freue mich darauf, die Arbeit von Dr. Schmoll fortzusetzen und gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen neue Entwicklungen voranzubringen“, sagte Weber.

Dr. Dirk Schmoll prägte die Klinik seit 2021

Mit Dr. Dirk Schmoll verabschiedet das Klinikum einen Chefarzt, der die psychiatrische Abteilung seit 2021 leitete.

Während seiner Amtszeit wurden mehrere Therapieangebote eingeführt oder weiterentwickelt.

Dazu gehört das sogenannte Avatartraining. Bei diesem therapeutischen Verfahren können sich Patienten unter fachlicher Begleitung mit belastenden Stimmen auseinandersetzen, die sie im Rahmen bestimmter psychischer Erkrankungen wahrnehmen.

Darüber hinaus wurden Angehörigengruppen für Familien von Menschen mit Schizophrenie oder Demenz aufgebaut und gestärkt.

Für Patienten mit Depressionen entstand eine Psychoedukationsgruppe. Dort erhalten Betroffene Informationen über ihre Erkrankung und lernen Möglichkeiten kennen, besser mit den Beschwerden umzugehen.

Auch in der Suchttherapie wurden neue Ansätze etabliert.

Gedächtnisambulanz und zusätzliche Behandlungsangebote

Gemeinsam mit der neurologischen Abteilung wurde während Schmolls Amtszeit eine Gedächtnisambulanz aufgebaut.

Sie dient der Untersuchung und Einordnung von Gedächtnisstörungen. Dabei können unter anderem mögliche demenzielle Erkrankungen oder andere Ursachen kognitiver Einschränkungen abgeklärt werden.

In der Suchtbehandlung setzt die Klinik außerdem auf einen am Jellinek-Modell orientierten Ansatz.

Patienten beschäftigen sich dabei schriftlich mit der Entwicklung ihrer Abhängigkeit und setzen sich mit persönlichen Erfahrungen und Verhaltensmustern auseinander.

Zusätzlich erhielt die Psychiatrische Institutsambulanz weitere ärztliche Unterstützung.

Für Schmoll war während seiner Zeit in Görlitz insbesondere die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Berufsgruppen wichtig.

Bei gemeinsamen Visiten brachten Ärzte, Pflegekräfte und Therapeuten ihre Beobachtungen ein, um geeignete Behandlungsmöglichkeiten für die Patienten zu finden.

Nach seinem Eintritt in den Ruhestand möchte sich Schmoll verstärkt mit Prosa und Lyrik beschäftigen und weiterhin Tennis spielen.

Klinikum setzt auf Kontinuität in der psychiatrischen Versorgung

Die Geschäftsführerin des Städtischen Klinikums Görlitz, Ines Hofmann, würdigte die Arbeit des bisherigen Chefarztes und begrüßte seinen Nachfolger.

„Mit Dr. Weber gewinnen wir einen erfahrenen und engagierten Psychiater, der fachlich wie menschlich hervorragend zu uns passt“, erklärte Hofmann.

Zugleich dankte sie Schmoll für die Weiterentwicklung der psychiatrischen Behandlungsangebote und seinen Beitrag zur regionalen Versorgung.

Mit dem Führungswechsel zum 1. November soll die fachliche Arbeit der Klinik kontinuierlich fortgesetzt werden.

Für Patienten in Görlitz und der umliegenden Oberlausitz bleibt die Klinik damit ein wichtiger Ansprechpartner bei psychischen Erkrankungen, Suchterkrankungen und psychiatrischen Problemen im höheren Lebensalter.

Themen: GörlitzOberlausitzGesundheitsversorgungPsychiatriePsychotherapieStädtisches Klinikum GörlitzBenjamin WeberDirk SchmollSuchtmedizinGerontopsychiatrie

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