Wandlitz: Friedhofskapelle für 285.000 Euro saniert und barrierefrei erschlossen
Hublift ersetzt schwierigen Treppenzugang
Die denkmalgeschützte Friedhofskapelle in Wandlitz im Landkreis Barnim ist nach umfangreichen Bauarbeiten wieder eingeweiht worden. Rund 285.000 Euro investierte die Gemeinde in die Sanierung, darunter einen neuen Hublift, eine modernisierte Heizungsanlage und die Erneuerung der Zugangstreppe. Bei der feierlichen Einweihung am Dienstag, 27. Oktober 2026, konnten Menschen mit eingeschränkter Mobilität den neuen barrierefreien Zugang erstmals ausprobieren.
Der Umbau soll sicherstellen, dass künftig auch Rollstuhlfahrer und Menschen mit Gehbehinderungen ohne die bisher bestehenden Hindernisse an Trauerfeiern teilnehmen können. Gleichzeitig musste die Gemeinde die historische Bausubstanz erhalten, da die Kapelle und das zentrale Gräberfeld unter Denkmalschutz stehen.
Treppen erschwerten bislang den Zugang zur Trauerhalle
Der Haupteingang der Friedhofskapelle liegt rund 1,45 Meter über dem umliegenden Gelände. Besucher mussten deshalb mehrere Treppenstufen überwinden, um in das Gebäude zu gelangen.
Für Menschen im Rollstuhl war dies eine erhebliche Barriere. Auch ältere Besucher mit eingeschränkter Gehfähigkeit konnten die Kapelle nur unter Schwierigkeiten erreichen.
Bereits 2020 ließ die Gemeinde untersuchen, wie sich das Gebäude sanieren und barrierefrei erschließen ließe. Die Machbarkeitsstudie berücksichtigte neben dem Zugang auch den Zustand der Heizungsanlage.
Im Oktober 2022 beschloss die Gemeindevertretung schließlich die Sanierung.
Warum sich die Gemeinde für einen Hublift entschied
Bei der Planung wurden unterschiedliche Möglichkeiten geprüft, um den Höhenunterschied zwischen Gelände und Eingang zu überwinden.
Eine herkömmliche Rollstuhlrampe hätte wegen der erforderlichen Steigung mindestens 29 Meter lang sein müssen. Für den Eingangsbereich der denkmalgeschützten Kapelle wäre eine solche Konstruktion mit erheblichen baulichen Veränderungen verbunden gewesen.
Die Gemeinde entschied sich deshalb für einen Hublift am Hauptpodest auf der Vorderseite des Gebäudes.
Die Lösung wurde mit dem Ortsbeirat, der Arbeitsgruppe „Leben ohne Barrieren“ und den zuständigen Denkmalschutzstellen abgestimmt.
Der Lift ermöglicht es Menschen mit eingeschränkter Mobilität, den Höhenunterschied zum Eingang ohne Treppensteigen zu überwinden.
Denkmalschutz stellte besondere Anforderungen
Die Friedhofskapelle und das zentrale Gräberfeld sind seit 2021 in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragen.
Deshalb mussten sämtliche Arbeiten mit den Anforderungen des Denkmalschutzes abgestimmt werden.
Neben dem Einbau des Hublifts wurden Natursteinarbeiten ausgeführt, die Zugangstreppe instand gesetzt sowie Maler- und Elektroarbeiten vorgenommen.
Auch die Heizungsanlage wurde modernisiert. Darüber hinaus erhielt die Kapelle eine Trockentrenntoilette, und die Außenanlagen wurden neu gestaltet.
Ziel war es, die Nutzungsmöglichkeiten zu verbessern, ohne die historische Substanz des Gebäudes unnötig zu verändern.
Landkreis Barnim beteiligt sich an den Kosten
Die Gesamtkosten der Sanierung belaufen sich nach Angaben der Gemeinde auf rund 285.000 Euro.
Davon übernahm der Landkreis Barnim einen Förderbetrag von 20.000 Euro.
Der verbleibende Finanzierungsanteil beträgt rechnerisch rund 265.000 Euro. Weitere Fördermittel nennt die Gemeinde in ihrer Pressemitteilung nicht.
Die Investition umfasst nicht nur den neuen Lift, sondern auch die übrigen baulichen und technischen Arbeiten an der Kapelle.
Neuer Hublift bei der Einweihung getestet
Bei der offiziellen Einweihung wurde der neue Zugang unmittelbar einem Praxistest unterzogen.
Die Behindertenbeauftragte der Gemeinde Wandlitz, Nadja Bahro, hatte dazu Marion Michaelis und Turan Özmen von der Arbeitsgruppe „Leben ohne Barrieren“ eingeladen.
Beide testeten den Hublift und zeigten sich nach Angaben der Gemeinde erfreut über die Verbesserungen.
Bürgermeister Oliver Borchert verwies in seiner Rede darauf, dass Menschen mit Beeinträchtigungen auch an anderen Orten in Wandlitz weiterhin auf Hindernisse stoßen.
Er betonte deshalb die Bedeutung einer stärkeren Berücksichtigung der Barrierefreiheit bei kommunalen Bauvorhaben.
Mit dem Abschluss der Arbeiten an der Friedhofskapelle ist nun ein öffentlich genutztes Gebäude besser zugänglich geworden. Gerade bei Trauerfeiern soll damit gewährleistet werden, dass Menschen unabhängig von ihrer Mobilität am Abschied von Angehörigen und Freunden teilnehmen können.