Acht Vorhaben an Thüringer Hochschulen werden 2026 im Rahmen der Fellowships für Innovationen in der digitalen Hochschullehre gefördert. Im Mittelpunkt stehen Anwendungen künstlicher Intelligenz, digitale Simulationen, sensorbasierte Datenerhebung, interaktive Selbstlernmodule und neue Formen der hochschulübergreifenden Zusammenarbeit.
Das Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur und der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft vergeben die Fellowships seit 2018 gemeinsam. Die Förderung richtet sich an Lehrende staatlicher Hochschulen in Thüringen.
Drei Tandems und fünf Einzelvorhaben ausgezeichnet
Erstmals lag ein besonderer Schwerpunkt auf interdisziplinären Projekten. Dabei konnten Lehrende aus zwei Hochschulen oder aus unterschiedlichen Fachbereichen einer Hochschule gemeinsam antreten.
Drei Tandem-Projekte erhalten jeweils bis zu 60.000 Euro. Die fünf ausgewählten Einzelvorhaben werden mit jeweils bis zu 50.000 Euro unterstützt.
Insgesamt stellt das Land für das Programm jährlich bis zu 500.000 Euro bereit. Seit dem Beginn wurden nach Angaben des Ministeriums bereits mehr als 70 Fellowships gefördert.
KI prägt viele der ausgewählten Projekte
Künstliche Intelligenz spielt in mehreren Vorhaben eine zentrale Rolle. Die Projekte befassen sich sowohl mit dem praktischen Einsatz neuer Werkzeuge als auch mit einem kritischen und reflektierten Umgang mit der Technologie.
Erprobt werden unter anderem dialogische Agenten, KI-gestützte Analysen und automatisch erzeugte Videovignetten. Diese sollen Grundlagenwissen vermitteln, selbstständiges Lernen unterstützen und Lehrenden mehr Raum für Diskussionen und individuelles Feedback geben.
Daneben gehören digitale Simulationen, sensorbasierte Datenerhebung und strukturierte Lernpfade zu den geförderten Ansätzen.
Tandem-Projekte verbinden Hochschulen und Fachbereiche
Zu den drei ausgezeichneten Tandem-Fellowships gehört das Projekt „LISZT – Lesen, Interpretieren, Schreiben: Zukunftsfähige Textpraxis mit KI“ von Dr. Benedikt Schubert und Dr. Susanne Stamm von der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar.
An der Fachhochschule Erfurt und der Ernst-Abbe-Hochschule Jena entwickeln Prof. Dr. Anna N. Richter und Prof. Dr. Heiko Haase das Vorhaben „Crowd Education in der Entrepreneurship-Lehre“.
Prof. Dr. Ines Engelmann von der Friedrich-Schiller-Universität Jena und Prof. Dr. Bernd Fröhlich von der Bauhaus-Universität Weimar arbeiten an „Agentic Read-Pair-Share“. Dabei handelt es sich um eine webbasierte Plattform zur Förderung kritischer Lese- und KI-Kompetenz.
Fünf Einzelprojekte erhalten Förderung
Auch fünf Einzelvorhaben wurden ausgewählt.
Prof. Dr. Tom Wagner von der Friedrich-Schiller-Universität Jena widmet sich der digitalen Modellierung in der experimentellen Lehre des Chemielehramtsstudiums.
Hannes Seifert von der Universität Erfurt entwickelt unter dem Titel KIVIMA KI-generierte Videovignetten zur Förderung professioneller Handlungskompetenz im dualen Mathematiklehramtsstudium.
Dr. Tabea Carlotta Latocha von der Bauhaus-Universität Weimar erarbeitet mit dem „Werkzeugkasten Stadtmachen“ ein interaktives, frei zugängliches Selbstlernmodul zu Wohnungs- und Stadtentwicklung in der Klimakrise.
Prof. Dr. Rolf Kruse von der Fachhochschule Erfurt untersucht im Projekt „DELTA-P“, wie künstliche Intelligenz als Lehrpartner in projektorientierter Hochschullehre eingesetzt werden kann.
Ting-Chun Liu von der Bauhaus-Universität Weimar entwickelt eine lokale KI-Anwendung für ein Bewegtbild-Studio.
Ministerium setzt auf hochschulübergreifende Zusammenarbeit
Wissenschaftsminister Christian Tischner erklärte, das Land wolle digitale Innovationen in der Hochschullehre voranbringen und erfolgreiche Anwendungen möglichst schnell für alle Thüringer Hochschulen nutzbar machen.
Künftig solle die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Fachrichtungen noch stärker gefördert werden. Die erstmals ausgezeichneten Tandem-Projekte entsprechen diesem Ansatz.
Auch der Stifterverband sieht in den Fellowships eine Möglichkeit, neue Lehrideen zunächst praktisch zu erproben und anschließend dauerhaft in die Hochschullehre zu übernehmen.
Digitale Werkzeuge verändern Studium und Lehre
Digitale Anwendungen gehören inzwischen in vielen Studiengängen zum Lehralltag. Sie können Lernangebote stärker an den individuellen Wissensstand anpassen, neue Formen des Austauschs ermöglichen und Studierenden zusätzliche Wege zur selbstständigen Vertiefung eröffnen.
Das Fellowship-Programm fördert deshalb unterschiedliche Formate. Dazu zählen Blended Learning, Simulationen, digitale Spiele, elektronische Prüfungen und KI-Anwendungen.
Blended Learning verbindet Präsenzveranstaltungen mit digitalen Lernphasen. Interaktive Module können Studierenden ermöglichen, Inhalte im eigenen Tempo zu bearbeiten. Simulationen wiederum helfen, komplexe Abläufe oder experimentelle Situationen ohne unmittelbaren Einsatz teurer Geräte abzubilden.
Fachjury entscheidet über Förderung
Die Auswahl der Projekte erfolgt durch eine Fachjury aus den Bereichen Hochschullehre und Lehrdidaktik. Sie prüft die eingereichten Konzepte und gibt eine Förderempfehlung ab.
Neben der eigentlichen Projektarbeit gehört auch der Austausch zwischen den Fellows zum Programm. Erfahrungen sollen geteilt und erfolgreiche Ansätze auf weitere Fachbereiche oder Hochschulen übertragen werden.
Damit soll verhindert werden, dass digitale Lehrinnovationen auf einzelne Seminare oder Projektzeiträume begrenzt bleiben.
Bedeutung für den Hochschulstandort Thüringen
Die acht Vorhaben verteilen sich auf Hochschulen in Jena, Weimar und Erfurt. Damit sind mehrere zentrale Wissenschaftsstandorte Thüringens beteiligt.
Die Projekte verbinden technische Entwicklung mit pädagogischen Fragen. Im Mittelpunkt steht nicht allein die Einführung neuer Software, sondern die Frage, wie digitale Werkzeuge Lernprozesse tatsächlich verbessern können.
Für Thüringen ist das auch im Wettbewerb um Studierende und wissenschaftliche Fachkräfte relevant. Moderne Lehrangebote, digitale Infrastruktur und innovative Studienformate können die Attraktivität der Hochschulen erhöhen.
Chancen und offene Fragen beim Einsatz von KI
Die geförderten Projekte zeigen, dass künstliche Intelligenz in der Hochschullehre zunehmend praktisch erprobt wird. Dabei geht es nicht nur um automatisierte Inhalte, sondern auch um kritische Lese-, Bewertungs- und Anwendungskompetenz.
Offen ist bei vielen Anwendungen, wie zuverlässig die Ergebnisse sind, wie personenbezogene Daten geschützt werden und wie sich eigenständige Leistungen von Studierenden weiterhin nachvollziehbar bewerten lassen.
Die Fellowships schaffen einen Rahmen, in dem solche Fragen im Lehrbetrieb untersucht werden können. Entscheidend wird sein, welche Projekte sich dauerhaft bewähren und auf andere Studiengänge übertragen lassen.
Thüringen fördert 2026 acht Projekte zur Weiterentwicklung der digitalen Hochschullehre. Die Bandbreite reicht von KI-gestützter Textarbeit und digitalen Chemie-Modellen bis zu Videovignetten, Stadtentwicklungsmodulen und neuen Lernplattformen.
Mit den erstmals stärker berücksichtigten Tandem-Projekten setzt das Land zugleich auf mehr Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Fachrichtungen. Die Ergebnisse sollen nicht auf einzelne Lehrveranstaltungen beschränkt bleiben, sondern möglichst auch anderen Thüringer Hochschulen zugutekommen.
Quelle:
Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur: Mitteilung „Fellowships für Innovationen in der digitalen Hochschullehre: Acht Vorhaben ausgezeichnet“, Juli 2026.