Jena. Für die Thüringer Hochschullandschaft ist es eine Premiere: Die Ernst-Abbe-Hochschule Jena erhält als erste Hochschule für Angewandte Wissenschaften im Freistaat ein eigenes, fachlich begrenztes Promotionsrecht. Ab dem 1. Oktober 2026 darf das neue Promotionszentrum selbst Doktoranden aufnehmen, Promotionsverfahren durchführen und Doktorgrade verleihen.

Promotionsrecht zunächst für acht Jahre

Das neue Zentrum trägt den fachlichen Schwerpunkt „Enabling Technologies for Industry, Health and Society“ – also Technologien für Industrie, Gesundheit und Gesellschaft.

Das Promotionsrecht wird zunächst für acht Jahre erteilt. In diesem Zeitraum darf die Hochschule unter anderem:

  • Doktorandinnen und Doktoranden annehmen,
  • Gutachter bestellen,
  • Promotionsverfahren durchführen,
  • Disputationen organisieren,
  • und eigene Doktorgrade verleihen.

Der Entscheidung ging nach Angaben des Thüringer Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur ein mehrmonatiges Begutachtungsverfahren durch eine unabhängige Fachkommission voraus.

Diese bewertete die Hochschule nach Angaben des Ministeriums strukturell und strategisch als sehr gut aufgestellt.

Forschung mit direktem Bezug zur Wirtschaft

Das Promotionszentrum soll mehrere Forschungsfelder miteinander verbinden. Im Mittelpunkt stehen:

  • Photonik,
  • ressourceneffiziente Fertigung,
  • Gesundheits- und Medizintechnik,
  • Digitalisierung,
  • Materialforschung,
  • zukunftsorientierte Energiesysteme.

Wissenschaftsminister Christian Tischner sieht darin vor allem eine Chance für den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Thüringen.

„Wichtiges Know-how aus den Promotionen kommt der Wirtschaft zugute, zudem können wir Fachkräften neue Karriereperspektiven eröffnen, sie somit am Standort halten.“

Der Minister verweist zugleich auf das Forschungsumfeld in Jena. Gerade bei Gesundheitstechnologien, Medizintechnik, Photonik und Fertigungstechnologien verfüge die Hochschule über geeignete Voraussetzungen für anwendungsorientierte Forschung.

Kooperation mit Hochschule Mittweida geplant

Das Jenaer Promotionszentrum soll nicht ausschließlich innerhalb Thüringens arbeiten. In Teilbereichen ist eine Zusammenarbeit mit der Hochschule Mittweida in Sachsen vorgesehen.

Dadurch sollen zusätzliche Kompetenzen in den Bereichen Automation, digitale Fertigung, Lasertechnik und angewandte Informatik einbezogen werden.

Für die Ernst-Abbe-Hochschule bedeutet die Genehmigung zugleich eine Aufwertung ihrer Stellung innerhalb der Forschungslandschaft. Bislang waren Promotionen traditionell vor allem Universitäten vorbehalten.

Mit dem fachlich begrenzten Promotionsrecht können Hochschulen für Angewandte Wissenschaften ihre eigene Forschung stärker mit der Ausbildung wissenschaftlichen Nachwuchses verbinden.

Thüringen geht neuen Weg bei Hochschulen für Angewandte Wissenschaften

Nach Darstellung des Ministeriums gelten für Promotionen an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften dieselben qualitativen Anforderungen wie für Promotionen an Universitäten.

Das neue Zentrum in Jena soll deshalb nicht nur zusätzliche Karrierewege eröffnen, sondern vor allem die anwendungsorientierte Forschung stärken und Erkenntnisse schneller in Wirtschaft und Praxis übertragen.

Für die EAH Jena beginnt damit ab Oktober ein neues Kapitel: Erstmals kann eine Thüringer Hochschule für Angewandte Wissenschaften eigenständig den Weg bis zum Doktorgrad begleiten.

Quellen und Datenbasis

  • Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Medieninformation vom 28. Juli 2026
  • Gutachten zum Promotionszentrum „Enabling Technologies for Industry, Health and Society“, zusammengefasst in der Medieninformation
  • Angaben des Thüringer Wissenschaftsministeriums zur Ernst-Abbe-Hochschule Jena und zum fachlich begrenzten Promotionsrecht