Das Klappern der Masten im Wind, der Geruch von frischem Räucherfisch und festgemachte Holz- und Stahlkutter: Die Fischereihäfen in Freest (direkt gegenüber von Peenemünde) sowie in Kamminke am Stettiner Haff gehören zu den romantischsten und authentischsten Orten der Inselregion Usedom. Doch hinter der idyllischen Kulisse durchläuft das Traditionshandwerk im Jahr 2026 seinen bisher schwersten Wandel.
Angesichts stark gekürzter Fangquoten für Dorsch und Hering in der westlichen Ostsee müssen die verbliebenen Nebenerwerbs- und Haupterwerbsfischer neue Wege gehen, um ihre Betriebe wirtschaftlich zu halten.
Direktvermarktung ab Kutter: Kurze Wege für den Verbraucher
Ein Schlüssel zum Überleben der Usedomer Fischerei liegt in der unmittelbaren Vermarktung vor Ort. Statt den Fang zu niedrigen Großhandelspreisen abzugeben, setzen immer mehr Fischer auf den Verkauf direkt von der Kaikante oder in eigenen kleinen Hafen-Fischbuden.
Saisonale Arten im Fokus: Gefischt wird mit Stellnetzen und Reusen vor allem, was Achterwasser, Peenestrom und Haff hergeben – darunter Zander, Barsch, Aale und Flundern.
Transparenz für den Gast: Urlauber schätzen die Frische und Herkunft des Fisches. „Direkt vom Kutter auf den Teller“ ist für viele Hafenbesucher ein zentrales Argument.
Kombination aus Fischerei und sanftem Hafen-Tourismus
Neben dem Fischverkauf gewinnt die touristische Einbindung der Häfen an Bedeutung. In Freest und Kamminke wurden in den vergangenen Monaten die Anlegestellen und Infopunkte saniert. Kutterfahrten auf das Stettiner Haff oder Fahrten zu den Heringszaun-Infrastrukturen bieten den Betrieben ein zweites Standbein.
Die Kommunen sind sich der Bedeutung der Fischer bewusst: Ohne die bunten Kutter und die Netzflicker an den Kai-Anlagen würde Usedom ein Stück seiner maritimen Identität verlieren. Die Unterstützung der lokalen Fischerei bleibt daher ein zentrales Anliegen der regionalen Wirtschaftsförderung.
Quellen & Datenbasis
Fischereigenossenschaft Freest e.G.: Lagebericht zur Küstenfischerei in Vorpommern und der Haff-Region (Stand: 2026).
Gemeinde Garz / Hafenverwaltung Kamminke: Hafenstatistik und Entwicklungskonzept für den Standort Stettiner Haff.