Es ist ein historischer Moment für das Güstrower Stadtarchiv und ein bedeutender Gewinn für die Erforschung der mecklenburgischen Landesgeschichte: Rund 165 historische Urkunden sind nach fast 70 Jahren Abwesenheit wieder offiziell in die Barlachstadt zurückgekehrt. Unter den Dokumenten befindet sich ein besonders wertvolles Pergament aus dem Jahr 1305 – ein seltenes Zeugnis aus der Frühzeit der städtischen Entwicklung.

Die Rückgabe schließt eine jahrzehntelange Lücke im Gedächtnis der Stadt und ermöglicht Historikern wie Bürgerinnen und Bürgern gleichermaßen völlig neue Einblicke in das mittelalterliche und frühneuzeitliche Güstrow.

Wo befanden sich die Dokumente all die Jahre?

Das Fernbleiben der Schriftstücke hat historische Gründe: In den Wirren der Nachkriegszeit sowie während der DDR-Jahrzehnte wurden zahlreiche kommunale Archivbestände zur zentralen Lagerung, Restaurierung oder aus Sicherheitsgründen an übergeordnete staatliche Archive abgegeben. Ein Großteil dieser Güstrower Bestände lagerte daher über Generationen hinweg im Landeshauptarchiv Schwerin.

Nach fachgerechter Aufarbeitung, Digitalisierung und der Schaffung moderner, klimatechnisch passender Aufbewahrungsbedingungen im Güstrower Stadtarchiv konnte das wertvolle Schriftgut nun im Rahmen der Bestandsrückführung geordnet an seinen Ursprungsort übergeben werden.

Das Juwel von 1305: Was verrät das älteste Schriftstück?

Das Prunkstück des zurückgekehrten Konvoluts stammt aus dem Jahr 1305. Die auf Pergament verfasste und mit gut erhaltenen Siegeln versehene Urkunde datiert aus einer Epoche, in der Güstrow als Residenz der Fürsten von Werle eine wirtschaftliche und politische Blütezeit erlebte.

Inhaltlich behandelt das Dokument Rechtsgeschäfte, Privilegien und Landbesitzübertragungen, die für die Bürger und den damaligen Rat der Stadt von zentraler Bedeutung waren. Solche Schriftstücke sicherten der Stadt Marktrechte, Gerichtsbarkeiten oder Abgabenfreiheiten zu – Rechte, die das Fundament des städtischen Wohlstands im Mittelalter bildeten.

Sichere Verwahrung und digitale Zugänglichkeit

Die Rückkehr bedeutet keinesfalls, dass die fragile Papier- und Pergamentsammlung im Verborgenen verschwindet:

  • Spezialkonservierung: Die Schriftstücke lagern künftig in säurefreien Archivkartons unter streng kontrollierten Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsbedingungen, um den Zerfall von Tinten und Wachssiegeln zu stoppen.

  • Forschung und Digitalisierung: Um die Originale zu schonen, wurden viele der Urkunden bereits hochauflösend digitalisiert. Interessierte Bürger, Heimatforscher und Wissenschaftler können die Scans sowie die dazugehörigen Regesten (Inhaltsangaben) künftig im Stadtarchiv einsehen.

  • Ausstellungsmöglichkeiten: Für besondere Anlässe oder stadtgeschichtliche Jubiläen sollen ausgewählte Stücke künftig auch im Rahmen von Wechselausstellungen der Öffentlichkeit im Original präsentiert werden.

Quellen & Datenbasis

  • Stadtverwaltung Güstrow / Stadtarchiv: Dokumentation und Pressemitteilung zur Übergabe und Übernahme der historischen Urkundenbestände aus dem Landeshauptarchiv.

  • Landeshauptarchiv Schwerin: Bestandsübersichten und Archivierungsberichte zur Rückführung von Kommunalarchivgut in Mecklenburg-Vorpommern.