Greifswald. Das Umland der Hansestadt zählt zu den letzten bedeutenden Rückzugsgebieten des Rebhuhns in Mecklenburg-Vorpommern. Beim jüngsten landesweiten Monitoring wurden auf 35 Routen rund um Greifswald insgesamt 42 Tiere erfasst. Besonders häufig gelangen Nachweise in der Brandteichniederung und in den Heidbergen bei Dargelin.
So klein die Zahl zunächst erscheint, so groß ist ihre Bedeutung: Landesweit beobachteten die Helfer auf 108 untersuchten Routen lediglich 74 Rebhühner. Nur auf 30 Routen wurden überhaupt Tiere festgestellt. Damit entfällt mehr als die Hälfte der in Mecklenburg-Vorpommern gezählten Rebhühner auf das Greifswalder Umland.
Drei Populationen könnten überdauert haben
Warum sich das Rebhuhn ausgerechnet rund um Greifswald vergleichsweise gut hält, ist bislang nicht abschließend geklärt. Experten vermuten, dass in der Region noch drei voneinander getrennte Populationen existieren, die über längere Zeit überdauern konnten.
Das bedeutet allerdings nicht, dass der Bestand gesichert ist. Kleine, voneinander isolierte Gruppen reagieren besonders empfindlich auf harte Winter, schlechte Bruterfolge und weitere Verluste geeigneter Lebensräume.
Rebhuhn gehört zu den großen Verlierern
Das Rebhuhn war früher ein verbreiteter Bewohner der offenen Agrarlandschaft. Heute gehört es bundesweit zu den Vogelarten mit den stärksten Rückgängen. Nach Angaben des Bundesamtes für Naturschutz nahm sein Bestand innerhalb von 24 Jahren um etwa 66 Prozent ab.
Das Bundesamt zählt die Art deshalb zu den Sorgenkindern des Vogelschutzes. Besonders betroffen sind Vögel, die auf landwirtschaftlich genutzten Flächen brüten und Nahrung suchen.
Für 2026 wurde das Rebhuhn zudem zum „Vogel des Jahres“ gewählt. Bei der öffentlichen Abstimmung erhielt es 44,5 Prozent der Stimmen. Die Wahl soll auf den Verlust strukturreicher Agrarlandschaften aufmerksam machen.
Intensive Landwirtschaft verändert den Lebensraum
Als zentrale Ursachen des Rückgangs gelten eine zunehmend strukturarme Feldlandschaft, der Einsatz von Pestiziden und das Fehlen ausreichend großer Rückzugsflächen. Hinzu kommen Fressfeinde wie Füchse und Waschbären.
Rebhühner benötigen ein Mosaik aus Feldern, Brachen, Hecken, Graswegen und blütenreichen Randstreifen. Dort finden die erwachsenen Tiere Deckung, während die Küken auf eine große Zahl von Insekten angewiesen sind.
Auf intensiv bewirtschafteten Flächen fehlen solche Strukturen häufig. Gleichzeitig verringert der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln das Nahrungsangebot und kann die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft beeinträchtigen.
Brachen und Blühflächen könnten helfen
Caspar Jung, Landeskoordinator des Rebhuhn-Monitorings in Mecklenburg-Vorpommern, fordert mehr Strukturvielfalt in der Agrarlandschaft. Besonders wichtig seien großflächige Brach- und Blühflächen. Zusätzlich müsse die Zahl der Fressfeinde begrenzt werden.
Das Bundesamt für Naturschutz weist darauf hin, dass Rebhühner auf Brachflächen und in Landschaften mit einem höheren Brachflächenanteil deutlich häufiger vorkommen. Solche Flächen bieten Nahrung, Deckung und vergleichsweise ungestörte Brutplätze.
Fachleute gehen davon aus, dass mindestens zehn Prozent der Agrarlandschaft aus Brachen, Hecken und anderen nicht bewirtschafteten Rückzugsräumen bestehen sollten, um die biologische Vielfalt wirksam zu erhalten.
Schutzmaßnahmen nutzen vielen Arten
Vom Schutz des Rebhuhns würden nicht nur einzelne Vogelpopulationen profitieren. Maßnahmen wie Blühstreifen, mehrjährige Brachen und Hecken verbessern zugleich die Bedingungen für Insekten, Feldhasen und weitere Agrarvögel.
Das Rebhuhn gilt deshalb als Leitart einer vielfältigen Agrarlandschaft. Wo es ausreichend Nahrung und sichere Brutplätze findet, bestehen häufig auch für andere bedrohte Arten günstigere Lebensbedingungen.
Ein bundesweites Schutzprojekt verbindet deshalb Lebensraumverbesserungen mit einem intensiven Monitoring. Ziel ist es, langfristig wieder stabile Rebhuhnbestände aufzubauen und gleichzeitig die biologische Vielfalt auf landwirtschaftlichen Flächen zu stärken.
Ehrenamtliche Zähler liefern wichtige Daten
Das Monitoring wird entlang festgelegter Routen durchgeführt. Dabei kommen auch Klangattrappen zum Einsatz, mit denen die Rufe der Rebhühner abgespielt werden. Antwortende Tiere lassen sich so erfassen, ohne sie direkt sehen zu müssen.
Die Ergebnisse ermöglichen Vergleiche zwischen Regionen und Jahren. Sie zeigen, wo noch größere Vorkommen bestehen und in welchen Gebieten Schutzmaßnahmen besonders dringend notwendig sind.
Für 2026 liegen deutschlandweit bereits Daten aus mehreren Tausend Monitoringgebieten vor.
Greifswalder Vorkommen darf nicht darüber hinwegtäuschen
Die 42 gezählten Tiere machen das Greifswalder Umland zu einem Schwerpunkt des Rebhuhnvorkommens in Mecklenburg-Vorpommern. Von einer stabilen Entwicklung kann angesichts der geringen Gesamtzahl jedoch keine Rede sein.
Wenn landesweit auf fast drei Vierteln der untersuchten Routen kein einziges Rebhuhn festgestellt wird, zeigt das die starke Ausdünnung der Bestände. Die Greifswalder Populationen sind damit nicht nur ein erfreulicher regionaler Befund, sondern zugleich eine besondere Verantwortung für Landwirtschaft, Kommunen und Naturschutz.
Im Greifswalder Umland wurden beim aktuellen Monitoring 42 Rebhühner gezählt. Damit konzentriert sich ein großer Teil des kleinen Landesbestands auf die Brandteichniederung, die Heidberge bei Dargelin und weitere Flächen rund um die Stadt.
Damit diese Populationen überleben, braucht es dauerhaft strukturreiche Felder, größere Brach- und Blühflächen sowie einen wirksamen Schutz der Brutgebiete. Das Rebhuhn zeigt besonders deutlich, wie eng landwirtschaftliche Nutzung und Artenschutz miteinander verbunden sind.