Geboren in Eisenberg

Gunther Emmerlich kam am 18. September 1944 in Eisenberg in Thüringen zur Welt.

Sein Lebensweg begann alles andere als geradlinig. Sein Vater fiel im Zweiten Weltkrieg, seine Mutter starb, als Emmerlich noch ein Kind war. Später wuchs er bei seiner älteren Schwester auf.

Nach der Schule entschied er sich zunächst nicht für eine Künstlerkarriere. Er studierte an der Ingenieurschule für Bauwesen in Erfurt.

Doch die Musik wurde stärker.

Emmerlich brach die technische Ausbildung ab und wechselte an die Hochschule für Musik „Franz Liszt“ in Weimar. Dort studierte er von 1967 bis 1972 Operngesang.

Damit begann eine Laufbahn, die ihn von Thüringen nach Dresden und schließlich in die Wohnzimmer von Millionen Fernsehzuschauern führen sollte.

20 Jahre an der Dresdner Oper

1972 wurde Emmerlich Mitglied des Nachwuchsstudios der Dresdner Oper.

Kurz darauf gehörte er fest zum Ensemble.

Als Bass stand er in zahlreichen Opernproduktionen auf der Bühne und blieb insgesamt rund 20 Jahre an der Dresdner Oper beziehungsweise der Semperoper engagiert.

Zu seinen Rollen gehörten unter anderem Osmin in Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“, Sarastro in „Die Zauberflöte“ und Tevje in „Anatevka“.

Damit war Emmerlich zunächst vor allem eines: Opernsänger.

Doch sein Talent reichte deutlich weiter.

Jazz, Banjo und Fernsehen

Neben der klassischen Musik interessierte sich Emmerlich auch für Jazz, Swing und Unterhaltungsmusik.

1985 gründete er gemeinsam mit Musikern der Sächsischen Staatskapelle die Semper HouseBand. Selbst spielte er Banjo und sang.

Parallel wurde er auch im Fernsehen immer bekannter.

Im DDR-Fernsehen moderierte er ab 1987 die Unterhaltungssendung „Showkolade“. Genau dort entwickelte er sich vom Opernsänger zum Entertainer.

Er konnte singen, moderieren, Geschichten erzählen und mit seinem Publikum umgehen.

Diese Mischung wurde zu seinem Markenzeichen.

Einer der wenigen, die nach 1990 weitermachten

Die Wiedervereinigung bedeutete für viele Künstler aus der DDR einen tiefen Einschnitt.

Karrieren endeten, Sender verschwanden, Formate wurden eingestellt.

Gunther Emmerlich gehörte zu den Künstlern, denen der Übergang in das gesamtdeutsche Fernsehen gelang.

Er blieb präsent.

Zwischen 1993 und 2006 moderierte er 96 Ausgaben der MDR-Sendung „Zauberhafte Heimat“.

Hinzu kamen Galas, Musiksendungen, Konzerte und zahlreiche Fernsehauftritte.

Aus einem bekannten Gesicht des DDR-Fernsehens wurde ein bundesweit bekannter Entertainer.

Dresden wurde seine zweite Heimat

Obwohl Emmerlich in Thüringen geboren wurde, ist seine Karriere eng mit Dresden verbunden.

Hier stand er jahrzehntelang auf der Opernbühne, hier lebte er und hier wurde er zu einer festen Größe des kulturellen Lebens.

Von 2006 bis 2015 moderierte er zudem den SemperOpernball.

Damit stand er erneut an einem Ort, der seine Karriere geprägt hatte.

Die Semperoper blieb über Jahrzehnte ein Fixpunkt seines Lebens.

Von Klassik bis Musical

Gunther Emmerlich ließ sich nie auf ein Genre reduzieren.

Er sang Oper und Operette, Musical und Kirchenmusik, Jazz und Swing.

2008 trat er gemeinsam mit Deborah Sasson sogar in der New Yorker Carnegie Hall auf.

Später war er auch in Musicalproduktionen zu sehen. 2019 spielte er die Hauptrolle im Musical „Gutenberg“ in Mainz.

Gleichzeitig veröffentlichte er mehrere Bücher und zahlreiche CDs.

Seine Karriere war ungewöhnlich breit.

Er war Opernsänger, Moderator, Autor, Entertainer und Musiker zugleich.

Auszeichnungen und Anerkennung

Für seine Arbeit erhielt Emmerlich zahlreiche Auszeichnungen.

1990 beziehungsweise 1991 wurde er mit einem Bambi geehrt. 1997 erhielt er das Bundesverdienstkreuz.

2019 bekam er anlässlich seines 75. Geburtstages die Goldene Henne für sein Lebenswerk.

Auch seine Heimatstadt Eisenberg ehrte ihn: Emmerlich wurde Ehrenbürger der Stadt.

Damit blieb die Verbindung zu Thüringen erhalten, auch wenn Dresden längst zum Mittelpunkt seines Lebens geworden war.

Bis zuletzt auf der Bühne

Bemerkenswert ist, wie lange Emmerlich aktiv blieb.

Noch 2023 gab er zahlreiche Konzerte, Lesungen und gemeinsame Programme.

Wenige Tage vor seinem Tod stand er noch auf der Bühne.

Am 19. Dezember 2023 starb Gunther Emmerlich unerwartet in Dresden an Herzversagen. Er wurde 79 Jahre alt.

Ein Künstler zwischen zwei Deutschlands

Gunther Emmerlichs Karriere erzählt auch ein Stück deutscher Kulturgeschichte.

Er wurde in der DDR zum Opernsänger und Fernsehstar.

Nach 1990 verschwand er nicht von der Bildfläche, sondern fand seinen Platz im neuen gesamtdeutschen Medienbetrieb.

Dabei blieb er erkennbar ostdeutsch geprägt, ohne sich darauf reduzieren zu lassen.

Thüringen war seine Herkunft.

Dresden wurde seine künstlerische Heimat.

Und das deutsche Fernsehen machte ihn zu einem Gesicht, das Generationen kannten.

Gunther Emmerlich zeigte, dass eine ostdeutsche Künstlerbiografie nicht 1990 enden musste.

Sie konnte danach noch einmal ganz neu beginnen.