Seine Geschichte begann nicht im Silicon Valley. Sie führte von Hoyerswerda nach Berlin, wo Konrad Zuse 1941 mit der Z3 Computergeschichte schrieb.
Konrad Zuses Jahre in Hoyerswerda
Konrad Zuse wurde am 22. Juni 1910 in Berlin geboren. Einen wichtigen Teil seiner Jugend verbrachte er jedoch in Hoyerswerda. Dort legte er 1928 sein Abitur ab.
Schon als Schüler verband Zuse technisches Denken mit großer Fantasie. Er entwarf eine visionäre Großstadt, plante ein automatisiertes Fotolabor und beschäftigte sich mit einem Warenautomaten, der Geld wechseln sollte. Neben der Technik faszinierte ihn die Kunst.
Hoyerswerda erinnerte später an seinen berühmten früheren Schüler. Im Jahr 1995 verlieh ihm die Stadt die Ehrenbürgerwürde. Heute bewahrt das ZCOM Zuse-Computer-Museum sein Erbe und zeigt die Entwicklung der Rechentechnik.
Mühsame Berechnungen bringen die Idee
Nach dem Abitur studierte Zuse an der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg zunächst Maschinenbau und Architektur. Schließlich entschied er sich für das Bauingenieurwesen. Nach seinem Abschluss arbeitete er als Statiker bei den Henschel-Flugzeugwerken.
Die vielen wiederkehrenden Berechnungen empfand Zuse als zeitraubend. Eine Maschine sollte Ingenieuren diese Arbeit abnehmen. Für seine Idee gab er die sichere Stelle auf und richtete im Wohnzimmer seiner Eltern in Berlin-Kreuzberg eine Werkstatt ein.
Freunde und Familienmitglieder halfen bei der Finanzierung und beim Bau. Zwischen Metallplatten, Werkzeugen und Kabeln entstand bis 1938 die Z1. Der mechanische Rechner arbeitete bereits mit den binären Zahlen Null und Eins. Dieses Prinzip bildet bis heute die Grundlage moderner Computer.
Die Z1 war frei programmierbar, blieb wegen ihrer störanfälligen Mechanik aber unzuverlässig. Zuse ließ sich davon nicht entmutigen.
Die Z3 schreibt Computergeschichte
Bei der Z2 ersetzte Zuse einen Teil der Mechanik durch Telefonrelais. Der entscheidende Durchbruch gelang ihm anschließend mit der Z3. Am 12. Mai 1941 stellte er die Maschine in Berlin einem kleinen Kreis von Fachleuten vor.
Die Z3 besaß ein Rechenwerk, ein Steuerwerk, einen Speicher sowie Ein- und Ausgabeeinheiten. Programme wurden über gelochte Filmstreifen eingelesen. Die Maschine rechnete automatisch mit binären Zahlen.
Heute gilt die Z3 allgemein als erster funktionsfähiger, frei programmierbarer Computer der Welt. Damit nahm Zuse wesentliche Grundlagen der modernen Datenverarbeitung vorweg. Seine Entwicklung entstand nicht in einem großen Forschungskonzern, sondern unter schwierigen Bedingungen in einer Berliner Wohnung.
Computerbau im Zweiten Weltkrieg
Zuses Arbeit fiel in die Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs. Seine Spezialrechner S1 und S2 wurden bei den Henschel-Werken für Berechnungen an den Flügeln militärischer Gleitbomben eingesetzt. Auch dieser Teil gehört zur Geschichte des Computerpioniers.
Bei einem Bombenangriff wurden die Z1, die Z3 und Zuses Berliner Firma zerstört. Die bereits begonnene Z4 konnte rechtzeitig zerlegt und nach Süddeutschland gebracht werden.
In den Jahren 1945 und 1946 entwickelte Zuse den „Plankalkül“. Der Entwurf zählt zu den ersten höheren Programmiersprachen. Viele seiner Gedanken wurden erst Jahrzehnte später in ihrer Bedeutung erkannt.
Erfinder, Unternehmer und Künstler
Im Jahr 1949 gründete Zuse im hessischen Neukirchen die Zuse KG. Das Unternehmen fertigte Rechner für Wissenschaft, Verwaltung und Wirtschaft. Bis 1967 entstanden insgesamt 251 Computer, bevor die Firma nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten von Siemens übernommen wurde.
Nach seinem Rückzug aus dem Berufsleben widmete sich Zuse verstärkt der Malerei. Unter dem Künstlernamen „Kuno See“ schuf er abstrakte Werke und Porträts. Technik und Kunst blieben für ihn zwei Seiten derselben schöpferischen Kraft.
Konrad Zuse starb am 18. Dezember 1995 im Alter von 85 Jahren in Hünfeld. Seine wichtigste Erfindung prägt den Alltag bis heute. Smartphones, Industrieanlagen und moderne Forschung beruhen weiterhin auf Grundprinzipien, die Zuse in seinen frühen Rechenmaschinen verwirklichte.
Politisch war Konrad Zuse kein Ostdeutscher im späteren Sinne, denn Deutschland war zur Zeit seiner Erfindung noch nicht geteilt. Berlin und Hoyerswerda machten seine Geschichte dennoch zu einem bedeutenden Teil ostdeutscher Technik- und Ideengeschichte.
Quelle: Deutsches Historisches Museum, Deutsches Technikmuseum Berlin, Zuse-Institut Berlin und Stadt Hoyerswerda