In der Alten Schultheißbrauerei in Dessau ist ab Freitagabend ein ungewöhnlicher Gast zu sehen: Ein neun Meter hohes, sieben Meter breites und 16 Meter langes Nashorn füllt einen großen Teil der historischen Halle. Die Installation „The Rhinoceros in the Room oder: Ein Märchen von Banalität und Bösem“ des deutsch-israelischen Künstlers Itamar Gov ist bis zum 10. August geöffnet.
Das überlebensgroße Tier besteht aus einer luftgefüllten weißen Hülle. Es wirkt auf den ersten Blick friedlich und beinahe verspielt, versperrt den Besuchern zugleich aber den Blick und den Weg durch den Raum. Begleitet wird die Skulptur von einer mehrstimmigen Klanginstallation.
Nashorn füllt fast den gesamten Raum
Das Kunstwerk ist etwa neun Meter hoch, sieben Meter breit und 16 Meter lang. Durch seine enorme Größe können Besucher kaum an der Installation vorbeisehen. Genau diese körperliche Erfahrung gehört zum Konzept des Künstlers.
Der Titel greift die bekannte Redewendung vom „Elefanten im Raum“ auf. Gemeint sind offensichtliche Probleme, die zwar jeder erkennt, über die aber dennoch kaum gesprochen wird. Gov ersetzt den Elefanten durch ein Nashorn und verbindet das Bild mit Fragen nach gesellschaftlicher Anpassung, Macht und autoritärem Denken.
Die Installation wurde bereits in Magdeburg, Halle und Salzwedel gezeigt. Dessau ist eine weitere Station der Reise durch Sachsen-Anhalt. Anschließend soll das Nashorn nach Zeitz weiterziehen.
Klanginstallation wirkt beruhigend und bedrohlich
Zum Kunstwerk gehört eine Klangkomposition, in der Goethes Ballade „Erlkönig“ mit einem hebräischen Wiegenlied verbunden wird. Die Musik wirkt stellenweise beruhigend und kindlich, entwickelt zugleich aber eine düstere und beunruhigende Atmosphäre.
Auch das Nashorn selbst lebt von diesem Widerspruch. Das Tier erscheint friedlich und harmlos, kann in der Natur jedoch gefährlich werden, wenn es gereizt wird. Die Installation nutzt diese Spannung zwischen Unschuld und Bedrohung bewusst.
Die Direktorin des Kunstmuseums Magdeburg, Annegret Laabs, beschreibt das Nashorn als friedfertig, solange es nicht provoziert werde. Seine Größe und mögliche Aggressivität machen es zugleich zu einem politischen Symbol.
Ausstellung nimmt gesellschaftliche Entwicklungen in den Blick
Der Untertitel „Ein Märchen von Banalität und Bösem“ verweist auf die Philosophin Hannah Arendt. Sie setzte sich mit der Frage auseinander, wie gewöhnliche Menschen zu Mitläufern eines verbrecherischen Systems werden können.
Nach Angaben des Künstlers steht das Nashorn auch für gesellschaftliche Konformität und die schleichende Annäherung an autoritäre oder nationalistische Ideen. Besucher sollen darüber nachdenken, welche Entwicklungen sichtbar sind, aber dennoch verdrängt oder nicht offen angesprochen werden.
Die Tour durch Sachsen-Anhalt findet bewusst im Umfeld der anstehenden Landtagswahl statt. Die Ausstellung soll Gespräche über Demokratie, gesellschaftliche Verantwortung und den Umgang mit extremistischen Entwicklungen anstoßen.
Nur zehn Tage in Dessau zu sehen
Die Ausstellung wird am 31. Juli um 18 Uhr eröffnet. Vom 1. bis zum 10. August kann das Nashorn täglich zwischen 11 und 17 Uhr in der Alten Brauerei an der Brauereistraße besichtigt werden.
Der Eintritt zur Eröffnung ist nach Angaben der Veranstalter frei. Die Alte Schultheißbrauerei bietet mit ihrer historischen Industriearchitektur einen besonders eindrucksvollen Rahmen für das monumentale Kunstwerk.
Quellen
MDR Kultur und Tagesschau: Hintergründe, Maße, Botschaft und Öffnungszeiten der Installation.
brau.ART Dessau: Ausstellungszeitraum und Veranstaltungsort.
Kunstmuseum Magdeburg: Informationen zur Tour der Installation durch Sachsen-Anhalt.