Fabrik gehörte zu den wichtigen Industriebetrieben der Region
Die Zuckerfabrik war über Jahrzehnte eng mit der Landwirtschaft rund um Demmin verbunden. Bauern aus dem Umland lieferten ihre Zuckerrüben zur Verarbeitung in die Stadt.
Nach Angaben des Veranstalters wurden bis zur letzten Kampagne insgesamt mehr als sechs Millionen Tonnen Rüben zu Rohzucker verarbeitet. Zeitweise galt der Betrieb mit Dividenden von bis zu 25 Prozent je Aktie als eine der rentabelsten Zuckerfabriken Norddeutschlands.
Die Geschichte der Fabrik zeigt damit auch, welche wirtschaftliche Bedeutung landwirtschaftliche Verarbeitung für Vorpommern besaß.
Vom Aktienunternehmen zum volkseigenen Betrieb
Die Fabrik durchlief mehrere politische und wirtschaftliche Systeme. Sie begann als Aktiengesellschaft, wurde später unter veränderten Eigentumsverhältnissen geführt und arbeitete in der DDR als volkseigener Betrieb.
Nach der deutschen Wiedervereinigung fiel sie in die Zuständigkeit der Treuhand. Die letzte Rübenkampagne endete bereits 1990.
Diese Entwicklung steht beispielhaft für viele ostdeutsche Industriebetriebe, deren Geschichte nicht mit dem Ende der Produktion verschwand. Gebäude, Erinnerungen und frühere Arbeitsbiografien prägen die Städte bis heute.
Buch dokumentiert Anlagen und Lieferanten
Die neue Publikation beschäftigt sich nicht nur mit Unternehmensdaten. Sie zeigt die Gebäude und technischen Anlagen der Fabrik und enthält mehrere Verzeichnisse.
Dazu gehören Übersichten zu Aktionären, Rüben liefernden Bauern und den einzelnen Produktionskampagnen. Dadurch entsteht ein Nachschlagewerk, das auch für Familienforscher und frühere Beschäftigte interessant sein dürfte.
Besonders wertvoll sind solche Verzeichnisse, weil sie Namen und wirtschaftliche Beziehungen dokumentieren, die in allgemeinen Stadtgeschichten oft nicht auftauchen.
Industriegeschichte betrifft viele Demminer Familien
Die Zuckerfabrik bot Arbeitsplätze in Produktion, Technik, Verwaltung, Transport und Instandhaltung. Hinzu kamen Beschäftigungsmöglichkeiten in Landwirtschaft und Logistik.
Viele Demminer dürften deshalb persönliche oder familiäre Erinnerungen mit dem Unternehmen verbinden. Fotografien, Arbeitsunterlagen und Erzählungen ehemaliger Mitarbeiter könnten die vorhandene Dokumentation weiter ergänzen.
Der Heimatverein sollte prüfen, ob begleitend zum Buch weitere Zeitzeugenberichte gesammelt und dauerhaft archiviert werden können.
Eintritt unterstützt die Hanse-Bibliothek
Die Buchvorstellung beginnt um 19 Uhr in der Hanse-Bibliothek in der Pfarrer-Wessels-Straße. Der Eintritt kostet drei Euro. Der Erlös geht an den Förderverein der Bibliothek.
Die Publikation erscheint im August und wird vom Demminer Heimatverein herausgegeben. Bei der Veranstaltung soll sie erstmals öffentlich präsentiert werden.
Frühere Fabrikstandorte brauchen sichtbare Erinnerung
Mit dem Ende eines Industriebetriebes verschwinden häufig auch Wissen und öffentliche Wahrnehmung. Eine Stadt sollte deshalb nicht nur erhaltene Baudenkmale, sondern auch verschwundene Arbeitswelten dokumentieren.
Denkbar wären Informationstafeln am früheren Standort, ein digitaler Rundgang oder eine kleine Ausstellung mit historischen Fotografien und technischen Gegenständen.
Das Buch kann dafür eine wichtige Grundlage liefern.
Quellen
Hansestadt Demmin, „Zucker aus Vorpommern, Geschichte der Demminer Zuckerfabrik“, Veranstaltungsinformation für den 6. August 2026
Demminer Heimatverein, Informationen zur Publikation von David Krüger, Stand August 2026
Hanse-Bibliothek Demmin, Einladung zur Buchvorstellung, August 2026