Deutschlands Unternehmen geraten immer stärker unter wirtschaftlichen Druck. Im ersten Halbjahr 2026 wurden rund 12.900 Unternehmensinsolvenzen registriert. Wie Creditreform mitteilt, ist das der höchste Halbjahresstand seit 2013 und ein Anstieg um 7,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

12.900 Firmeninsolvenzen in sechs Monaten

Der Anstieg der Firmenpleiten hält bereits seit mehreren Jahren an. Creditreform führt die Entwicklung auf die Folgen der schwachen Konjunktur, hohe Kosten und geopolitische Unsicherheiten zurück.

Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2013 wurden 13.310 Unternehmensinsolvenzen verzeichnet. Deutschland nähert sich damit wieder einem Niveau, das seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr erreicht wurde.

165.000 Arbeitsplätze von Insolvenzen betroffen

Die wirtschaftlichen Folgen reichen weit über die insolventen Unternehmen hinaus. Nach Angaben von Creditreform sind etwa 165.000 Arbeitsplätze von den Firmenpleiten betroffen oder unmittelbar gefährdet.

Die geschätzten Forderungsausfälle summieren sich im ersten Halbjahr auf rund 28,5 Milliarden Euro. Durchschnittlich entspricht dies etwa 2,2 Millionen Euro je Insolvenzverfahren.

Mittelstand hat Rücklagen weitgehend aufgebraucht

Besonders problematisch ist die finanzielle Situation vieler kleiner und mittlerer Betriebe. Nach mehreren Jahren mit schwachem Wachstum haben Unternehmen Reserven aufgebraucht, während gleichzeitig Finanzierungskosten und andere Belastungen hoch bleiben.

Eine Creditreform-Auswertung zeigt zudem, dass immer mehr Firmen ihre Zinszahlungen nicht ausreichend aus dem operativen Geschäft decken können. Schwache Erträge und hohe Kreditkosten erhöhen damit das Insolvenzrisiko zusätzlich.

Pleitewelle erfasst zahlreiche Branchen

Von der Entwicklung sind nicht nur einzelne Wirtschaftszweige betroffen. Besonders viele Insolvenzen gibt es im Dienstleistungssektor, aber auch Handel, Bauwirtschaft, Gastronomie und Logistik stehen unter erheblichem Druck.

Auch regional zeigen sich große Unterschiede. Berlin weist mit rund 120 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen eine besonders hohe Insolvenzquote auf, während Thüringen zuletzt zu den Ländern mit vergleichsweise niedrigen Quoten gehörte.

Entspannung frühestens 2027 erwartet

Creditreform sieht den Höhepunkt der Entwicklung noch nicht erreicht. Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung, rechnet erst mit einer Stabilisierung, wenn die deutsche Wirtschaft wieder spürbar wächst.

Auch aktuelle Einschätzungen gehen davon aus, dass die Insolvenzwelle mindestens bis Mitte 2027 anhalten könnte. Erst im weiteren Verlauf des kommenden Jahres wird eine mögliche Trendwende erwartet, sofern Investitionen und eine bessere Konjunktur tatsächlich bei den Unternehmen ankommen.

Damit bleibt die Lage insbesondere für Betriebe mit geringen Rücklagen und hoher Kostenbelastung angespannt. Die Insolvenzstatistik dürfte deshalb auch in den kommenden Monaten zu den wichtigsten Frühindikatoren für den Zustand der deutschen Wirtschaft gehören.

Quelle:

Creditreform Wirtschaftsforschung; aktuelle Insolvenzstudie für das erste Halbjahr 2026.