Seit dem 29. Juli gelten in Deutschland neue Regeln für den Einbau von Heizungen. Die pauschale Vorgabe von mindestens 65 Prozent erneuerbaren Energien bei neuen Heizsystemen entfällt. Wie die Bundesregierung mitteilt, können Eigentümer nun wieder stärker selbst entscheiden, welche Technik zu ihrem Gebäude passt.

65-Prozent-Regel für Heizungen entfällt

Das Gebäudemodernisierungsgesetz ersetzt zentrale Vorgaben des bisherigen Gebäudeenergiegesetzes. Bundestag und Bundesrat verabschiedeten die Reform im Juli, am 28. Juli wurde sie im Bundesgesetzblatt verkündet und einen Tag später traten die wesentlichen Änderungen in Kraft.

Kernpunkt ist die Abschaffung der einheitlichen 65-Prozent-Vorgabe für erneuerbare Energien bei der Wärmeversorgung von Neu- und Bestandsgebäuden. Die Bundesregierung setzt stattdessen auf eine technologieoffenere Regelung.

Gas- und Ölheizungen bleiben erlaubt

Eigentümer können weiterhin zwischen Wärmepumpen, Fernwärme, Hybridanlagen und Biomasseheizungen wählen. Neu ist vor allem, dass auch der Einbau moderner Gas- und Ölheizungen grundsätzlich wieder möglich bleibt.

Für fossile Heizungen bedeutet das allerdings keine völlige Rückkehr zu alten Regeln. Ab 2029 müssen schrittweise steigende Anteile klimafreundlicher Brennstoffe wie Biomethan, Bioheizöl oder bestimmte Wasserstoffprodukte eingesetzt werden.

Förderung für klimafreundliche Heizungen bleibt

Die Bundesregierung hält gleichzeitig an der Förderung klimafreundlicher Heiztechnik fest. Wärmepumpen, effiziente Heizsysteme und energetische Modernisierungen sollen weiterhin über die Bundesförderung für effiziente Gebäude unterstützt werden.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche bezeichnet die Reform als Wechsel hin zu mehr Technologieoffenheit und Planungssicherheit. Nach Berechnungen ihres Ministeriums sollen Bürger, Handwerk und Wirtschaft durch weniger Bürokratie und veränderte Vorgaben um rund 7,4 Milliarden Euro entlastet werden.

Eigentümer sollten Folgekosten genau prüfen

Mehr technische Wahlfreiheit bedeutet allerdings nicht automatisch niedrigere Heizkosten. Wer heute eine neue Gas- oder Ölheizung einbaut, muss neben Anschaffung und Verbrauch auch die langfristige Entwicklung von CO₂-Kosten und klimafreundlichen Brennstoffen berücksichtigen.

Gerade die künftig vorgeschriebenen Beimischungen können die Betriebskosten fossiler Anlagen beeinflussen. Die wirtschaftlich günstigste Lösung dürfte deshalb weiterhin stark von Gebäudezustand, Dämmung, bestehender Infrastruktur und regionalen Energiepreisen abhängen.

Neue Heizungsregeln bleiben politisch umstritten

Grüne, Linke und Umweltverbände kritisieren die Lockerungen und warnen vor höheren langfristigen Kosten sowie möglichen Rückschritten beim Klimaschutz. Die Bundesregierung hält dagegen, dass die Klimaziele mit technologieoffenen Vorgaben und zunehmend klimafreundlichen Brennstoffen erreicht werden sollen.

Für Hausbesitzer bedeutet die Reform zunächst vor allem eines: Beim nächsten Heizungstausch gibt es wieder deutlich mehr Auswahl. Welche Technik wirtschaftlich sinnvoll ist, muss jedoch stärker für jedes Gebäude einzeln berechnet werden.

Quelle:

Bundesregierung; Bundesministerium für Wirtschaft und Energie; Gebäudemodernisierungsgesetz 2026.