Eine neue Studie des Deutschen Herzzentrums der Charité zeigt, dass die Magnetokardiographie Herzmuskelerkrankungen mit hoher Genauigkeit erkennen kann. Das Verfahren könnte künftig helfen, weiterführende Untersuchungen gezielter einzusetzen.

Brustschmerzen, Luftnot, Herzrasen oder eine ungewöhnlich schnelle Erschöpfung können auf eine Erkrankung des Herzmuskels hinweisen. Die Beschwerden ähneln jedoch oft denen einer koronaren Herzerkrankung.

Selbst wenn eine Erkrankung der Herzkranzgefäße ausgeschlossen wurde, bleibt die Diagnose einer Herzmuskelentzündung oder einer anderen Erkrankung des Herzmuskels häufig schwierig.

Magnetfeld des Herzens wird gemessen

Die Magnetokardiographie, kurz MKG, misst das äußerst schwache Magnetfeld des Herzens.

Jeder Herzschlag entsteht durch elektrische Vorgänge in den Herzmuskelzellen. Dabei entsteht neben der elektrischen Spannung, die mit einem EKG gemessen wird, auch ein Magnetfeld.

Besonders empfindliche Sensoren erfassen diese Signale. Die Patientinnen und Patienten liegen dafür wenige Minuten unter einem Messgerät. Eine Berührung des Körpers ist nicht notwendig.

Das Verfahren kommt ohne Strahlung und ohne Kontrastmittel aus und könnte deshalb grundsätzlich mehrfach wiederholt werden.

330 Menschen nahmen an der Studie teil

An der MagMa-Studie beteiligten sich 110 erwachsene Patientinnen und Patienten.

Sie litten unter Beschwerden wie Brustschmerzen, Luftnot, Herzrasen oder eingeschränkter Belastbarkeit. Eine relevante Erkrankung der Herzkranzgefäße war zuvor bereits durch eine Herzkatheteruntersuchung oder Computertomographie ausgeschlossen worden.

Zusätzlich untersuchten die Forschenden 220 gesunde Personen, die hinsichtlich Alter und Geschlecht mit der Patientengruppe vergleichbar waren.

Insgesamt flossen damit die Daten von 330 Menschen in die Studie ein.

95 von 100 Erkrankungen erkannt

Die Magnetokardiographie erreichte nach Angaben des Deutschen Herzzentrums eine Sensitivität von rund 95 Prozent.

Das bedeutet: Von 100 Menschen mit einer tatsächlich vorhandenen Herzmuskelerkrankung erkannte das Verfahren rechnerisch etwa 95.

Die Spezifität lag bei rund 99 Prozent. Von 100 Personen ohne eine solche Erkrankung wurden demnach etwa 99 korrekt als nicht erkrankt eingestuft.

Auffällige Befunde trotz unauffälligem MRT

Besonders bemerkenswert waren die Ergebnisse bei drei Patientinnen und Patienten.

Bei ihnen hatte das Herz-MRT keine eindeutigen Hinweise auf eine Erkrankung ergeben. Die Magnetokardiographie zeigte dagegen jeweils einen auffälligen Befund.

Eine anschließende Untersuchung von Gewebeproben aus dem Herzmuskel bestätigte in allen drei Fällen eine entzündliche Erkrankung.

MRT und Biopsie sollen nicht ersetzt werden

Die Magnetokardiographie soll etablierte Untersuchungen wie das Herz-MRT oder die Herzmuskelbiopsie nicht ersetzen.

Nach Einschätzung von Prof. Dr. Bettina Heidecker könnte das Verfahren jedoch dabei helfen, schnell diejenigen Patienten zu erkennen, bei denen eine weiterführende Diagnostik besonders wichtig ist.

Ein unauffälliger Befund könnte umgekehrt dazu beitragen, aufwendige Untersuchungen zu vermeiden.

Einsatz als schnelle Voruntersuchung denkbar

Die Forschenden sehen die Magnetokardiographie vor allem als mögliche Voruntersuchung.

Sie könnte Patientinnen und Patienten mit einer hohen Wahrscheinlichkeit für eine Herzmuskelerkrankung früh erkennen und gezielt an spezialisierte Untersuchungen weiterleiten.

Da das Verfahren ohne Strahlung auskommt, wäre auch ein Einsatz für regelmäßige Verlaufskontrollen denkbar. Diese Anwendung wurde in der aktuellen Studie jedoch noch nicht untersucht.

Weitere Studien erforderlich

Die Magnetokardiographie ist derzeit noch nicht für den allgemeinen Routineeinsatz geeignet.

Die Studie wurde an einem einzelnen spezialisierten Zentrum durchgeführt. Zudem benötigen die Messungen einen Raum, der gegen störende Magnetfelder abgeschirmt ist.

Bei bestimmten metallischen Implantaten im Brustkorb kann die Untersuchung ebenfalls beeinträchtigt sein.

Weitere Studien an mehreren Kliniken sollen nun zeigen, ob sich die Ergebnisse auch in größeren und vielfältigeren Patientengruppen bestätigen.

Quellen

Deutsches Herzzentrum der Charité – Mitteilung zur MagMa-Studie über Magnetokardiographie bei Herzmuskelerkrankungen, veröffentlicht im August 2026.

Fachjournal JACC: Heart Failure – „The MagMa Study – Quantum Magnetocardiography in Cardiomyopathy“, veröffentlicht 2026