Das größte Radrennen der Welt könnte 2029 in Ostdeutschland beginnen. Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben ihre gemeinsame Bewerbung für den Grand Départ der Tour de France offiziell eingereicht. Der geplante Auftakt soll Spitzensport mit der Erinnerung an Friedliche Revolution und Mauerfall verbinden.

Prolog in Berlin, danach drei Etappen durch den Osten

Das Konzept sieht nach den bislang veröffentlichten Angaben einen Prolog in Berlin und anschließend drei Etappen durch Mitteldeutschland vor. Die endgültigen Streckenverläufe und Etappenorte stehen noch nicht fest.

Die Bewerbung wird vom deutschen Radsportverband German Cycling getragen und von der Initiative Grand Départ Allemagne operativ begleitet. Ein sogenanntes Bidbook wurde an die französische Tour-Veranstalterin Amaury Sport Organisation übergeben.

Tour-Chef macht Deutschland Hoffnung

Tour-Direktor Christian Prudhomme äußerte sich bei der Präsentation in Berlin positiv über das Vorhaben. Er bezeichnete die Verbindung aus Sport, Geschichte und europäischem Zusammenhalt als attraktiv. Eine Zusage ist das allerdings noch nicht.

Die Entscheidung der Tour-Organisatoren wird nach derzeitigen Angaben bis Anfang 2027 erwartet. Deutschland konkurriert unter anderem mit Bewerbungen aus Prag und Slowenien.

40 Jahre Mauerfall als starkes Argument

Das Jahr 2029 wurde bewusst gewählt. Dann jähren sich die Friedliche Revolution und der Fall der Berliner Mauer zum 40. Mal.

Die Bewerber wollen den Grand Départ deshalb nicht nur als Sportereignis präsentieren. Die Tour soll auch zeigen, wie sich Ostdeutschland seit 1989 entwickelt hat und welche Bedeutung Freiheit, Einheit und europäische Zusammenarbeit für die Region besitzen.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer sieht darin die Chance, die positive Entwicklung Ostdeutschlands vor einem weltweiten Publikum sichtbar zu machen. Auch die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser, unterstützt die Bewerbung.

Große Bühne für Städte und Regionen

Ein Tour-Start könnte den beteiligten Ländern internationale Aufmerksamkeit verschaffen. Die Fernsehbilder der Tour zeigen traditionell nicht nur das Fahrerfeld, sondern auch Landschaften, Städte, Schlösser und Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke.

Davon könnten Tourismus, Gastronomie und regionale Vermarktung profitieren. Wie hoch die wirtschaftlichen Effekte tatsächlich ausfallen würden, hängt jedoch von Streckenführung, Zuschauerzahlen, Kosten und langfristiger Nutzung der Veranstaltung ab.

Konkrete Finanzierungsangaben für die ostdeutsche Bewerbung wurden bislang nicht vollständig veröffentlicht. Auch mögliche Zuschüsse von Bund und Ländern sind noch Teil der weiteren Planungen.

Ostdeutschland besitzt eine starke Radsporttradition

Die Bewerbung verweist zudem auf die lange Radsportgeschichte der Region. Zahlreiche erfolgreiche Rennfahrer, Vereine, Trainingszentren und traditionsreiche Rennen stammen aus Ostdeutschland.

Prudhomme hob diese Radsporttradition ausdrücklich hervor. Sie könnte neben der historischen Symbolik ein weiteres Argument für die deutsche Bewerbung sein.

Berlin war bereits 1987 Startort

Deutschland richtete bislang mehrere Grand Départs aus. Berlin war 1987 Startort der Tour de France – damals noch als geteilte Stadt. Der bisher letzte deutsche Tour-Auftakt fand 2017 in Düsseldorf statt.

Ein Start 2029 würde damit mehr als vier Jahrzehnte nach dem Berliner Auftakt und zwölf Jahre nach Düsseldorf erfolgen.

Noch keine endgültige Strecke

Frühere Planungen nannten mögliche Verbindungen zwischen Städten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Diese Überlegungen dürfen jedoch nicht mit der endgültigen Bewerbung gleichgesetzt werden.

Belastbar bestätigt sind derzeit:

  • ein Auftakt beziehungsweise Prolog in Berlin,
  • drei anschließende Etappen durch Ostdeutschland,
  • die Beteiligung Berlins, Sachsens, Sachsen-Anhalts und Thüringens,
  • die historische Ausrichtung auf den 40. Jahrestag von Mauerfall und Friedlicher Revolution.

Welche Städte tatsächlich Start- oder Zielorte werden, entscheidet sich erst im weiteren Verfahren.

Die wichtigsten Fakten

  • Veranstaltung: Grand Départ der Tour de France 2029
  • Bewerber: Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen
  • Träger: German Cycling
  • Operative Initiative: Grand Départ Allemagne
  • Geplantes Konzept: Prolog in Berlin und drei weitere Etappen
  • Historischer Anlass: 40 Jahre Friedliche Revolution und Mauerfall
  • Entscheidung: voraussichtlich bis Anfang 2027
  • Konkurrenz: unter anderem Prag und Slowenien
  • Letzter deutscher Grand Départ: Düsseldorf 2017

Quellen und Datenbasis

  • German Cycling und Grand Départ Allemagne zur offiziellen Bewerbung und Trägerschaft.
  • Thüringer Staatskanzlei zur Übergabe der Bewerbung am 29. Juli 2026.
  • Aktuelle Berichterstattung zu den Aussagen von Tour-Direktor Christian Prudhomme.